Es ist wohl keine Überraschung, dass nach dem Tod des vielleicht größten Comiczeichners des zwanzigsten Jahrhunderts noch mal Geld verdient werden musste. Eine weitere Motivation scheint dieses kleine Hardcover-Bändchen nicht gehabt zu haben.
Zu Beginn finden wir eine einseitige Einführung von einem gewissen Andreas Platthaus (wer auch immer das sein mag). Dort wird der Meister einigermaßen anständig gewürdigt, aber leider fehlt etwas anderes völlig: Eine Erklärung, was denn das Konzept des Buches sein sollte. Und das ist mir auch nach mehrmaligem Durchblättern einfach nicht klar geworden. Im Wesentlichen besteht es aus Zeichnungen oder kurzen Comicgeschichten, in denen die Verehrung der ZeichnerInnen für Carl Barks zum Ausdruck kommen sollte. Leider sind sie mit nur sehr, sehr wenigen Ausnahmen einfach völlig langweilig. Ich denke, Barks wäre unangenehm berührt gewesen, wie leblos und ehrfurchtüberfrachtet diese Werke sind. Ein Asterix, der sich vor einer Statue von Dagobert Duck verneigt? Ist das alles, was Herrn Uderzo eingefallen ist? Ein blindes "Wir lieben Dich, Carl" von ungefähr einem halben Dutzend anderer sogenannter Künstler? Einige andere spielen auf berühmte Geschichten von Barks an, wobei auch diese Versuche meist recht kümmerlich verlaufen.
Witzig fand ich überhaupt nur einen Strip, und das ist der von einem gewissen Matthias Schwoerer - so ziemlich der Einzige, der eine völlig eigenständige Geschichte präsentiert und von seiner Ehrfurcht vor dem großen Meister nicht völlig gelähmt war. Dazu kommen noch ein paar andere Geschichtchen, die immerhin ein bisschen aufmerken lassen oder auch mal ein kurzes Schmunzeln hervorrufen. Aber wie gesagt, das sind sehr wenige.
Dazu kommt die teilweise schlampige Bearbeitung. Die klassischen Barks-Geschichten sind in Deutschland ja nicht zuletzt durch die grandiosen Übersetzungen der großartigen Erika Fuchs so erfolgreich gewesen. Beide, Barks und Fuchs, legten jedes Wort auf die Goldwaage und setzten es exakt an der richtigen Stelle ein. Wenn ich dann in einer solchen Hommage einen Satz wie "Er ist kein Star Jung's" lese, dann frage ich mich, ob es hier überhaupt ein Lektorat gegeben hat. Das ist einer Barks-Hommage einfach nicht würdig.
Nun ist eine Aufgabe sicherlich erfüllt: Durch den akuten Mangel an Kreativität steht Barks wirklich als herausragend da. Aber das tat er für mich schon vorher. Wozu also dieses Buch? Zwischen den Zeichnungen werden ein paar Originalzitate von Barks präsentiert, sehr platzintensiv mit einer Aussage pro Seite (Seitenschinderei ersten Ranges). Das mag noch angehen. Völlig unverständlich finde ich hingegen, dass sich noch vier Originalgeschichten von Barks in dem Band befinden. Leider ist erstens völlig unklar, wieso überhaupt und wieso gerade diese vier, und zweitens hat wohl so ziemlich jede/r, der oder die dieses Buch in die Hand nimmt, die entsprechenden Geschichten ohnehin zu Hause. Und das finde ich eine Sünde: Die Barks-Kunstwerke als Lückenfüller zu missbrauchen.
Insgesamt finde ich "Thanks, Carl" unnötig, uninspiriert und größtenteils humorlos. Bis auf sehr wenige Ausnahmen sind die Geschichten für Fans überflüssig und für andere vermutlich langweilig. Auf den Ehapa-Verlag wirft so etwas jedenfalls ein eher schlechtes Licht.