"Video Killed The Radio Star" war neben "Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)" von ABBA mein erstes richtiges Lieblingslied (Ich war 10).
Das dazugehörige Album klingt heute relativ zeitgeistig. Als Vorläufer des Synthi-Pop würde ich es nicht bezeichnen. Der Synthi-Pop hat seine Wurzeln eher bei Kraftwerk, Fad Gadget und anderen. Es ist einfach ein reines Pop-Album, das sich ausschließlich Synthesizern bedient (Geht eher Richtung New Romantic). Trotzdem hat es Standards gesetzt, was die Produktionstechnik angeht.
Als sich die Buggles 1977 gegründet haben, bestanden sie neben Trevor Horn und Geoff Downes auch noch aus Bruce Woolley. Bis 1979 haben sie zwei Stücke geschrieben: "Video Killed The Radio Star" und "Clean, Clean". Noch bevor "The Age Of Plastic" produziert wurde, verließ Bruce Woolley die Buggles und gründete seine eigene Band Bruce Woolley & The Camera Club, bei der unter anderem Thomas Dolby mitspielte.
1979 kam dann die Buggles-Single "Video Killed The Radio Star" heraus (mit "Kid Dynamo" als B-Seite), die sofort ein Welthit wurde.
Die Single ist auf 3:27 gekürzt, während auf dem Album die 4:10 lange Version mit dem wunderschönen instrumentalem Outro zu hören ist.
Wen es interessiert: Bruce Woolley & The Camera Club brachten 1979 eine kaum beachtete und heute extrem seltene LP mit dem Titel "English Garden" heraus, auf der auch "Video Killed The Radio Star" und "Clean, Clean" enthalten sind. Bei Bruce Woolley klingen beide Versionen rockiger. Während "Clean, Clean" sich in der Bruce Woolley-Version fast besser anhört als in der Buggles-Version, merkt man, dass die Produktion eines Stücks doch eine ganze Menge ausmacht: Die Woolley-Version von "Video Killed..." ist unter drei Minuten lang und klingt, nun, interessant (= schlecht).
Zurück zu den Buggles: Die Stärke von Trevor Horn lag und liegt im Produzieren von Musikstücken, nicht im Komponieren. Das hört man auf dem Album "The Age Of Plastic", das nach dem Welthit "Video Killed The Radio Star" relativ schnell aufgenommen werden musste, mehr als deutlich. Ich meine, die Buggles hätten zumindest teilweise 48 Tonspuren zur Verfügung gehabt und diese auch ausgenutzt.
Die Effekte, etwa der Wecker und der Herzschlag bei "The Plastic Age" sind schon erwähnt worden. Bei dem ganzen Album - von "Video Killed The Radio Star" abgesehen - habe ich das Gefühl, dass die Stücke zwar perfekt produziert und inszeniert sind, dass sie aber irgendwie nicht richtig zünden und sich in Detailverliebtheiten verlieren.
Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Ich liebe "Clean, Clean", "Elstree" (Nördlich von London gibt es die "Elstree"-Filmstudios, und darauf bezieht sich das Stück auch) und die beiden Versionen von "Johnny On The Monorail".
Im Vergleich zu "Video Killed The Radio Star" fallen aber alle anderen Stücke auf "The Age Of Plastic" qualitativ deutlich ab.
Und doch... "Technopop" habe ich schon als B-Seite der "Clean, Clean"-Single gerne gehört, es gibt wunderschöne Sequenzen in "I Love You (Miss Robot)" und "The Plastic Age" hat sehr schöne Abschnitte. Richtig schlecht finde ich nur "Islands" (Die B-Seite der "The Plastic Age"-Single), was wohl vom Titel her eine Anspielung auf die damalige Buggles-Plattenfirma "Island Records" sein sollte.
In der Summe versöhnt mich die produktionstechnische Perfektion dieses Albums mit seinen kompositorischen Schwächen, die insbesondere in zu wenig eingängigen Refrains liegen ("Video Killed The Radio Star" ausgenommen).
Weil das Album so exzellent produziert ist und weil so viele Kindheitserinnerungen an "Video Killed The Radio Star" hängen: 5 Punkte.