Die Schweden sind zurück. Und wie! Die sympathischen Jungs blasen uns ihr viertes Album um die Ohren. Hat man mit Primo Victoria, dem direkten Nachfolger Attero Dominatus und dem Quasi-Debüt Metalizer den Weg geebnet für erfolgreiche Touren und mehr als treue Fans, wird es Zeit ein neues Buch aufzuschlagen. Das Buch des Krieges. Jeder Song auf dem Album handelt zeitgleich auch ein Kapitel des Buches ab egal ob nun als Intro / Midtro / Outro oder aber als vollwertiger Song thematisch geht es wieder in eine Richtung: Front!
Dabei hat sich zum Glück nicht viel verändert: Heavy Metal mit Keyboards und rauer Mannesstimme (Jocke, du mein Held!), kriegerischen Lyriken und einfach jeder Menge Spass in den Songs. So kennen wir die Jungs, so lieben wir sie. Wer sich vom Album überraschen lassen will, sollte von nun an nicht weiterlesen:
* 1. Sun Tzu Says
Gesprochenes Intro, nicht besonders beeindruckend, aber ein guter Einstieg in den ersten richtigen Song
* 2. Ghost Division
Lautstark kommt der Blitzkrieg in Form von Rommels 7. Panzerdivision aus den Boxen, schnell und gewaltig, ein richtiger Reißer den Sabaton hier als Einstieg servieren, geiler Opener
* 3. Art of War
Der Titeltrack zum Album kommt etwas weniger schnell dafür aber umso gewaltiger daher, ein richtiger Song für den Nacken, da kommt Freude auf. Kann sich nicht ganz mit Primo Victoria messen, aber es geht in die Richtung.
* 4. 40:1
Thematisch an den Widerstand von etwa 700 polnischen Soldaten gegen eine deutsche 40.000 Mann Truppe angelehnt, ist es für mich einer der absoluten Höhepunkte des Albums, gar des Sabatonischen Schaffens. Hier stimmt einfach alles, Pathos, Refrain, Speed (man holzt der), Kraft, Anspruch. Einfach ein grandioser Song der einen umhaut.
* 5. Unbreakable
Kurzes Intro, danach folgt ein Stampfer der alten Schule, man nickt mit und geht mit. Leider nimmt einen der Song nicht wirklich gefangen, finde ich. Einfach nicht mein Fall, einer der weniger guten Songs.
* 6. Nature of Warfare
Kurzes Midtro, dient als Einleitung zum nächsten Song
* 7. Cliffs of Gallipolli
Man möchte fast meinen, hier hört man den absolut typischen Sabaton-Song. Das dachten sich wohl auch die Schweden und hauen eine gleichnamige Single raus. Thematisch an 1915 gekoppelt, wo australisch-neuseeländische Soldaten einen von Türken besetzten Strand stürmen sollen. Dieser Song nimmt einen sofort gefangen, lässt am Krieg zweifeln, regt zum Nachdenken an und geht einfach gut ab, eher Midtempo aber absolut eindrucksvoll. Kleine Anleihen von Savatage kann man sicherlich nicht abstreiten, aber das macht nichts. Einfach richtig großes Metal-Kino!
* 8. Talvisota
Als Finne taucht man ab in den Winterkrieg der 40er mit den Russen. Wenn man den Song hört, sollte man meinen es sei ein Blitzkrieg gewesen, so wie dieser Hochgeschwindigkeitssong ddaher kommt. In bester We burn-Manier gibt es 3 Minuten lang ordentlich Geballer aufs Gemüt.
* 9. Panzerkampf
Was für ein Song! Eine Hymne, ein Schlachtlied, ein Brecher. Schwer mit irgendwas zu vergleichen, da es irgendwie Sabatonuntypisch ist, aber dennoch so gut drückt wie kaum etwas zuvor. Wie der Titel vermuten lässt, geht um die größte Panzerschlacht der Geschichte (Kursk 1943). Als Sovietsoldat marschiert man gegen die einfallenden Nazi-Schergen und lässt sich von dieser Hymne gefangen nehmen! Comrades, Charge!
* 10. Union
Für mich ebenfalls ein klasse Song, da er einen packt und auf eine Reise von Anzio bis nach Rom mitnimmt, zusammen mit seinen Waffenbrüdern erlebt man verschiedene Stationen des Krieges in Italien. Ein midtempo Song der an manowarische Auswüchse Marke Metal Brothers erinnern lässt. Nur irgendwie viel cooler, grooviger, packende rund weniger peinlich. Geil.
* 11. Price of a Mile
Ein Song der sehr nachdenklich stimmt, die Party vergessen lässt und sich vor Augen führt wie 1916 Krieg geführt wurde. Schwerfällig, tief melancholisch und einfach wunderschön, führt dieser ruhige Song uns in die Flandern wo der Grabenkrieg tobt und jede erkämpfte Meile mit einem unmenschlichen Preis bezahlt wurde. Grandios.
* 12. Firestorm
Wie schildert man musikalisch einen Luftangriff? Ganz einfach, so wie in diesem Song, Sabaton drücken noch mal richtig aufs Gas und prügeln sich durch Schatten am Himmel, riesige Bombenkrater und dem Tod von oben. Einfach noch mal alles gegeben Counterstrike und Reign of Terror lassen grüßen!
* 13. A Secret
Nun, es wäre wohl kein Secret mehr, wenn ich sagen würde worum es geht, oder?
Was bleibt also? Ein richtig starkes 5-Sterne-Sabaton-Album welches zwar leider ohne Partytrack a la Metal Machine daherkommt aber dafür insgesamt viel zu bieten hat der Clou: Man findet immer wieder neue Stellen in den Songs die man klasse findet, sie werden trotz bester Eingängigkeit nicht langweilig (man halte mir vor dass ich auf der myspace Seite der Schweden eine Woche lang jeden Song bis zum Umfallen hören konnte). Gut, man mag etwas die Abwechslung vermissen, aber jeder Song ist für sich gut, auch wenn einige mehr oder weniger rocken. Aber abgesehen von nur zwei eher mässigen Songs sind die restlichen umso stärker und weisen den Weg ins Metal-Land wer 2008 immer noch denkt er würde an Sabaton vorbeikommen, sollte spätestens jetzt umdenken. Die Lyrics mögen nicht jedermanns Geschmack sein, klar, aber dafür sind die packend, laden mehr als nur zum mitsingen ein und sind zwischen Kriegs-Party und Anti-Kriegsdrama einzuordnen.
Was die Produktion angeht so hat Herr Tätgren mal wieder grandiose Arbeit geleistet, es wurde sich nochmals verbessert. Gut, das Cover ist nicht ganz mein Fall, da hätte ich mir anderes gewünscht, aber die tolle DVD-Aufmachung samt (englischem) Buch The Art of War, sollte für den Preis niemanden abschrecken, einfach ein starkes Album so muss Heavy Metal anno 2008 klingen. Während sich andere Bands auf altem Ruhm ausruhen oder ihre Fanschar verprellen mit absurden Songs und komischen Versprechen (u.A. *hust* Manowar *hust) der sollte den Schweden eine Chance geben, denn Newcomer sind die schon lang nicht mehr. Hail Sabaton!