"The Accidental Tourist" ist eine großartige Verfilmung eines Romans der amerikanischen Schriftstellerin Anne Tyler. Diese beschreibt in ruhigen, unaufgeregten Tönen die Geschichte von Macon Leary, eines skurrilen Charakters, der nichts in seinem Leben mehr liebt als Ordnung, Routine und Vorhersehbarkeit. Obwohl er kaum etwas mehr hasst als das Reisen, schreibt er ironischerweise Reiseführer, und zwar für ebensolche Menschen, die am liebsten selbst in Japan das Gefühl haben möchten, nicht ihr heimatliches Boston oder Baltimore verlassen zu haben. Sein überschaubares Leben wird komplett erschüttert, als sein 12-jähriger Sohn stirbt. Darüber zerbricht seine Ehe, und Macon muss sich heftigen Umwälzungen seiner gewohnten Umlaufbahnen stellen. So traurig dies alles klingt: weder Buch noch Film sind todernst oder tragisch, sondern voll leisen Humors, menschlicher Wärme und verschrobenen Persönlichkeiten, allen voran die schrille, aufgebrezelte Hundetrainerin Muriel, die nicht nur Macons psychisch gestörtem Hund Edward etwas beizubringen hat...
Dem Regisseur Lawrence Kasdan ist ein 6-er im Lotto gelungen, nämlich eine
famose Schauspieler-Besetzung bis in die kleinste Nebenrolle sowie eine konsequente und einfühlsame Umsetzung von Anne Tylers "Welt". Die Atmosphäre ist vollkommen stimmig, die Filmmusik passt perfekt, und wer das Buch kennt kann sich nur verbeugen vor dieser visuellen Umsetzung. Dies ist ein Fim über menschliche Schwächen, menschliche Wärme und persönliche Entwicklung. Dies alles wird pikant gewürzt mit skurrilen Personen und Begebenheiten, die den Zuschauer mehr als einmal schmunzeln lassen. Am Ende fühlt man sich bereichert: was mehr kann man sich von einem guten Film wünschen?