In sieben Tagen aufgenommen, zwei Monate nach seinem Tod veröffentlicht. Diese CD ist wohl das athmospärischste Album 2pac's, und auch wenn Death Row CEO Suge Knight den Gerüchten zufolge zuerst nicht besonders begeistert von dem Album gewesen sein soll, da es ihm nicht genügend Mainstream- tauglich schien im Gegensatz zu dem Diamant- Platten- Vorgänger "All Eyez On Me", ist es neben diesem das wohl erfolgreichste aller Pac- Alben. Doch für Tupac war es ein Ausweg. Ein Ausweg aus einer schier ausweglosen Situation, in der er sich zu dieser Zeit befand. Damals steckte er mitten im Streit mit Biggie, der immer größere Ausmaße annahm, und über den er langsam die Kontrolle verlor, er bekam den Hass der Medien und vieler Rapper und Fans zu spüren, erhielt Morddrohungen, und konnte nur noch schwer bewaffnet, von Leibwächtern umringt und mit schusssicherer Weste vor die Tür gehen. Sein Ausweg hieß 'Makaveli'. Dieses Pseudonym, sollte der Beginn einer neuen Ära und eines neuen Lebens sein. Im Booklet der CD steht: EXIT 2PAC - ENTER Makaveli. Als 2Pac zu Makaveli wurde, hatte Tupac aufgegeben. Als er das Makaveli- Album aufnahm, war Tupac gebrochen. Das Album war das letzte, dass er für Death Row machen musste, um seinen Vertrag zu erfüllen. Dannach wäre er frei gewesen. Frei von der Last, Death Row repräsentieren zu müssen. Eine Plattenfirma, die ihn um ca. 10 millionen Dollar betrogen hatte, die in Wahrheit im Besitz all seiner materiellen Güter war und für die er seinen Hals hingehalten hatte. Diese Wut, Hoffnungslosigkeit, Angst, und seine zum absurden Todesmonolog mutierten Paranoia spiegeln sich in diesem Album wieder, nein sie springen einen geradezu an. Doch auch das Cover, auf dem Tupac gekreuzigt, wie Jesus mit Dornenkrone dargestellt ist, hat seine Bedeutung, wobei es weniger eine religiöse, denn eine emotionale ist:
"Die Bibel lehrt uns, dass die Menschen all diese Werke taten, weil sie so leiden mussten: Diese Leiden haben sie zu etwas Besonderem gemacht. Ich dagegen wurde fünf mal angeschossen, und die Medien haben mich gekreuzigt. Man hat mir eine Dornenkrone augesetzt und mich mit Dreck beworfen. Aber ich habe allen nur gesagt: "I'll be back for you. Glaubt mir, so soll und so wird es nicht enden. I'll be back" ".
Bereits die ersten drei Sekunden lassen einem einen Schauer über den Rücken laufen. Am Anfang des ersten Songs 'Bomb First (My Second Reply)' sagt eine kaum wahrnehmbare Stimme: "Suge shot me" (Hier handelt es sich vermutlich um Tupacs kurze Zeit später ermordeten Cousin Yaki Kadafi, der übrigends auch der einzige Augenzeuge war, der bereit war, vor der Polizei auszusagen. Er wurde jedoch vor seiner Befragung erschossen. Tatsächlich wid hier aber nicht gesagt "Suge shot me" sondern "Shoulda shot me", was aber jahrelang falsch verstanden worden war.).
Der zweite Song 'Hail Mary', der Klassiker schlechthin, ist an Atmosphäre kaum noch zu überbieten. Er kommt schleichend, dräuend, subtil, gemein, ja, brutal daher. "I ain't a killer but don't push me / revenge is like the sweetest joy next to gettin' pussy".Keine Frage an wem Pac hier Rache nehmen will. Wenn es überhaupt einen Song gibt, der Pac's Gesinnung zu Zeiten seiner Transformaion zu Makaveli auf den Punkt bringt, dann ist es dieser! Was den Vibe angeht, so zählt 'Hail Mary' nicht zuletzt wegen seiner musikalischen Inszenierung zu den heftigsten Stücken, die Pac je zum Presswerk gebracht hat "Come with me, Hail Mary Nigga run quick see, what do we have here now/ Do you wanna ride or die/La dadada, la la la la". Leute wie Eminem der den Beat gemeinsam mit 50 Cent für einen Diss gegen Ja Rule verwendet hat, werden mir da sicherlich zustimmen. Unfassbar dass dieser Song in nur 30 Minuten enstanden ist!
Der dritte Song 'Toss It Up' it ein "Party"-Song in typischer Pac-Manier, bei dem allerdings ebenfalls unterschwelliger eine etwas drückende Stimmung durchsickert. Ein klasse Song!
Das vierte Lied 'To live & die in L.A.' ist mit Sicherheit ein weiterer Höhepunkt, dieses an Höhepunkten geradezu überschütteten Albums. Der Beat, die Verse, die Hook.... boooooom! Auch wenn man noch nie in L.A. gewesen ist, fühlt man sich bei diesem Song, als würde man in seinem Cabrio den Sunset rauf und runterfahren, vorbei an Palmen, dem Sonnengang entgegen. Pacs Hymne für die Westküste.
