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Die CD steht schon lange bei mir im Regal und als ich diese CD kaufte, hatte ich eigentlich keinerlei besondere Erwartungen an Brönner. Im Nachgang verbindet sich damit die erste Livekonzertansicht Brönners für mich. Diese sei "zerfasert" gewesen, war damals in einer hiesigen Zeitung zu lesen. Lag das an Brönners Musik oder dem etwas vergeigten Drumherum?
Als zerfasert kann indessen ganz sicher nicht gelten, wenn ein Musiker sich die Freiheit nimmt und sich selbst oder Musik ausprobiert - egal, ob unter künstlerischen und/oder kommerziellen Aspekten; wem bitte, nützt schließlich schon ewiges Einerlei nebst brotloser Kunst? Das Schöne vorallem am Jazz ist doch, dass er so unglaublich viele Nuancen und Ableitungen bietet, dass sich diese Musik formen lässt, fließende Übergänge und Verflechtungen schafft wie kaum eine andere, ja, auch im Meanstreaming - na und? Dieses ständige Nasegerümpfe hierüber nervt mich und was die in diesem Zusammenhang immer wieder und überall zitierte Fahrstuhlmusik anbelangt, wäre ich froh, überhaupt einen Fahrstuhl (geschweige denn eine beliebige Verkaufseinrichtung) anzutreffen, der (die) mich wenigstens für ein paar Sekunden mit entspannender Musik ohne dröhnendes Bassbumping in andere Gefilde versetzen würde.
Wer Jazz nicht unbedingt mag, ihn aber mal poplightig bis latin angehaucht versuchen will, etwas unaufdringliche Untermalung beim Herumhängen mit und ohne Nachdenken vor der eigenen Blockhütte gebrauchen kann, ist mit diesem Brönner durchaus gut bedient. "Mitsummern", nenne ich das mal, denn gerade weil die Klänge vertraut und vorhersehbar erscheinen, eigenen sie sich bestens für eigene zwanglose Mittöne zu Brönners ungeformt alltäglichem Timbre, das nach meinem Empfinden genau hierher passt. Auf hochgradige Stilistik und exzellente Stimmakrobatik kommt es dabei nicht an - ich unterstelle einmal, dass das Brönners Anspruch sowieso nicht war (und sein konnte). Der Rest ist wie immer Geschmacks- und Empfindungssache.
Ich mag es. Das haben anscheinend viele gedacht, denn vor diesem Hintergrund erscheint es rückblickend nicht erstaunlich, dass dieses Album nach Erscheinen trotz gemischer Gefühle vordere Chartplätze belegte. Falls sich heute noch zufällig ein "hardcore" Jazzer oder jemand mit Anschlussvorstellungen an vorhergehende Brönnereien an diesem Album "vergreifen" sollte, ist dem allerdings eine Enttäuschung sicher.
Wer sich für diese CD erwärmen kann und eine Verbindung zum "alten" Brönner sucht, sollte sich außerdem die DVD "A Night in Berlin" (2005) leisten - mit einem neben Brönner von tollen Musikern dargebotenen Mix aus den Alben "Blue Eyed Soul" und "That Summer" in glatt inszenierter Studiowerkatmosphäre und in formidabler Aufnahmequalität, ergänzt mit einigen Specials (A Day in Berlin = Brönner Statement; Fotos vom erstklassigen Jim Rakete).