Die meisten Zuschauer, sofern sie Filmmusik überhaupt wahrnehmen, dürften Bernard Herrmann mit der Musik zu den Hitchcock-Klassikern "Psycho" und "Vertigo" in Verbindung bringen. Ob des ernsten, oft düster-bedrohlichen Stils der Mehrzahl seiner Partituren wird Herrmann oft als Musiker ohne jeden Anflug von Humor beschrieben, doch "The Three Worlds of Gulliver" beweist unschlagbar, dass dieses Vorurteil keinen Bestand vor der Realität hat. Man denke nur an das amüsante "Portrait of Hitch" aus "The Trouble with Harry".
Der Gulliver-Film des Trickspezialisten Ray Harryhausen verflacht zwar den ursprünglich sozialkritischen Stoff Jonathan Swifts - Swift wollte mit seinem Werk Dünkel und Affektiertheit der oberen Gesellschaftsschichten im England des 17. Jahrhunderts entlarven - zu einem reinen Abenteuerfilm für Kinder, als solcher aber ist er sehr amüsant. Und "amüsant" ist auch diejenige Bezeichnung, die Herrmanns Beitrag zum Film am besten beschreibt (auf dieser CD in Form einer Nachspielung unter der Leitung von Joel McNeely). Entsprechend der drei Welten des Films - Gullivers heimischen England, Lilliput und dem Land der Riesen - enthält die Musik drei Ebenen, obwohl sie stilistisch einheitlich neobarock gehalten ist. Es sind vor allem barocke Tanzrhythmen in für Herrmann ungewohnt leichtfüßiger Orchestrierung, die die Komik der Musik ausmachen. Die Musik für Gullivers England gibt sich dabei höfisch und zeremoniell, während die besten Teile des Scores, jene für Lilliput und dessen Bewohner, spielerisch-naive Miniaturen sind, in denen die Holzbläser in der Instrumentation eindeutig dominieren. Selten, wie in "The Storm", gibt es dramatische Momente. Auch hier, und in dem kurzen, aber eindrucksvollen "The Clouds", sind die Orchesterfarben einfallsreich gewählt. Zu dieser Schiene gehört auch "War March/Naval Battle", das unter anderem mit einem Vibraphon als Klangfarbe aufwartet. Das Reich "Brobdingnag", in dem die Riesen leben, wird musikalisch durch absichtlich tumb-stolpernde Motive untermalt, die die grobklotzige Unbeweglichkeit seiner Bewohner mit sicherem Strich untermalen.
Dies ist eine der unterhaltsamsten und musikalisch besten Veröffentlichungen der letzten Jahre, eine willkommene Korrektur des einseitigen Images Bernard Herrmanns. Dringend zu empfehlen!