Das Gute vorneweg: Die Special Effects wissen zu überzeugen, die DVD ist mit guten Extras bestückt, das Cover hat Ästhetik und die Geschichte als Ganzes ist gut.
Womit wir auch schon beim ersten Haken wären: Man hätte sich wahrlich ein paar Effekte schenken können und stattdessen an den Charaktären feilen können, die derart stereotyp daherkommen, dass es mir schon nach 30 Minuten egal ist, was mit denen passiert.
Dabei gibt die Geschichte sehr viel her; Eine Witwe mit drei Kindern hat sich wieder verliebt, der neue Mann kämpft um seinen Platz im Familienverband. Zusammen versucht man einen Neuanfang in einem Haus in Amityville, wo dann der Horror über das noch wackelige Familiengerüst herfällt und es zu zerstören droht.
Tatsächlich aber wird den Sehern schon in den ersten Minuten reingequetscht, was für eine liebe, coole, lustige und bemühte Jungfamilie das ist, die noch an den alten amerikanischen Traum glaubt. Mit Gewalt will uns Regisseur Andrew Douglas ihre Liebenswertigkeit und Normalität aufzwingen. Problem dabei: Diese Art der Charakterzeichenung wird in jedem Hollywoodfilm vom Fließband schablonenhaft verwendet und ist mittlerweile elendslangweilig.
Auch im weiteren Verlauf gelingt es dem wirklich banalen Drehbuch nicht, den Charaktären Leben einzuhauchen. (Das gelang bei der Version von 79 mit margot Kidder und James Brolin weitaus besser). Was sicherlich auch an den Schauspielern liegt, die weder überzeugen noch glaubhaft sind. Stattdessen schwingen sie ihre fitnessgestählten Körper durch die Kulissen; allen voran das "Kindermädchen", die scheinbar direkt vom Laufsteg in das Horrorhaus herab gestiegen ist. Einzig die Kinder, allen voran der älteste Sohn überzeugen mit ihrer Darstellung. Auch der wachsende Konflikt innerhalb der Familie nach dem Hausbezug wird knapp und oberflächlich erzählt. Die Veränderungen von George sind zu offensichtlich, die verbalen Angriffe seinerseits zu banal und lösen statt Beklemmung, Ärger über die dummen und plumpen Dialoge aus. Der Priester, der das Haus segnen sollte, geht völlig unter - drei Sätze der Mutter über die Spannungen und Entfremdungen innerhalb der Familie genügen, um sofort den zusammenhang zu den Vormietern herzustellen (als gäbe es diese Probleme nur in Spukhäusern) und daraufhin flugs das Haus zu segnen. Dafür sieht George den Urbesitzer des Hauses, ein Folterknecht mit Hut, der einst die Ureinwohner dieses Kontinents in seinem Keller dahinmetzelte, was den ganzen Spuk grundsätzlich erklären soll. Schließlich verschwindet die Familie und George, keine 100 Meter vom haus entfernt, ist wieder geheilt und ächzt pathetisch: "Seht nicht zurück!" (Hat er Angst sie würden sonst zur Salzsäule erstarren?)
Fazit: Was nützen da die besten Effekte, wenn die Erzählung langweilt. Der Film dauert bloss 86 Minuten - hätten Regisseur und Drehbuchautor nicht noch 30 Minuten dranhängen können, um Charaktäre und Konflikte gut zu beschreiben? Oder wird da dem gemeinen Filmpublikum zuviel zugemutet?
Bleibt zu hoffen, dass sich mal Asiaten oder Europäer den Erzähstoff vornehmen und ihm Leben einhauchen: mit vielschichtigen, interessanten Charaktären, die langsam in einen Konflikt abrutschen und neben dem Horror im Haus ihren eigenen zwischenmenschlichen Horror erleben.