Das Herbert Grönemeyer witzige bis nachdenkliche Songs schreiben kann, weiß jeder, der, wie ich, eigentlich nur die Songs "Männer" und "Mensch" von ihm kennt. Als ich las, dass er sich nun am Soundtrack für einen internationalen Film versucht, war ich als Filmmusikfan mehr als ein wenig skeptisch und rechnete mit einem Ergebnis irgendwo zwischen "ganz nett" bis "völlig am Film vorbei". Das Gegenteil ist der Fall!!!! Letztlich ist dieser Soundtrack ein Aha bis Whow-Erlebnis.
Der Score startet mit ruhigem Pianospiel, das nach und nach von Streichern und einer Frauenstimme unterstützt wird und die Hintergrundakkustik dazu kommt rüber, als würde Regen fallen und wie die Musik gespielt wird, wirkt das auch noch, als ziehe mit viel Wind bedrohlich ein Sturm auf. Eine grandiose Eröffnung!!!
Und wie bei der Einleitung, setzt Grönemeyer danach auch viel Piano und Streicher ein, die Kompositionen sind ruhig, ausgeglichen, entspannt. Die Musik paßt so gut zu einem Thrillerdrama, wie ein Maßanzug.
Intelligent zwischen diesen einzelnen Stücken eingepaßt sind Songs der italienischen Sängerin Patty Pravo, deren leicht rauchige Stimme in ruhigen italienischen Songs (Track 5 & 18), Fans italienischer Lieder in Entzücken setzen dürfte.
Mit Track 6 begegnet uns eine sehr berühmte italienische Sängerin - Maria Callas.
Ihr Lied "Un Bel di Veldemo" ist sehr ruhig gesungen, aber zwischendurch zieht die Callas ihre Stimme auch mal in Operettentonlage. Trotzdem fügt sich dieses alte Lied Super in die Gesamtkompositon des Soundtracks.
Für Italienfans auch interessant ist Track 11, der ein wenig an italienische Schlager der 60er Jahre erinnert.
Mit Track 23 gibt es mit einem Song einen kleinen Einschlag Richtung Blues.
Track 15 und 24 erinnern positiv ein wenig an John Powells Scores zu den Bourne-Filmen. Bei Track 15 greift er ein wenig die grandiose Einleitung von Track 1 auf. Gespielt mit viel Klavier durchbrochen von Streichern (Cellos) um dramatische Akzente zu setzen, paßt die Musik sehr gut, um die Einsamkeit/Isolation einer Figur, wie Clooneys Profikiller musikalisch auszudrücken. Aber die Komposition würde wie sie ist halt auch zu Bourne passen.
Mit Track 25 schließt sich der Kreis, denn hier wird wieder die Musik von den Main Titles (Track 1) aufgefriffen. Für mich die beste Komposition des gesamten Scores, weil hier auch noch ein wenig E-Gittare kurzzeitig eingesetzt wird, aber das reicht, dass man sich durch den Stil unwillkürlich an Morricones Musik zu "Spiel mir das Lied vom Tod" erinnert fühlt.
Man merkt Grönemeyer mixt diverse Stilrichtungen, Jahrzehnte und Anspielungen in seinem Soundtrackdebut, aber der gesamte Score wirkt wie aus einem Guß ohne Brüche.
Spaß macht der Score auch, weil man merkt, dass hier mit Intelligenz gearbeitet wurde:
a) eben weil sich wie gesagt, neue Kompositonen und ältere Songs perfekt ergänzen.
b) weil gerade der Einschub von italienischen Songs dem Film viel Glaubwürdigkeit
und Flair gibt und die Eindrücke der italienischen Drehorte noch verstärkt.
c) weil man von einem Soundtrack zu einem Thriller mehr Tempo und Dramtik erwarten
würde, der Score aber genau das Gegenteil ist langsam und ruhig, aber gerade
deshalb die Aufmerksamkeit weckt und PERFEKT passt, wie er ist.
Auch wenn ich als Filmmusikfan gut 200 Soundtracks zuhause habe, hat mich dieses Debut von Grönemeyer aus dem Sitz gefegt, ob der Klasse des Soundtracks. Wenn man bedenkt, welches Stimmvolumen der Mann als Sänger hat, ist es erstaunlich, wie ruhig seine Musik als reiner Komponist zu "The American" geraten ist.
Für Filmmusikfans mehr als klare Kaufempfehlung!!!
Wehrmutstropfen für Herbie-Fans halt, dass er nicht selbst singt.