Das hier wird schwer. The Gaslight Anthem rezensieren, und dabei objektiv bleiben. Nicht in schreckliche schmalzige Floskeln verfallen? Wie soll das gehen? Das Problem ist, dass diese Musik nicht so funktioniert. Anhören und dann die Stimme, den Rhythmus oder irgendwelche Gitarrensoli "geil finden" ist hier nicht. Die Musik ist in diesem Fall wirklich mehr als die Summe der einzelnen Teile. Das vorweg.
Die einzelnen Teile klingen dann ungefähr so: Eine angenehm rauchige Stimme, die voller Gefühl Geschichten über das Leben, Lieben und Sterben singt. Rhythmen, denen man noch irgendwie den Punk anmerkt, selbst wenn sie mittlerweile tief im Rock zu Hause sind. Gitarren, die stets unterstützen, niemals aufdringlich wirken, und im richtigen Moment Melodien für die Ewigkeit hervorzaubern.
Das gilt jetzt für 95% der gut gemachten Rockmusik. Aber der Unterschied ist: Hier ist ganz viel Herzblut. Und eben ein Gefühl beim Hören, das wie schon gesagt, mehr ist als die Summe dieser Teile. Das kann man nicht beschreiben, das muss man selbst erleben. Das ganze verbreitet trotz der Geschwindigkeit eine Form von positiver Melancholie, die man sonst eher von Singer/Songwriter Sachen kennt. Wenn man will: Spätsommer-Rock'n'Roll. Die guten alten Zeiten vermissen oder mit Aufbruchsstimmung neuen entgegengehen? Hier ist der Soundtrack dazu.
Einziger Kritikpunkt: Diese Lieder, die einen von Anfang an in den Bann ziehen, um dann im Refrain die ganz, ganz großen Melodien und Zeilen auszupacken, die direkt auf Herz und Bauch zielen, die gibt es leider zu oft auf dem Album. Das klingt Makaber - das einzige Problem ist, dass die "Hitdichte" ZU hoch ist. Jeder Song für sich ist eine Offenbarung, auf Albumlänge kennt man das Schema aber irgendwann und es fühlt sich etwas schal an. Hier wäre etwas mehr Abwechslung schön gewesen (im Vergleich zu "Sink or Swim").
Deshalb noch ein paar Worte an alle Menschen die die Band schon länger kennen: es ist alles beim Alten, wenn auch weniger ungestüm und etwas poppiger. Ich muss gestehen, dass das großartige Album "Sink or Swim" bei seiner Erscheinung vollkommen an mir vorbeigezogen ist. Darauf bin ich erst jetzt durch die zugegebenermaßen verdiente Aufmerksamkeit der Medien bezüglich des neuen Albums gestoßen. Natürlich gleich gekauft. Im direkten Vergleich zum letzten Album finde ich "The '59 Sound" etwas schwächer. Aber ich glaube, das ist Geschmackssache.