"Die Nerven des Krieges sind unerschöpfliche Geldmittel", so Markus Tullius Cicero, an dessen Erkenntnis sich bis heute im Grunde nichts geändert hat. Der Aufstand der Niederlande, die Französische Revolution, der Sieg über Napoleon und der Amerikanische Bürgerkrieg, sie alle sind als große politische und teils auch militärische Siege in die Geschichte eingegangen, doch wie Wellington war mindestens auch Nathan Mayer Rothschild für Napoleons Niederlage mitverantwortlich. "Geld ist das Brecheisen der Macht", wenn man Nietzsche glauben darf und so wundert es nicht, wenn jene Nationen mit der besseren Finanzierung zugleich jene sind, die als Sieger aus Konflikten hervorgehen, wie im Ersten Weltkrieg mit dessen finanzgeschichtlichen Hintergründen Niall Ferguson sich bereits intensivst beschäftigt hat. Während die Mittelmächte ihre Kriegsanleihen auf einem heimischen und schon bald gesättigten Markt zu verkaufen versuchten, verstreute die Entente sie über die ganze Welt und fand so immer neue Unterzeichner.
Doch so sehr "Money" theoretisch auch die entscheidende Bedeutung zugesprochen wird, in der allgemeinen Geschichtsschreibung fallen die Finanzen oft unter den Tisch. So scheint Finanzgeschichte zugleich verborgene Geschichte zu sein. Gute Generäle und erfahrene Truppen mögen Schlachten entschieden haben, doch die Oberhand behält meist wer den längeren Atem besitzt. Doch die finanziellen Erfolge welche manche Wende der Weltgeschichte bewirkten bleiben oft eher im Hintergrund, man verweigert ihnen fast die Anerkennung. Eine Mentalität die sich bei Zeiten auch recht, wenn wir verständnislos den Staatsbankrott Islands betrachten. Als einer der wenigen Historiker denen es gelungen ist der Leserschaft Wirtschaftsgeschichte näher zu bringen, ist Niall Ferguson mit "The Ascent of Money" gewissermaßen ein Meisterstück gelungen. Ob es sich zur Standardlektüre entwickelt wird die Zeit noch zeigen, doch seinen Wert hat es allemal. Gerade weil er einen zu unrecht vernachlässigten Aspekt der Geschichte offen legt und einen erfrischend anderen Blickwinkel eröffnet. Dabei kommen Ferguson seine Kenntnisse der Familiengeschichte der Rothschilds und seine bisherigen Studien zur Finanz- und Wirtschaftsgeschichte zu gute, was dem Werk eine zusätzliche Dimension als Essenz von Fergusons bisherigen Werken verleiht.
Irritierend vielleicht dass sich Ferguson sehr freundlich und positiv gegenüber dem Finanzwesen verhält, bei seinen Ausführungen jedoch sehr stark auf Fachbegriffe setzt, was die Lektüre entsprechend erschwert. Armut und den Wucher von Kredithaien führt Ferguson eher auf das Fehlen von seriösen Finanzinstituten und einem entsprechenden Angebot an Finanzierungsmöglichkeiten zurück, als auf einen Defekt des Systems an sich. Fergusons Thesen sind in vieler Hinsicht kontrovers, doch seine historischen Darstellung der Entwicklung des Finanzwesens sind, wenn auch gelegentlich etwas unübersichtlich, durchaus lesenswert. "The Ascent of Money" kann entscheidend zum Verständnis unseres Finanzsystems und der 2008 ausgebrochenen Rezession, als Teil einer Evolution des Finanzwesens, beitragen, auch wenn das Ausmaß der Krise zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht absehbar war.
Fazit:
Zwar billigen wir Geld und Finanzmitteln einen entscheidenden Einfluss auf die Weltgeschichte zu, doch so richtig verstanden wurde die Bedeutung der Finanzgeschichte bis heute nicht. "The Ascent of Money" schafft hierbei Abhilfe und erzählt einen gewichtigen Teil dieser verborgenen Weltgeschichte, von der Entstehung der ersten Wechsel bis zu Subprime-Krediten.