Im Laufe der Geschichte der Popmusik wurde es immer mehr Usus, einen (meist) Disco-Titel aus guten, alten Zeiten, ergo den 70er oder 80er Jahren, einer angeblichen klanglichen Frischzellenkur zu unterziehen. Dieses Unterfangen nannte und nennt sich bis heute "Remix" und besteht z.B. daraus, das Tempo eines betagten Popklassikers anzuziehen, neumodische Computereffekte dem Originalarrangement hinzuzufügen oder aber - und dies schmerzt enge Freunde der Urversion besonders - die allseits bekannte Melodie mit grausigen Tekkno-, Hip-Hop- oder Dancefloor-Rhythmen zu unterlegen. Solche Sperenzchen führen im allgemeinen dazu, daß das überzeugte 70er- und/oder 80er-Kind - dem das Original oft heilig ist, weil es es an prägnante Erlebnisse in der Vergangenheit erinnert und ihm daher längst in Leib und Seele übergegangen ist - seinen Favoriten kaum noch erkennt, weil diesem nahezu aller Charme und jegliches Zeitkolorit entwendet wurde. Entsprechend wendet sich der schockierte Altfan meist angewidert ab und ist herzlich froh, wenn er kurz vor dem Hören eines solchen "Remixes" keine Mahlzeit zu sich genommen hat, da sonst die reale Gefahr bestünde, Speis und Trank suchten sich umgehend den Rückweg aus dem Magen wieder heraus...
Auch viele Lieder von Caroline Catherine Müller, 80er-Zeitzeugen besser bekannt als "C.C. Catch", wurden - ob von der Künstlerin nun selbst gewollt oder nur aus Gründen einer erneuten Geldeintreibung mittels einer im musikalischen Gewand des Heute ertönenden Gassenhauers - in den letzten Jahren häufig "remixed". So z.B. 1998 in Form des (kommerziell gar nicht mal so unerfolgreichen) "C.C. Catch Megamix ´98" oder im Sommer diesen Jahres, zum 20. Bühnenjubiläum der gebürtigen Niederländerin, als (schier grauslich anzuhörender) "Anniversary Mix". Ein Großteil dieser völlig unkreativen, ausschließlich an den Obsessionen heutiger Discofreaks orientierten Neuabmischungen fanden sich auf der Ende August 2005 erschienenen CD/DVD "Catch the Hits", während die liebgewonnenen Urfassungen im Repertoire dieses Tonträgers in der Minderheit blieben. Dies schmeckte einigen in den 80ern Aufgewachsenen (den Rezensenten eingeschlossen) keinesfalls, so daß die journalistische Begutachtung von "Catch the Hits" nicht selten sehr, sehr übel ausfiel. Selbst dann, wenn der jeweilige CD-Kritiker den properen Discohymnen der Caroline C. Müller 20 Jahre zuvor kaum widerstehen konnte. Doch uns unverbesserlichen Alt-86ern bereitet EDEL Entertainment & Media nun eine ganz besondere Freude: Die Hamburger Firma schnappte sich sämtliche (!) Studio-LPs, die Frl. Catch zwischen 1985 und 1988 unter der Obhut ihres Entdeckers und Mentors Dieter Bohlen für die Berliner Hansa aufgenommen hatte, besorgte sich zugleich die Rechte an den drei Bonustracks der 1988 erschienenen ersten C.C.-Catch-Hitkoppelung "Diamonds - Her Greatest Hits", remasterte dieses, insgesamt 40teilige, über zweieinhalbstündige Material zwar mit viel Liebe und Fachkenntnis, beließ darüber hinaus Sound, Klang, Rhythmus, Tempo und Ausstrahlung allerdings voll und ganz im ‚Spirit of ´86'. Ergebnis dieser rührigen Kleinarbeit: Das opulente Drei-CD-Set "C.C. Catch - The 80's Album" (EDEL), das dieser Tage das Licht der (Nach)welt erblickt und das Herz eines jeden 80er-lastigen ‚Musikreaktionärs' sofort höher schlagen lassen dürfte!
CD-1 beginnt mit den acht Songs von Carolines Debüt, das da hieß "Catch the Catch". Die mittelblonde, zeittypische 80er-Jahre-Schönheit hatte zuvor ihre ersten musikalischen Gehversuche in der (damals gnadenlos unterbewerten) Mädchenband "Optimal" begonnen und war Anfang 1985 im Rahmen eines Talentwettbewerbs nahe Hamburg von Starproduzent Dieter Bohlen entdeckt worden, der soeben mit seinem eigenen Projekt "Modern Talking" erste phänomenale Erfolge feierte. Was bei "Modern Talking" mit dem männlichen Gesang von Thomas Anders funktioniert hatte, müßte ebenso mit einer weiblichen Leadstimme möglich sein, war sich Dieter sicher, als er sich der weiteren Karriere von Caroline annahm, der er schleunigst den leicht zu merkenden Künstlernamen "C.C. (= Caroline Catherine) Catch" verpaßte. C.C. Catch-Opus Eins kam im April 1986 auf den Markt. Für sämtliche Kompositionen und Texte zeichnete Bohlen ad personam verantwortlich. Sein noch nicht mal 22jähriger Schützling durfte zu den eingängigen Discoschlagern ausschließlich seine frech-niedliche Stimme beitragen. In Sachen Arrangements nutzte der Tötensener Tausendsassa fast dieselben Stilmittel, wie bei seinen eigenen Hits mit "Modern Talking": Coole Pianoeinsprengel, ein treibender Discofox-Beat, kurze, eher im Hintergrund plazierte E-Gitarrensoli, ein paar Bohlen'sche Falsettchöre und ohrwurmträchtige Melodien zwischen Euro-Disco und Italo-Disco, versehen mit aufbrausenden, hymnischen Refrains, die, mit einem deutschen Text versehen, genausogut hätten im traditionellen Schlagerbereich verwertet werden können (was Mary Roos mit der einen oder anderen muttersprachlichen Version von Songs aus "Catch the Catch" ja auch erfolgreich bewies) sind als Grundbestandteile der frühen C.C. Catch-Hits festzuhalten. Drei einträgliche 45er hatte "Catch the Catch" abgeworfen: Den schnittigen Einstiegshit "I can lose my Heart tonight" (Rang 13 im September 1985), den frechen Lobgesang auf die allgegenwärtige Jugendlichkeit, "Cause you are young" (Rang 9 im Februar 1986), und das peppige Partyhighlight "Strangers by Night" (Rang 9 im Mai 1986). Zusätzlich versüßte Carolines Gesang auf ihrer Debüt-LP die legere Disconummer "Jump in my Car", die ihr Produzent mit einer anderen Hauptvokalistin unter dem Projektnamen "Secret Star" ebenfalls als kleine Schwarze dem Markt zugeführt hatte. Sämtliche Singlehits wurden auf der LP in bis zu sechsminütigen Maxiversionen ausgewalzt, Carolines flotter Einstand war ohne Einschränkungen dazu befähigt, jede noch so labbrige Fete innerhalb von Sekunden aufzuputschen.
