Original-Soundtracks aus Hollywoods "Golden Age" sind begehrte Sammlerstücke, jedoch ist die Tonqualität oft lausig. Deshalb erfreuen sich auch Neuaufnahmen großer Beliebtheit. Nun kommt Dimitri Tiomkin mit einem prächtigen, sehr kostengünstigen CD-Set zu Ehren, das nicht nur Genre-Freunde begeistern dürfte. Es bietet dreineinhalb Stunden Cinemascope für die Ohren.
Tiomkin (1894-1979) war als Filmmusiker ein Sonderfall: Während Kollegen wie Korngold oder Rózsa partout "seriös" komponieren wollten, scherte ihn das wenig. Er haute auf den Putz, dass die Leinwand bebte - und Hollywood liebte ihn dafür, was vier Oscars und 20 Nominierungen belegen.
Der Exil-Russe war auch der erste Spezialist für Westernmusik. Eine CD umfasst all seine Klassiker, von "High Noon" über "Rio Bravo" bis zum packenden "Gunfight at the O.K. Corral". Zwei weitere CDs bringen alle denkbaren Genres, vom Kostümschinken bis zum Hitchcock-Thriller. Tiomkin machte Hollywood total: Keiner orchestrierte fetter, keiner mixte die Stile dreister. Das Prager Orchester reißt mit, wenn auch nicht auf Weltklasse-Niveau (daher ein Sternchen Abzug).
Die letzte CD erinnert als Vocal Songbook" daran, dass Tiomkin seit "High Noon" auch Hollywoods erster Hit-Fabrikant war. Die zeitlosen Songs teilen sich zwei Interpreten: Jason Howard singt etwas bieder, Keith Ferreira dagegen großartig: Besser kann man das legendäre "Rawhide" oder die "Ballade von Jett Rink" alias James Dean ("Giganten") nicht bringen. Und der Chor jubiliert so euphorisch, dass auch der letzte Griesgram die Waffen streckt.