Um seiner teils konträren Vielseitigkeit Ausdruck zu verleihen, bedient sich Patrick Wolf wieder einer gewaltigen Orchestrierung, reichlich Pathos, aber auch unerwarteter Gast-Auftritte. Das Ergebnis ist eine von seiner beeindruckenden Stimme getragene Selbstinszenierung.
Seit seinem Debüt „Lycanthropy“ 2003 wandelt Patrick Wolf auf den Pfaden der Extreme und inszeniert sich selbst, um seine Kreativität in all seinen Aspekten künstlerisch zu reproduzieren. Das ursprüngliche Konzept einer Doppelveröffentlichung mit dem Titel „Battle“ löste sich schließlich in eine Release in zwei Durchläufen auf. Während sich der Fokus von „The Bachelor“ auf depressive Erfahrungen verlagert, die Wolf während seiner letzten Tour machte, soll der zweite Teil „The Conqueror“ die Rückkehr an einen sicheren Ort dokumentieren. Das Konzept der 2010 erscheinenden Fortsetzung wurde durch eine neue Liebe geprägt und verspricht entsprechend frohsinniger zu werden.
Startschuss des jetzigen Albums ist ein 48-sekündiges Instrumental-Intro namens „Kriegspiel“, welches direkt in „Hard Times“ übergeht. Das wirre Noise-Geklimper, das abrupt in geballte Arrangements inklusive Fanfare und Geige übergeht, liefert eine wahrhaft muntere Einstimmung.
Schon die ersten Töne untermalen geäußerte Gesellschaftkritik: „Ein Überfluss an Informationen, den wir gelernt haben, zu ignorieren / Gefeierte Mittelmäßigkeit“. Ähnlich düster und missmutig sind die meisten Songs des Albums. Akzentuiert wird dieser Eindruck durch die Dramatik und Theatralik, die Wolfs Stimme innewohnen. Dunkle Impressionen seiner Reise werden unter anderem im wenig eingängigen „Thickets“ geäußert, das mit seinen verträumten Kompositionen an einem vorbei fließt.
Im wohl gelungensten Track des Albums, „Oblivion“, wird die kräftige Stimme des Briten, von sanften Zeilen einer Frauenstimme durchsetzt. Es ist der erste Auftritt von Schauspielerin Tilda Swinton, die den Liedern mit ihren Worteinwürfen eine unglaubliche Ruhe einhaucht. Noch eindrucksvoller ist das Zusammenwirken der beiden jedoch in „Theseus“.
In Anbetracht seiner vorausgegangenen Veröffentlichungen, überrascht die Vielzahl der Kollaborationen nahezu. Mitreißend ist die Zusammenarbeit mit Alec Empire, der etwa die erste Single ”Vulture” mit seinen harten Rhythmen aufmischt. Weitere Gäste sind Matthew Herbert und Folk-Artistin Eliza Carthy, die im Titeltrack ihren Auftritt hat.
Dass Patrick Wolf ein Mann der Gegensätzlichkeiten ist, wird auch auf dieser Platte deutlich. Sein Hang zu Pathos manifestiert sich nicht nur in seiner Fassade, sondern kommt auch innerhalb der Musik zum Vorschein. Prägnant für die Widersprüchlichkeiten innerhalb eines Songs, ist die sich langsam aufbauende Ballade „Damaris“, in der Zeilen wie „I Smash My Fist“ von sanften Chorgesängen untermalt und weinerliche Streicher konträr zur dunklen Stimme eingesetzt werden. Im glorreichen Klimax “Rise up! Rise up!“ singt Patrick gemeinsam mit einem gastierenden Chor.
Neben der für „The Bachelor“ recht typischen Arbeit mit Stimmvariatonen, greift Wolf auch bewährte Elemente, wie exotische Instrumente oder seine charakteristischen Electronika-Parts zurück. Diese tauchen beispielsweise in „Count Of Casualty“ oder „Who Will?“ auf, die beide das Gefühl einer Unvollkommenheit entstehen lassen. Wie unvorhersehbar und facettenreich Wolfs neues Album ist, beweisen auch „Battle“, ein Electro-Metal-Mix, der durch seine Brutalität einen klaren Kontrast zu den übrigen Titeln darstellt oder das Klavier geleitete „Blackdown“, in dem Wolf Momente der Hilfslosigkeit offenbart. Und dennoch erhärtet sich der Eindruck eines sehr erwachsenen Künstlers. Er wirkt befreit und selbstsicher, was nicht zuletzt an der Intensität der Stimme festzumachen ist.
In seiner Gesamtheit wirkt „The Bachelor“ nicht schlüssig, fast unvollendet. Der klassische Wolf beeindruckt ungebrochen, sei es durch seinen passionierten Gesang oder das unverwüstbare Feingefühl für Experimente - dennoch hinterbleibt man mit der leichten Vermutung, dass erst "The Conqueror" sein Werk vervollständigt.
Die Musik des britischen Sängers, Komponisten und Multiinstrumentalisten ist eine berauschende Mischung aus Folk und Elektronik mit einem starkem Hang zu Pathos und Extravaganz. Schon frühem Alter kam Patrick Wolf zur Musik. Er lernte Klavier, Violine, Viola, Flöte, in späteren Jahren auch Harfe, Ukulele und Akkordeon zu spielen und begann schon mit 11 Jahren damit, eigene Songs zu schreiben.
Patrick Wolf veröffentlichte 2003 sein erstes Album Lycanthropy, das ein Jahr später auf dem Label Tomlab auch in Europa und Amerika erschien. Während der Arbeit an Lycanthropy studierte er ein Jahr lang Komposition am renommierten Londoner Trinity College of Music. Als Gast-Violinist arbeitete er mit Bands wie Chicks on Speed und The Hidden Cameras. Im Jahr 2005 erschien dann der Nachfolger, Wind in the Wires, welches düsterer, erwachsener und weniger elektronisch als sein Vorgänger ist.
Nun erscheint Patrick Wolfs viertes Album, The Bachelor. Das Album enthält Kooperationen mit dem deutschen Elektronik-Musiker Alec Empire, Matthew Herbert, Eliza Carthy, Thomas Bloch und der Schauspielerin Tilda Swinton. Letztere ist im Song Theseus zu hören. Erste Single-Auskopplung aus dem Album ist der Song Hard Times.