Eigentlich wollten The Artistry ja ein wirklich gutes Debütalbum aufnehmen. Aber dann gewann die Band unerwartet einen bundesweiten Wettbewerb und plötzlich musste alles ganz schnell gehen: Ab ins Studio, erster Take, letzter Take, fertig ist die LP. Songwriting ausgereift? Potential ausgeschöpft? Eher nicht. So weit die offiziöse Version.
Ein Understatement, wie man feststellen muss. Freunde gitarrenbasierter und melodieverliebter Popmusik kommen bei The Artistry voll auf ihre Kosten und können sich über die verlegene Apologie nur wundern. Die 12 Titel, die geboten werden, lassen das Songwriting der meisten kontinentaleuropäischen Bands (und auch so mancher britischer Hitmaker) spielend hinter sich und punkten nicht nur mit schönen Melodien, sondern auch mit ausgefeilten Arrangements. Die vermittelte Stimmung schwankt zwischen melancholisch und unbekümmert, in vielen Fällen bereichert um einen ironischen Unterton. Es ist Popmusik mit Niveau, und das von einer ganz jungen Band (Singer & Songwriter Ian war bei den Aufnahmen 20!), die ihr volles Vermögen wohl wirklich noch nicht entwickelt hat. So vermisst man bei manchen Stücken noch etwas die eigene Handschrift und hört ein bisschen zu viel von den verschiedenen musikalischen Vorbildern (Travis, Beatles) heraus. Andererseits ist das Album dafür abwechslungsreich und kurzweilig. Wie man es dreht und wendet: Ein gelungenes Debütalbum und eine vielversprechende Band. Auf das zweite Album darf man gespannt sein, aber schon dieses erste trägt seinen Wert in sich. Anspieltipps: Der Opener "We Don't Happen Today", das schöne "Chasing Away The Sorrow", das bezaubernde "Over The Hill" mit seiner magischen Melodie und die aktuelle Single "The Other Land".