Was habe ich es vermisst. Seit spätestens "Harry Potter und der Gefangene aus Askaban", welcher mittlerweile auch schon in die Jahre gekommen ist, gab es keine Gelgenheit mehr für Williams einen farbenfrohen und spritzigen Score zu komponieren. Abgesehen vom etwas enttäuschenden Indiana Jones Score, der eher eingängig und blass als wie sonst typisch subtil und doch lebendig klang.
Mit Tintin ist das wieder zurückgekommen, was den alten John Williams ausgemacht hat. Ein facettenreicher Score der mit dem ersten Titel nicht passender beginnen könnte, als jazzig und kindlich verspielt. Ein Thema das Kurven und Loopings dreht und von einer Ebene zu anderen springen zu scheint, ohne dabei in einer Richtungslosigkeit zu Enden. Das hier ist ein Ohrwurm nach alter Williamschen Manier. Erinnert ein wenig mit seiner Verspieltheit an die Themen von Terminal, an Catch me if you can, mit seiner farbenfrohen Heiterkeit und Düsterheit an Harry Potter und zeigt diese tollen majestätischen und abenteuerlichen Konturen der alten Indiana Jones Scores (und genau das lässt wunderbare Erinnerungen erblühen).
Jedoch soll dies nicht falsch verstanden werden. Williams hat sich nicht aus einem Baukasten bedient (wie es so einige andere Komponisten sonst tun - z.B. James Horner). Lediglich charakteristische Elemente der eben genannten Scores kommen hier zum Einsatz.
Jeder Titel ist für sich ein Highlight. Keine Belanglosigkeiten, kein eingängiges Hinunterdudeln eines Orchesters. Besser und passender hätte man die musikalische Untermalung zu Tintin nicht treffen können. Das Orchester ist in ständiger Bewegung, mitunter sehr slapstickhaft ohne dabei stressig zu wirken, voller lebhafter und auch subtiler Details. Und doch kommen auch die ruhigeren und düsteren Momente, die sich so wunderbar dann von nun auf jetzt in die harmonischen Klänge einfädeln.
Nachdem man den Score sich angehört hat, weiß man, dass genau es das ist, was Williams brauch um einen glänzenden Score abzuliefern: Eine inspirierende Vorlage. Seine Scores erblühten bisher immer nur dann in ihrem vollem Glanz, wenn die filmischen Vorlagen dies ebenfalls taten. Ein Beispiel sind die alten Indiana Jones Scores im vergleich zum Neuen, dessen filmische Vorlage alles andere als inspierend war.
Fazit:
Fans, euer langer Hunger wird mit diesem Score für eine sehr, sehr lange Zeit gestillt werden.
Die hervorragende Klangqualität der CD unstreicht dazu noch den spritzigen und rasanten Score mit höchster Brillanz, Räumlichkeit und Tiefton-Kontur.
Bleibt zu hoffen, dass der Meister aller Meister ebenso kreativ und einfühlsam beim Komponieren des War Horse Soundtracks umgegangen ist.
John Williams, mögest Du uns noch viele, viele Jahre mit Deinen Werken bereichern!!
P.S.: Mein Lieblingstitel "Snowy's Theme", den John Williams für den kleinen Struppi geschrieben hat - an Spaßfaktor unübertrefflich!