Es bewahrheitet sich immer wieder: Was einmal für alle Zeiten gültig umgesetzt wurde, sollte nicht neu verfilmt werden. Das komplette künstlerische Desaster der "Avengers"-Kino-Adaption ist bestürzend einfach zu begründen: Die Produzenten haben das Original nicht verstanden. "Mit Schirm, Charme und Melone", insbesondere in der Emma Peel-Phase von 1965-1968, ist die bis auf den heutigen Tag vielleicht beste Fernsehserie aller Zeiten. Ganz sicher eine der erfolgreichsten. Optisch innovativ, leichtfüßig ironisch, fantasievoll dramatisch. Ein kreativer Champagner-Cocktail aus Comedy, Crime, Fantasy, Style und Britishness - seinerzeit trickreich inszeniert und ausgestattet, superb gespielt. Patrick MacNee als John Steed und die unvergessliche Diana Rigg als Emma Peel erreichten ihre enorme vereinnahmende Wirkung nicht zuletzt durch Reduktion: Weniger ist mehr, Timing ist alles. Das Britische wurde nicht behauptet, sondern gelebt. Thurman und Fiennes hingegen begehen den Kardinalsfehler, der häufig beispielsweise dann auftritt, wenn man einem Mann sagt, er solle eine Frau spielen. Man steckt ihn in Kleider, lässt ihn die Frau so darstellen, wie Männer die Frauen eben sehen ...und schon ist das Maß der Übertreibungen übervoll. Und ebenso unangemessen legen die hochdotierten Akteure leider ihr Englischsein, ihre britische Coolness an. Sie überzeichnen die Kühle, die wohl irgendwie wohlerzogen-distanziert sein soll, und versteigen sich in unangemessen gezierte Delikatesse. Sie reden nicht ironisch, sondern gespreizt. Und die hilflose Regie, die sich höchst tappsig dem glanzvollen Vorbild nähert, unterstützt und verstärkt diesen Unsinn noch mit unmotiviert eingestreuten technischen Gimmicks. Absolut unverzeihlich wird es dann, wenn eherne "Avengers"-Gesetze gebrochen werden. Steed nackt in der Sauna, Steed und Peel küssen sich, die Peel gleich in den ersten 10 Minuten von einer bösen Doppelgängerin konterkariert ...das ist einfach alles zuviel des Unguten. Die in sich geschlossene "Avengers"-Welt von einst wird bestenfalls zitiert - und das leider falsch. Es gelingt nicht, einen eigenen Kosmos der comicartigen Surrealität zu erzeugen, wie es etwa Tim Burton in "Bat-Man" mit Gotham City schaffte. Mit ein wenig Pop Art und zaghaft angedeutetem Retro-Schick allein kann die 60-er-Idee nicht in die 90-er zu transportiert werden. Im Gegensatz zu damals wirkt heute alles aufgesetzt und deplaziert. Das fängt schon damit an, dass einem nicht glaubhaft vermittelt wird, warum heute noch jemand einen Bowler trägt. Das "innere Selbstverständnis" fehlt völlig. Und dann bleibt noch die unappetitliche Frage, was man zu den Darstellern sagen soll. Nicht von ungefähr haben sich Fiennes, Thurman und Connery nach Abschluss der Dreharbeiten kaum noch über ihre Rollen geäußert. Betretenes Schweigen überall. War es das Wissen um das eigene Scheitern? Patrick MacNee war ein breitschultriger, väterlicher Typ, dessen Physis allein schon Verlässlichkeit und Gesetztheit ausstrahlte. Fiennes ist eher ein drahtiger Windhund, schmalschultrig und transparent. Dennoch macht er seine Sache von allen noch so ziemlich am besten. Die Thurman war nie so blass. Sie guckt wahlweise erstaunt oder herablassend. Sie strahlt nicht, ironisiert nicht, erreicht nicht einmal den Stiefelabsatz von Diana Rigg. Connery kommt über glatte Schurken-Routine nicht hinaus, was aber eher dem Drehbuch als seiner Darstellung anzulasten ist. Außer ein paar hübschen Kulissen und Kostümen gibt der Streifen nicht viel her. Ein absoluter Frevel. Und Versäumnis einer enormen Erfolgschance. Denn viele Fans rund um den Globus warteten schon lange auf die Wiedergeburt von Emma und John. "Mrs Peel, wir werden gebraucht!" Schon allein dieser Satz läßt einen wehmütig an vergangene Fernsehsternstunden denken. In der vorliegenden Filmfassung braucht die Welt Mrs. Peel leider gar nicht. Es ist ein Fantasy-Actionfilm unter vielen, der kaum weiter vom Original entfernt sein könnte. In die Kamera gehaltener Schirm und Melone beleben noch lange nicht den Charme von einst wieder. Eine Mogelpackung.