Disk 1: The Bitter Tea of General Yen
Disk 2: Golden Boy
Disk 3: Double Indemnity
Disk 4: All I Desire
Disk 5: The Lady Eve
Disk 6: The Miracle Woman
Alle Filme: Bild: SW / sehr gut bis gut; Ton: gut; Sprache: Englisch; Untertitel: nur Englisch.
Eine insgesamt betrachtet äußerst zufriedenstellende Auswahl herausragender Filme mit Barbara Stanwyck.
Disk 1: The Bitter Tea of General Yen. USA 1933. Mit: Barbara Stanwyck, Nils Asther, Toshia Mori, Walter Connolly u.A. Regie: Frank Capra. (84 Min). Melodram.
Barbara Stanwyck gehört zu jenen Schauspielerinnen, die aus der Filmgeschichte nicht wegzudenken sind, und die dieser ein unverkennbares, ewig bleibendes Siegel aufdrückten. Sie war eine der stärksten, ausdrucksreichsten und markantesten Akteurinnen der Filmkunst.
China Ende 1911 während der Xinhai-Revolution (als die Qing-Dynastie des letzten Mandschu-Kaiser Pu Yi im Jahre 1912 beendet wurde).
Je länger der Film dauert, umso tiefiger wandelt sich das Gesicht von Barbara Stanwyck von einer Missionarsfrau zu einer Frau. Capra holt aus ihrer Vollkommenheit die Vollendung hervor. Er schafft aus ihrem anfänglichen, züchtigen Bilde das Antlitz der Göttin. Der Femme Fatale, welche den Mann in ihren Bann zieht ohne ein einziges Wort. Und Barbara Stanwyck war eine der besten, wenn nicht die beste. Sie ist sehr zerbrechlich und darum unwiderstehlich - kein Mann vermag sich ihr zu versagen. Wahrlich fesselnd hat Frank Capra die im ersten Viertel angesiedelten bürgerkriegsartigen Szenen dargestellt. Der Skandinavier Nils Asther macht sich als Chinese ausgenommen gut, isst mit den Stäbchen sehr professionell und mischt die Gefühle der Missionarsgattin Davis gehörig durcheinander. Die knisternde Erotik zwischen Stanwyck und Asther ist unübersehbar in jeder Pose der Beiden zueinander und jedem Blick, was Capra absichtlich und meisterhaft einfängt. Capras Bilder haben symbolische Tatkraft. Wenn Yen vor Stanwyck stehend seinen rechten, dunklen Arm weit über die Filmfläche mit geöffneter Hand ausstreckt und dabei ihren bekleideten hellen Unterleib verdeckt, die Frau gleichzeitig ihn mit herabwallendem Haar fixiert, ihn wolllüstig einlädt, wie sich auch gleichzeitig verbietet - dann saugt man in sich gebannt die Entladung von Emotionen in einer filmischen Sekunde. Es gibt keine Schauspielerin, die diese in sich widersprüchliche und doch reale Dualität des gespaltenen Frauenwesens besser wiederspiegelt als Barbara Stanwyck. Ihre weibliche Ausdrucks- und Suggestivkraft wird in diesem Film überreich ausgeschüttet wie in kaum einem anderen später.
Disk 2: Golden Boy. USA 1939. Mit: William Holden, Barbara Stanwyck, Adolphe Menjou, Lee J. Cobb, Joseph Calleia u. A. Musik: Victor Young. Regie: Rouben Mamoulian. (95 Min). Boxerdrama.
Der Filmkomponist Victor Young begleitet mit seiner einfühlsamen Musik den Film von Anbeginn und deutet damit dessen hohe Güte an. Der Film beginnt wuchtig. Der ältliche, hässliche Boxmanager (Adolphe Menjou) in verbalem Schlagabtausch mit B. Stanwyck, die ihn knallhart an die Wand spielt und dennoch mit ihm schmust, als gerade der blutjunge und hungrige Boxer William Holden reinplatzt. Es ist ein emotionaler Wahnsinn und eine zufällige, glückliche Konstellation einer schauspielerischen Mischung aus liderlichen, widerlichen und unwiderstehlichen Leidenschaften innerhalb der ersten Runde. Der junge Holden, welcher nichts hat und nichts ist, ist trotzdem und gerade darum ein nicht aufzuhaltender Sieger, dem sich kein Rivale jemals wird entgegenstemmen können, außer er selbst. Und Barbara Stanwyck, die dies im Film wie auch in der Realität weiß, fördert ihn und ermöglicht seine filmische und reale Karriere. Und darum ist der Film ein Stück Zeitdokument einer wahren Episode zweier wunderbarer Menschen. Es ist einfach schön diesen hungrigen Jüngling in der Boxwelt kämpfen, siegen und sich läutern zu sehen. Und das alles nur darum, weil diese starke, große Frau an ihn geglaubt hat. Und darum ist es schön, diesen felsenfesten Glauben im Film zu verfolgen und respektvoll anzuerkennen. Wild und verzweifelt kämpft Holden im Film um seine Chance als unerfahrener Boxer in den Ring zu steigen. Gleichzeitig kämpft er verbissen um seine Chance als Schauspieler. Das sieht man ihm im Film an. Wenn er es in diesem Film nicht schafft, dann schafft er es nie. Er hat es geschafft. Und nur Barbara Stanwyck vermag sich innerhalb von wenigen Sekunden aus einer zärtlich-entflammten Frau in eine verächtlich-fauchende Furie zu verwandeln, wenn man nicht bereit ist, nach ihrer Pfeife zu tanzen. Aber ebenfalls die Frau, die ihren Geliebten vor dem Untergang warnt und ihm den richtigen Weg weist. Die Dualität des Daseins als Muße, aber auch Kampf, symbolisiert in den Händen des Mannes, welche der Schönheit der Kunst verpflichtet sind, aber manchmal auch den zu Waffen geballten Fäusten. Eine achtungswürdige psychologische Studie verkörpert in einem guten Film. Welche Seite wird am Ende den Sieg davontragen? Natürlich die der Liebe.
