Age Of Darkness
"Age Of Darkness" ist ähnlich wie "Tales Of Heresy" ein Horus Heresy-Lückenfüller, der mit kleinen Kurzgeschichten die Zeit bis zum nächsten Roman überbrücken soll. Hierzu hat man neun Kurzgeschichten von diversen Autoren - Bekannten wie Unbekannteren - schreiben lassen, die das Imperium zur Zeit des aufflammenden Bruderkriegs zeigen.
Rules Of Engagement (Graham McNeill):
McNeill beweist abermals, dass er einer der besseren Autoren der HH ist. In der vorliegenden Kurzgeschichte beschreibt er die Anfänge des Codex Astartes und die Art und Weise wie die Einführung dieses Werkes das Denken, Handeln und Kriegführen der Ultramarines (und dann später auch der übrigen Legionen/Orden) beeinflusst hat. Nicht Alles ist in dieser Geschichte so, wie es zu Anfang scheint und McNeill wirft einige Fragen auf, die womöglich noch zu Diskussionen führen könnten. Man hätte hier durchaus noch etwas tiefer in die militärischen Feinheiten gehen und versuchen können, das Genie eines Roboute Guillimans darzustellen, aber "Rules Of Engagement" ist gut zu lesen, kurzweilig und ein stimmiger Einstieg in "Age Of Darkness".
Liar´s Due (James Swallow):
Mit "Liar´s Due" hat Swallow das absolute Highlight des Sammlung verfasst. Eine Geschichte beinahe ohne Action, ohne Blut und Gedärme, die sonst beinahe schon das Fundament von WH40K bilden, und auch ohne Space Marines. Stattdessen sieht man die Ereignisse des Bruderkriegs aus der Sicht eines Jugendlichen auf einer Agrarwelt am Ende des Imperiums und beschäftigt sich mit der Frage, welche Relevanz die Geschehnisse auf Terra und um Terra herum überhaupt für die Menschen so weit entfernt haben. Ist es nicht egal, wer auf dem Thron sitzt? Wen interessiert unsere Welt überhaupt? Swallow zeigt auf den nachfolgenden Seiten, dass es durchaus Mächte gibt, die in der Lage und willens sind, sich auch die Loyalität solcher Planeten zu sichern...
Forgotten Sons (Nick Kyme):
Alleine die Grundhandlung ist schon hanebüchen: zwei aussortierte Astartes (ein Ultramarine, ein Salamander) werden vom Imperator auf eine diplomatische Mission geschickt, um auf einem abgelegenen Planeten eine Art Rede-Duell mit einem von Horus´ Abgesandten zu führen und sich dadurch die Loyalität der dortigen Regierung zu sichern. Was für ein Schwachsinn. Als ob die beiden Fraktionen in einer Zeit, wo Millionen von Menschen abgeschlachtet wurden, eine Talk-Runde abgehalten hätten, um eine Welt zu erobern oder zu halten... "Forgotten Sons" ist nicht mehr als ein Seitenfüller und mit Abstand die am wenigsten brauchbare Kurzgeschichte. Das Ende ist so schwachsinnig, dass es schon fast wieder komisch ist... Fail!
The Last Remembrancer (John French):
"The Last Remembrancer" ist eine der besten Geschichten der Sammlung, die an "The Last Church" aus "Tales Of Heresy" erinnert. Eine philosophische Diskussion zwischen Rogal Dorn und einem Gefangenen, dem letzten Remembrancer aus dem Gefolge Horus´. Es geht um das Imperium, um seine Zukunft, um die Werte des Reiches und wie sie zu verteidigen sind und um vieles mehr. Hier hätte man gut und gerne noch etwas ausführlicher werden können statt der recht knapp bemessenen 30 Seiten. Aber auch trotz dieses Mankos Rang 2 hinter "Liar´s Due" und eine weitere Geschichte, die zum Nachdenken und Diskutieren anregt.
Rebirth (Chris Wright):
Das perfekte Beispiel für eine Geschichte, in der die Action völlig am Ziel vorbei schießt und keinerlei Mehrwert für die Handlung hat. Diese beinhaltet einen Truppe Thousand Sons, die vor der Schlacht von Prospero von Magnus davon geschickt wurden, um der Vernichtung zu entgehen und die jetzt wieder heimgekehrt sind, um zu sehen, was mit ihrer Heimat geschehen ist. Auf der Oberfläche Prosperos wird einer von ihnen gefangen genommen und von einem Unbekannten verhört, dessen später enthüllte Identität doch recht überraschend ist. Die Stärken von "Rebirth" sind ganz klar hier zu sehen, in der Unterhaltung zwischen Insasse und Wächter, während die Geschehnisse um sie herum absolut nebensächlich sind (bis auf eine Szene ganz am Ende des Romans...). Überdurchschnittlich gut, aber trotzdem verschenkt Chris Wright hier einiges an Potential.
The Face Of Treachery (Gav Thorpe):
Hier werden die Geschehnisse erzählt, die vor dem Ende des Hörbuchs "Raven´s Flight" passiert sind und die Kurzgeschichte bietet einen ersten Eindruck auf den folgenden Raven Guard-HH-Roman von Gav Thorpe. Auch wenn die Ereignisse im Großen und Ganzen schon bekannt sind, ist die Handlung kurzweilig, nicht allzu vollgepackt mit Schusswechseln und betrachtet auch die Seite der Gegner, in diesem Falle eines Kontingents World Eaters, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, im Orbit nach Flotten der Loyalisten Ausschau zu halten. Alles in Allem eine gute Kurzgeschichte mit überraschendem Ende, welches erneut einige interessante Fragen für die Zukunft aufwirft.