Dieses Hochgefühl, verschwindet bei dem nächsten Track allerdings augenblicklich. 'Blasphemy', ein wiederum sehr atmosphärischer Song, ähnlich 'Hail Mary', bei dem man 2Pac ebenso wie auf dem darauf folgenden Song 'Life Of An Outlaw', in seinem Element erleben darf. Die Wut in seiner Stimme reisst einen mit, auf einen Reise durch Babylon, in einen wahren Strudel voll düsterer Emotionen und die Outlawz zeigen sich hier in absoluter Höchstform! In Blasphemy teilt Pac mit uns die Regeln, die ihm sein "Vater" (er bezeichnet Niccolo Machiavelli als seine Vaterfigur") auferlegt hat: " I got advice from my father, all he told me was this/ Niggaz, get off your ass if you plan to be rich/There's ten rules to the game, but I'll share with you two/Know, niggaz gon' hate you for whatever you do..."
Immer und immer wieder kommt er auf seinen Tod zu sprechen. Sein Todesmonolog mutiert hierbei zu Abhandlungen über seine angebliche Unsterblichkeit. So begann das (was auch schon seit 'Me Against The World beobachtbar war), was selbst zehn jahre nach seinem Tod immer noch Gültigkeit besitzt: die Legendenbildung um Tupac Shakur!
'Just Like Daddy' ist nach 'Toss It Up' mal wieder ein Song für die Damen, wobei der Beat eher Oldschool-mäßig gehalten ist. Schön zum nebenbei hören.
Dann folgt das Herzstück dieses Albums: 'Krazy'
Der Beat, der wie eine Melodie eines Kinderliedes wirkt, der herzzerreissende Text, der von Tupac noch viel herzzerreissender vorgetragen wird; langsam, verletzlich, beinahe singend.
"Last year was a hard one, but life goes on/Hold my head against the wall learnin right from wrong/They say my ghetto intrumental, destrimental to kids/As if they can't see the misery in which they live/Blame me, for the outcome, ban my records - check it/Don't have to bump this but please respect it" "June 1-6, '7-1, the day/mama pushed me out her womb, told me, "Nigga get paid."/No one can understand me - the black sheep
Outcasted from my family".
'White Man'z World' bringt wieder etwas den politisch denkenden Tupac von einst zum Vorschein, gemischt mit einem sensiblen und einfühlsamen Pac, der sich für die Frauen ausspricht, und seine Brüder und Schwestern zur Einigkeit aufruft, und das alles auf sehr sanfte Art, die überhaupt nicht so kämpferisch und aufrührerisch klingt wie zu früheren Zeiten, aber dennoch beeindruckt. "Inside this cage/Where they captured all my rage and violence/In time I learned a few lessons/Never fall for riches/
Aplogies to my TRUE sisters/Far from bitches" "So tell the babies how I love them/Precious boys and girls/Born black in this white mans world"
"My homeboys doing life/Begging mama be stressing/Shedding tears when her son finally ask that questions: Where my daddy at?Mama, Why we live so poor?Why you crying?Heard you late night throught my bedroom door/Now do you love me mama?Why do they keep calling me nigger? Get my wieght up, with my hate and pay 'em back when I'm bigger/Still thugging in this jail cell/Missing my block/Hearing brothers screaming all night/Wishing they'd stop/Proud to be black/But why do we act like we don't love oursleves/
Don't look around busta (you sucka) check yourselves/know what if means to be black whether a man or girl/we're still struggling in this White man's world"
Danach folgt als zehnter Song das unbeschreibliche 'Me & My Girlfriend', das in typischer Bonnie & Clyde Manier gehalten ist. Der geradezu (und nicht nur für die damailge Zeit) überirdische Beat, der Inhalt und die technische Umsetzung haben diesen Song zu einem wahren Meisterwerk gemacht! Dies fanden wohl auch Leute wie Toni Braxton, Mariah Carey, oder Jay-Z & Beyonce, die diesen Song allesamt gecovert haben (ihn aber nie das Wasser reichen könnten). Im Gegensatz zu den eben genannten Interpreten, hat Tupac in seiner Version nicht wirklich von seiner Freundin gesprochen, sondern das Wort 'Girlfriend' als Synonym benutzt... für seine Knarre, (die seit dem Attentat auf ihn '94 zu einer treuen begleiterin geworden war)was allerdings beim ersten Hören nicht auffällt.
Ein überirdisch guter Song, der hervorragend in die düstere Stimmung des Albums passt und der es zehnmal verdient gehabt hätte, zu einer Singel zu werden!
Nun folgt 'Hold Ya Head', das ebenfalls durch seinen Inhalt und die übertrieben krass gesungene Hook überzeugt. Für mich ist dieses Stück die Versinnbildlichung des Covers, weil er so voller Schmerz aber auch voller Stärke und Hoffnung ist.
Den krönenden Schluss bildet 'Against All Odds'.
Ein Schuss gegen das Bad-Boy-Camp, dass 'Hit 'Em Up' weit hinter sich zurücklässt. Der Teil des Songs, der gegen Nas gerichtet ist, wollte Tupac eigentlich rausnehmen, da er sich zuvor mit diesem ausgesöhnt hatte. Tupac starb allerdings bevor er dies tuen konnte, und so blieb die Zeile im Text erhalten. Dieser Song ist an Härte, Hass, Arroganz und Überzeugung bis heute nicht überboten worden.
Pac selbst bewertet den Song selbst als "the realest shit I ever wrote", und ich möchte ihm da in keinster Weise widersprechen.
Lesen Sie weiter... ›