"The Bat" ist ein Gruselkrimi klassischen Schlags, und ein vortrefflicher noch dazu: Ein Film für verregnete Herbstabende, für eine gemütliches Sofaecke und eine Tasse Tee.
Die Zutaten hat man schon oft gesehen, und trotzdem funktionieren sie: Ein großes Herrenhaus im Wald, zwei darin wohnende Damen, eine große Summe Geld, und ein maskierter Mörder mit einem Rasiermesserhandschuh, dessen Schatten sich nachts nosferatuhaft über die Wände bewegen.
Mehr muss man zur Handlung kaum sagen: The Bat ist ein Filmkonzept, wie es durch zahlreiche Edgar Wallace-Produktionen totgeritten wurde, aber so frisch und originell, wie es in diesem Film von 1959 daherkommt, lässt man sich doch gerne darauf ein. Anders als zwanzig austauschbare B-Produktionen aus der selben Drehbuchschublade, hat dieser Film echte Atmosphäre: Mit dem titelgebenden Mörder, dessen Gestalt mit Schlapphut und Klauenhandschuh durchaus Freddy Krueger vorwegnimmt, ist es kaum möglich nicht eine wohlige Gänsehaut zu bekommen, wenn sein Schatten mit den langen Fingern hinter dem Fenster erscheint.
Auch die Krimielemente sind hervorragend ausgearbeitet: Der Film bewegt sich schon früh in Richtung des klassischen "Whodunit" - d.h. es kommt zu einem Mord, und jeder der vier auftretenden Herren (ein Arzt, ein Polizist, ein Diener sowie naher Verwandter) kommt gleichermaßen dafür in Frage. Mit vielen widersprüchlichen Hinweisen hält das Drehbuch den Zuschauer buchstäblich bis zur letzten Minute bei der Stange: Jedesmal, wenn man als Zuschauer seinen inneren Tipp über die Identität des Mörders abgibt, wird der Verdacht plötzlich entkräftet, so dass man sich erneut auf das Ratespiel einlassen muss. Und obwohl Vincent Price mit seinem gewohnten Bühnencharisma seine Kollegen deutlich in den Schatten stellt, und früh jeden Verdacht auf sich zieht, steht ihm das vielseitige Ensemble in nichts nach.
Niemals vorhersehbar, niemals billig, niemals unglaubwürdig (alles Attribute, die man so häufig auf das Krimikino der 50er Jahre anwenden kann), hat The Bat echtes Potential, ein dauerhafter Klassiker zu werden. Frohes Mitraten!