Disk 3: Double Indemnity. Deutscher Titel: Frau ohne Gewissen (schlecht gewählter Titel). USA 1944. Mit: Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson u.A. Kamera: John F. Seitz. Musik: Miklos Rozsa. Regie: Billy Wilder. (103 Min). Thriller / Film noir.
Auszeichnungen/Nominierungen: Nominiert für sieben Oscars als bester Film, beste Hauptdarstellerin (B. Stanwyck), beste Regie, bestes Drehbuch, beste Musik, Kamera und Ton.
Es geht beim Film um zwei völlig durchschnittliche Menschen, deren Faszinität darin besteht, dass sie sich im negativen Sinne überbieten, als Wesen, welche mittels eines perfiden Planes alles daransetzen, um diesen zu verwirklichen. Der von Beginn an vollkommen zwang- und haltlos sich ereignende Dialogaustausch zwischen MacMurray und Stanwyck ist so entzückend, dass man einem Paar wie diesem das höchste gemeinsame Glück wünschen würde, gäbe es hinter ihrer Liebenswürdigkeit nicht die Fratze der Lüge und des Wahnsinns, welche im Film nach und nach objektiviert werden. Der durchschnittsgesichtige Fred MacMurray in tragender, bahnbrechender Rolle eines aufdringlichen, plappernden und dreisten Versicherungsangestellten, der einer Frau so verfällt, dass er bereit ist, für sie über Leichen zu gehen. Alles in diesem Film ist zielgerichtet nach der elektrisierten Begegnung zweier Menschen im Niemandsland der Moral, deren Begierden nach den niederen Elementen des Daseins derart dominieren, dass deren Menschlichkeit vollkommen entschwindet. Alles ist dem einen Ziel untergeordnet, die eigene Existenzleere zu überwinden, auch mittels eines gemeinen Mordes, wenn es so am Leichtesten zu bewerkstelligen ist. Die unbewußte Sympathie für die beiden aneinander schicksalhaft hängenden Menschen ergibt sich aus der Tatsache, dass diese in ihrem Status unserem allgemeinen Menschsein ähneln. Sie spiegeln wieder das Unerlöstsein innerhalb einer - wenn auch relativ sicheren - Lebensstruktur. Ihre Gefühle der Unzufriedenheit sind ja echt und dem allgemein menschlichen Gefühl anverwandt. Ihre Sehnsüchte sind ja tatsächlich gerechtfertigt. Allerdings sind die Mittel für die Befriedigung dieser Sehnsüchte ziemlich böse, abgrundtief böse. Ein unschuldiger Mensch muß dafür sterben...dass die Anderen zu ihrem vermeintlichen Glück kommen - diese diabolische Erfüllung wird ihnen vorgegaukelt - und von ihnen hochgeschaukelt in gemeinsam-gegenseitiger sexueller Stimulanz bis zur unaufhaltsamen Selbstauslöschung. Von daher ist zunächst Barbara Stanwyck hier in der Darstellung der skrupellosen Intrigantin die ultimativ idealste Besetzung - eines Oscar vollkommen würdig, auch wenn sie ihn nicht erhielt. Und Fred MacMurray ist echt stark - obwohl er in diesem Film ganz sicher nicht die Hauptrolle für sich beanspruchen durfte. Die Suggestivität der Blicke ist in diesem Film ein tragender Bestandteil der Botschaften. Es ist darum auch schmerzvoll für den Zuschauer registrieren zu müssen, dass all das Schöne und grundsätzlich Gute in den äußeren Formen und Bewegungen der beiden schicksalhaft miteinander Verschworenen dem Desktruktiven dient...dem Abgrund entgegeneilend - darin sich wiederspiegelnd die Verflechtung des Menschen in das Fatum seiner Sündhaftigkeit. Da gelang eine perfekte Botschaft mittels der menschlichen Schauspielermedien, welche es verstanden, die Geschichte von der Sünde Adams und Evas in die moderne Welt zu transformieren, ohne deren modernes Outfit und Denken verbergen oder verleugnen zu müssen - das Gegenteil ist der Fall: die Darstellung der allgemein menschlichen Verflochtenheit in die Sünde wird aus der Perspektive des modernen Menschen noch tiefer und transparenter gemacht, so dass über das Medium Film die Einsicht in die menschlichen Abgründe klarer erscheint, als mittels jeder geschriebenen Form. Der Film ist ein ungebremster Trip direkt in den Schlund der Hölle, die dahin Fahrenden begleitend von Anfang bis zum Ende ihres Verhängnisses, als eine mahnende Studie, wie man sich seine persönliche Erlösung nicht erkaufen sollte. Billy Wilder gehörte zu den ganz großen, weisen Regisseuren der Filmgeschichte und hat sich mit diesem Film eines von mehreren unsterblichen Denkmälern geschaffen.
Disk 4: All I Desire. Deutscher Titel: All meine Sehnsucht. USA 1953.
Lesen Sie weiter... ›