"When I get older losing my hair, / many years from now", wer kennt es nicht?, das Lied in dem die Beatles von ihren damals noch fiktiven Enkelkindern - die sie Vera, Chuck und Dave nannten - träumen.
Für sich alleine schon stehen die Karikaturen und kleinen Gemälde des britischen Magazin- und Postergrafikers Alan Aldridge, die dem Büchlein einen gewissen Reiz vermachen, einen besonderen Wert vermitteln. Hinzu kommt, dass das Buch zwischenzeitlich ein Klassiker ist; es erschien bereits im Jahre 1971. Der Ausgabe, die ich in Händen halte, sieht man das auch an, denn sie ist endlos abgegriffen, zerfleddert und löst sich langsam in ihre Bestandteile auf: die deutsche Ausgabe von "The Beatles Songbook".
"You will be older too, / And if you say the word, / I could stay with you." Die Beatles und ihr altersloses "When I'm Sixty-Four". Die unvergessenen Herren John, Paul, George und Ringo sind inzwischen, bzw. wären es, würden sie noch alle auf Erden weilen, auch schon jenseits der Vierundsechzig.
Zurück zum vorliegenden Taschenbüchlein. Hier sind es nicht nur und exklusiv die Grafiken des Herausgebers Alan Aldridge, die den buchimmanenten Spaßfaktor ausmachen. Es sind noch weitere Künstler wie der sich Erté nennende Illustrator und Designer Romain de Tirtoff, der englische Karikaturist Ronald Searle oder der Elsässer Grafiker und Schriftsteller Tomi Ungerer, die ihrerzeit aufgefordert und eingeladen waren, sich mit passenden Illustrationen - zu einzelnen Songtexten oder zu den Beatles - zu beteiligen. Letztlich und endlich sind es aber die Liedtexte von John Lennon und/oder Paul McCartney, die das Songbook zum "perfekten Reiseführer ins Sergeant-Pepper-Land" (Münchener Abendzeitung) machen, "frech, verspielt, melancholisch, sozialkritisch, ein bisschen lüstern, ein bisschen peppig ..."
"Doing the garden, digging the weeds, / Who could ask for more. / Will you still need me, will you still feed me, / When I'm sixty-four?"
Durch Randbemerkungen, Zitate meist von John Lennon oder Paul McCartney, seltener von George Harrison oder Ringo Starr, erfahren wir so manches Wissenswerte, zum Beispiel auch zu den Texten beziehungsweise zu ihrer Entstehung: "Komisch ist das mit dem Lied. Die Leute kamen her und sagten pfiffig: 'Ja ja, versteh' schon - LSD', und es war ja auch gerade die Zeit, als die Zeitungen über LSD redeten, aber daran haben wir nie gedacht. Wie's wirklich war: Johns Sohn Julian hatte in der Schule ein Bild gemalt, und er brachte es mit nach Hause, und ein Mädchen namens Lucy geht mit ihm zur Schule. 'Was'n das?' fragte John, und Julian sagte 'Lucy am Himmel mit Diamanten'" (Paul McCartney). - Lucy in the Sky with Diamonds. Sollen wir das Paul McCartney glauben? Ich weiß nicht recht ...
"Every summer we can rent a cottage, / In the Isle of Wight, if it's not too dear / We shall scrimp and save / Grandchildren on your knee / Vera, Chuck & Dave"
Das Buch das ich in Händen halte, zerfleddert und sich langsam dem Buchfriedhof zuwendend (keine Angst, ich werde alle mir zu Verfügung stehenden buchbinderischen Lebenserhaltungssysteme zur Anwendung bringen, um ihm noch einen langen und verdienten Lebensabend zu gewähren) gehört mir gar nicht mal. Ich weiß es genau. Mir wurde es schon in den Siebzigern ausgeliehen, von einem Kumpel, einem Freund, einer Freundin, jemandem aus meiner Schulklasse. Ich hab's vergessen von wem. Heute würde ich es gerne abkaufen und bezahlen ..., nicht so gerne, aber wenn's denn sein müsste, selbstverständlich auch zurückgeben. Aber der oder die Betreffende hat sich nie mehr gemeldet. Ich verlor das Buch eine Zeitlang aus meinem Blick ... und jetzt weiß ich nicht mehr, wem es gehört.
"Give me your answer, fill in a form / Mine for evermore / Will you still need me, will you still feed me, / When I'm sixty-four?"
Irgendwann bin auch ich Vierundsechzig. Und das Buch habe ich noch immer nicht zurück gegeben. Wahrscheinlich gehört es mir zwischenzeitlich sogar. Ja tatsächlich. BGB § 937, Abs. 1: Wer eine bewegliche Sache zehn Jahre im Eigenbesitze hat, erwirbt das Eigentum (Ersitzung). Hm?, auf diese Art und Weise will ich das gar nicht.