die electronica-veteranen underworld wollen's wissen und stellen ihre gesammelten werke zur schau - kürzlich erschienen gleich zwei compilations von ihnen, nämlich "anthology 1992-2012" und "a collection". während letztere vorallem eine sammlung ihrer bekanntesten songs darstellt, geht das hier besprochene 3cd-set etwas mehr in die tiefe.
wer allerdings schon die bislang erhältliche compilation "underworld 1992-2002" besitzt, erhält mit der "anthology 1992-2012" eigentlich nur die disc 3 als nennenswerten mehrwert, der rest unterscheidet sich von besagter, früher erschienener compilation nur minimal. "a collection" hat ebenfalls ein paar rare tracks, aber zu viele 7" edits - und der reiz von underworld liegt nun mal in den +10-minütigen tracks. keine ahnung, was man sich bei der zusammenstellung gedacht hat, neueinsteiger schauen bei "a collection" mit dem ofenrohr in die bunt schillernde unterwelt, fans werden disc 1 und 2 der "anthology 1992-2012" an ihre jüngeren brüder verschenken.
die bonus disc hat es allerdings in sich: fast durchweg tracks aus der frühphase von underworld, die mit einer aufbruchstimmung gesegnet sind, die für die techno-szene anfang der 90er jahre prägend war. passend dazu der start mit "the hump": piano-befeuerte house-rhythmen und 'nervende' vocal-samples, die perfekt mit eingefahrenen hörgewohnheiten brechen. im endlos pulsierenden "the big meatshow" windet sich karl hyde mit schlüpfrigen phantasien um pluckernde beats und markante gitarrenriffs - simpel gemacht, vom hörspaß her immens. das schier endlose, psychedelische "why why why" (ich hörte den track damals auf einem raren volume sampler) startet mit soften ambient-sequenzen, gewinnt an fahrt und man kann bereits den harten techno-sound raushören, den das trio dann mitte der 90er einschlug. der rest ist nicht minder beeindruckend, ein kurzer abstecher am kommerziellen höhepunkt der band ("oichoich", zur damaligen zeit leisteten sich underworld den luxus, doppel-maxi-cds im digipak rauszubringen), drei weitere stücke im "sequenzen ohne grenzen"-stil plus dem fluke-mäßigen abschluss mit "jal to tokyo" - und die lehrstunde in sachen 90er electronica ist schon vorbei. underworld sind underworld, kaum eine andere band jonglierte so gekonnt mit stilen aus ambient, house, techno und rock und wurde mit ihrem konzept zu einem phänomen.
ich vergebe für die musik 5 sterne, für den repertoire-wert 3 (aufgrund der vielen überschneidungen mit den anderen beiden genannten compilations) und warte auf die ultimative rarities-zusammenstellung von underworld ;-)