Little Horus (Dan Abnett):
Abnett ist ja sonst dafür bekannt, öfters mal etwas Neues zu wagen, aber im Vergleich zu "Legion" oder "Prospero Burns" ist die Kurzgeschichte über Horus Aximand doch sehr konventionell ausgefallen. Gut wirds immer dann, wenn man einen Einblick in die Psyche von Little Horus bekommt, in sein Bestreben, auch in diesen turbulenten Zeiten noch so etwas wie Recht und Ordnung aufrecht zu halten, wenn Horus Aximand von Selbstzweifeln geprägt wird und von Alpträumen, wenn es um die inneren Werte der Ketzer geht... Totaler Schwachsinn ist jedoch die zwanghaft gestaltete Schlacht gegen einen Haufen Loyalisten, die sich unter Anderem aus White Scars und Iron Hands rekrutieren und die trotz aller Gefährlichkeit aber eigentlich doch nur als Schwert- und Bolter-Futter für ein wenig Sci-Fi-Gore-Porn dienen. Wie auch bei einigen Geschichten zuvor gilt hier: weniger Action = gut für die Story.
The Iron Within (Rob Sanders):
Ähnlich sieht es auch bei der Kurzgeschichte von Rob Sanders aus. Der Kampf Iron Warriors vs Iron Warriors um eine Garnisonswelt hätte soviel Potential in sich geborgen, aber das wurde hier beinahe mit beiden Händen verschenkt - da hilft auch das versöhnliche Ende nicht mehr und die Möglichkeit in Zukunft noch mehr von den Loyalisten dieser Geschichte zu erfahren. Statt sich auch hier auf die innere Zerrissenheit der Charaktere zu konzentrieren und darauf, wie die Fäden hinter den ganzen Operationen gezogen werden - sowohl von Loyalisten wie auch von den Häretikern - wird hier im Schnelldurchlauf eine beinahe uneinnehmbare Festung gestürmt und alle Verteidiger sowie ein Großteil der Angreifer vernichtet... Gerade von Iron Warriors hätte ich hierbei mehr erwartet. Und der Protagonist ist mit seiner Darstellung zudem noch völlig fehl am Platze. Auch stellt sich beim Lesen die Frage, warum sich Horus überhaupt mit der Eroberung einer beinahe leblosen Welt aufhalten sollte, wenn es doch eigentlich darum geht, Terra zu erobern und seinen Vater zu stürzen...
Savage Weapons (Aaron Dembski-Bowden):
Die letzte Geschichte in "Age of Darkness" ist geschrieben von einer der größten Hoffnungsträger der Black Library - ADB - und so war meine Vorfreude auf dieses Werk umso höher; leider wurde man auch hier ein wenig enttäuscht. Dass die Dark Angels und die Night Lords auf einem, zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Heimatwelt der NL dienenden, Felsbrocken namens Tsagualsa aufeinander treffen und auch ihre Primarchen sich hier bis aufs Blut duellieren, ist noch verschmerzbar und gerade die Diskussionen zwischen Jonson und Kurze und auch ihren Untergebenen sind das Salz in dieser Geschichte. Richtig mies wirds aber, wenn beide Primarchen nach ihrem Kampf so fertig sind, dass sie von ihren Söhnen wie kleine Streithähne im Kindergarten getrennt und auf ihre Schiffe verfrachtet werden müssen, um sich jeweils zurückzuziehen und ihre Wunden zu lecken. Solche Darstellungen beschädigen den Halbgötter-Status der Primarchen mit der Wucht einer Dampfwalze und sind dem Mythos des Imperiums und der Horus Heresy absolut nicht zuträglich.... Das Ende macht wieder etwas wieder wett, indem es Interesse an der weiteren Geschichte der Dark Angels und vor Allem auch der Ultramarines weckt (welche in beinahe allen Geschichten irgendwo ihre Finger mit im Spiel haben), aber so richtig haut es die Geschichte dann auch nicht mehr raus. Schade eigentlich.
Fazit: Ähnlich wie bei dem schon angesprochenen "Tales Of Heresy" ist auch hier das Problem offensichtlich, dass es schwer ist, in einer knapp bemessenen Seitenzahl interessante Charaktere zu erschaffen, kleine Geheimnisse preiszugeben, interessante Fragen aufzuwerfen und den Leser bei der Stange zu halten. Manchen gelingt dies besser (Swallow, French), anderen überhaupt nicht (Kyme...). Das Problem bei "Age Of Darkness" ist die Vielzahl an Geschichten. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Eine Reduktion auf 7 Geschichten hätte mehr Seiten für den Rest bedeutet und das hätte vor Allem bei "The Last Remembrancer" noch mehr Platz für interessante Diskussionen zur Verfügung gestellt. Außerdem merkt man, dass Kurzgeschichten mit zuviel Action eindeutig an Schärfe und Bedeutung verlieren, weil sie zwar kurzweilig zu lesen sind, aber für die Horus Heresy an sich in diesen Momenten keinerlei Mehrwert im Sinne von Hintergrunderweiterungen bieten.
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