Zum Preis einer EP bekommt der geneigte Hörer auf TADH 35 min Musik, und kein einziges bereits zuvor veröffentlichtes Stück. Da ist auch nichts irgendwie nachgeschobenes drauf, im Gegenteil liefern Amplifier ein stimmiges, akribisch komponiertes und umgesetztes Konzeptalbum ab, das sich mit jedem Durchlauf stärker in die Gehörgänge einbrennt.
Die Band hat ein ausgesprochenes Gespür für Melodien und Atmosphäre, dabei die besten handwerklichen Grundfähigkeiten. Ihr Sound wirkt auf den ersten Horch wenig originell - eine Art Postgrunge halt - , doch bei genauerem Zuhören stellt man fest, daß Amplifier viel bearbeibet und weiterentwickelt haben. Die Art, wie Drums & Bass eingesetzt werden, erinnert mich sehr an den TripHop von Massive Attack und Portishead, das Gitarrenspiel an Soundgarden, Smashing Pumpkins und System Of A Down. Der Sänger bringt dazu einen kraftvollen weißen Soul.
Die Songstrukturen sind sehr komplex (Einfluß von Pink Floyd und Tool?) und sprengen beinah das Popformat (auf jeden Fall ist das nicht mehr radiokompatibel), daher sind 30-Sekunden-Schnipsel als Entscheidungshilfe mehr oder weniger untauglich. Empfehlenswerter ist es, den Track "Everyday Combat" in voller Länge im Plattenladen probezuhören - und ggf. ein paar Tage später ein zweites Mal, denn diese Musik muß man erstmal sacken lassen.
Für mich die Entdeckung des Jahres 2005!