Gut ein Jahr befindet sich diese Do-DVD schon in meinem Besitz und mich verwundert, daß sie erst ein einziges Mal besprochen wurde. Denn nicht nur hier auf dieser Plattform verkauft sich dieser außergewöhnliche Gig hervorragend.
Nun kommt DEREK TRUCKS nach Europa und zwei Gigs führen ihn nach D - einer davon in meine Heimat nach Saarbrücken, in die tiefste Rock-Provinz also. In Vorfreude auf dieses Ereignis, drehen sich die beiden Scheiben von "Live at the Beacon Theater" wieder des öfteren in meinem Player.
Ich lehne mich jetzt 'mal ganz weit aus dem Fenster: die derzeitige Besetzung der ABB ist die Beste seit 1973. Gregg Allman ist "getrocknet" in bestechender Form, auch wenn die Stimme in die Jahre gekommen ist. Warren Haynes ist nun wirklich einer der weltbesten Gitarristen, mit herausragender Slide-Technik, da braucht man nun wirklich keine großen Worte mehr zu fabrizieren.
DEREK TRUCKS ist mittlerweile aus dem Talentstatus herausgetreten, und hat sich als "Ace in the hole" etabliert. Manchmal wünsche ich mir nur die eine oder andere Gefühlsregung - lässig, entspannt, ja geradezu stoisch haut er unglaubliche Dinger 'raus. Gelegentlich ufern seine Soli etwas aus, man wünscht sich, daß er manchmal etwas schneller auf den Punkt kommen würde. Aber nix da: das wird ein ganz Großer!!
Am Bass war die ABB immer stark besetzt. Oteil Burbridge ist da in allerbester Tradition von Oakley, Williams, Goldflies und Woody. Er bringt vertrackte Bass-Läufe, verbunden mit so manchem hart gedroschenen Chord in das Songmaterial ein.
Unzertrennlich ist die Rhythm-Section: Butch Trucks gibt die Rampensau und Jaimoe ist zuständig für die Fills. Ergänzt werden sie durch den etwas farblosen Mark Quinones an der Percussions, aber das ist keineswegs abwertend gemeint - solche Teamplayer sind unersetzlich!
Nicht eine Sekunde vermisse ich dagegen Dickey Betts, der zuletzt leider nur mit reichlich wirren Projekten von sich reden machte. Eigentlich gehört er zur ABB wie der Mond zur Erde, aber es fehlt etwas an Selbstdisziplin und vor allem an der Einsicht, daß mit einigen Promillchen auf der Bühne keine Höchstleistungen zu bringen sind. Zudem trifft er mit Stimme und Gitarre so manchen Ton nicht mehr richtig. Das wir uns aber richtig verstehen: ein Dickey Betts in Topform hat stets einen Platz in der ABB verdient. Es wird aber verdammt schwer, sich in diese Formation, die auf "Live at the Beacon Theater" zu hören ist, wieder 'reinzuspielen - zumal dieses Mal das Tischtuch endgültig zerrissen zu sein scheint.
Das Songmaterial braucht man garnicht erst auseinander zu dröseln - das ist alles wie aus einem Guß. Die Herren spielen sich gelegentlich geradezu in einen Spielrausch. Derek Trucks und Warren Haynes werfen sich gegenseitig die Soli zu, daß es eine wahre Freude ist. Die Rhythm-Section groovt lässig, locker und souverän.
Meine Highlights sind: "Rockin' Horse", "High cost of low living", "Same thing", "Dreams", die unverwüstliche "Whippin' Post" und die Zugabe "One way out".
Das Bonus-Material läßt keine Wünsche offen. Bild- und Tonqualität sowieso nicht - hatte da jemand etwas anderes erwartet?! Die Stimmung auf der Bühne und im Saal ist prächtig und überträgt sich nach wenigen Minuten auf den geneigten Hörer.
Fazit: ein echter Pflichtkauf, aber die meisten von Euch haben das Ding eh' schon längst Zuhause stehen - und das ist gut so!