Zum Weihnachtsgeschäft 1986 legte "C.C." sogleich ein Folgewerk namens "Welcome to the Heartbreak Hotel" vor, dessen neun Songs auch auf der ersten CD von "The 80ths Album" neuaufgelegt werden. Weiterhin setzten Bohlen und seine Caroline - deren Organ innerhalb ihres ersten Jahres als Tanzsaalqueen enorm an Kraft, Druck und Eindringlichkeit zugelegt hatte - auf treibende Beats für heiße Großstadt-Disconächte. Allerdings waren mit "Tears won't wash away my Heartache" und "Born on the Winds" erstmals zwei Balladen im gefragten "Midnight Lady"-Kontext im Programm enthalten und riskierte Bohlen zudem deutliche Blicke in Richtung munteren Europops ("V.I.P. (They're Calling me tonight)"). Der Titelsong "Heartbreak Hotel" erwies sich im September 1986 wiederum als Top-10-Hit; als zweite Single wurde kurz vor Jahresende das düstere Nightlifedrama "Heaven and Hell" ausgekoppelt und erzielte Rang 13 der deutschen Singlecharts. Auch der obercoole Sektkelchpop "Hollywood Nights" oder der wie ein verspäteter NDW-Beitrag wirkende, schnelle Synthirock "Wild Fire", der auch einer Nena nicht schlecht zu Gesicht gestanden hätte, verfügten über Hitpotential.
Wesentlich rhythmusbetonter, temporeicher, nervöser, weniger melodieorientiert als Früheres, über weite Strecken ausnahmslos in Disco-Gefilden einsetzbar, zeigte sich "Like Hurricane", die dritte Hansa-LP von C.C. Catch, die im Herbst 1987 erschien und deren neun Songs die zweite Silberscheibe von "The 80ths Album" eröffnen. Der eingängige Discoreißer "Are you Man enough?" hatte bereits im Juni gleichen Jahres als nächster Top-20-Hit Appetit auf das Album gemacht. Auskoppelung Numero Zwei, der nicht viel Neues in sich tragende Discoverschnitt "Soul Survivor", erklomm im Oktober 1987 den 17. Rang der einheimischem Singlecharts. Positiv aus dem ansonsten sehr dancefloor-lastigen Rahmen der LP sticht der eher beschauliche Romantik-Pop "Smokey Joe's Cafe'" hervor; die restlichen acht Tracks von "Like a Hurricane" verbleiben in Bohlen-spezifischen Bumbum-meets-Schlager-Gefilden, bezüglich derer er sich hörbar einige Inspiration bei den 1987/88 chartbeherrschenden Methoden des umstrittenen britischen Produzententrios Stock/Aitken/Waterman eingeholt hatte.
Als Intermezzo vor ihrem vierten und letzten Bohlen-Album präsentierte C.C. Catch ihre erste Best-of-Scheibe. "Diamonds" wurde im Sommer 1988 vorgestellt und beinhaltete neben den bisherigen Krachern drei zuvor unveröffentlichte Nummern: Die verhalten swingende, durch einen krossen Rap ergänzte Single "House of Mystic Lights", die im Juni 1988 Platz 22 der deutschen Hitparaden einnehmen konnte, das nervöse Baßgewitter "Don't shoot my Sheriff tonight" und den schnellen, funkigen Disco-Stomper "Do you love as you look", die allesamt ebenfalls auf CD-2 vorliegenden Sets aufgekocht werden.
Bei Produktion und Herstellung der im Herbst 1988 vorgelegten LP "Big Fun" hatten sich Caroline und Dieter nicht mehr viel zu sagen gehabt. Es war immenser Streit darüber ausgebrochen, daß C.C. so gut wie keine eigenen Ideen zu den Songs sowie zu den Arrangements und der Präsentation "ihrer" Aufnahmen beitragen durfte, da all dies weiterhin einzig uns alleine von Bohlen, der inzwischen sein Kind "Moden Talking" begraben hatte und als "Blue System" solistisch durchgestartet war, bestimmt wurde. Trotzdem geriet die temporeiche Dancenummer "Back Seat of your Cadillac" zu Caros letztem Top-10-Renner.
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