Damit keine Missverständnisse aufkommen, die (inzwischen) fünf Musiker von Canvas Solaris kommen nicht, wie in der Kurzbeschreibung von Amazon zu lesen, aus Georgien, sondern aus Georgia/USA.
Geradezu lyrisch läuten die Instrumental-Metaller ihr viertes Studioalbum ein. The Binaural Beat klingt sehr sphärisch und macht schon einen kleinen Schlenker in die Ambient-Richtung. Ab Reflections Carried to Mirror wird dann allerdings die gewohnt härtere Gangart angeschlagen, über weite Strecken wird wieder High-Speed-ProgMetal vom Feinsten zelebriert, nur hier und da unterbrochen von fast schon gediegen wirkenden Synthesizer-Einlagen, die eine ruhige, verträumt klingende Atmosphäre schaffen.
Diese immer wieder raffiniert gesetzten Stilbrüche halten die Spannung aufrecht und sorgen dafür, dass an keiner Stelle Langeweile aufkommt. Zwar dominieren Gitarren aller nur möglichen Spielarten die Produktion (Doublebass-Fetischisten und Freunde halsbrecherisch gespielter Soli kommen durchaus auf ihre Kosten), doch es artet nie in ermüdendes, selbstverliebtes Herumgefrickel aus. Eine durchweg große Experimentierfreude geparrt mit technischer Versiertheit sorgen von Anfang bis Ende für beste Unterhaltung.
Ich kann jedem Progliebhaber die hierzulande leider nahezu unbekannte Band nur wärmstens ans Herz legen. Wer an Planet X, Gordian Knot und dem von Mike Portnoys ins Leben gerufenen Liquid Tension Experiment seine Freude hat, kommt bei Canvas Solaris garantiert voll auf seine Kosten.