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am 15. März 2004
Sigmund Freud folgend, ist der Thanatos - neben dem Sexualtrieb Eros und dem Lebens- oder Selbsterhaltungstrieb - die dritte instinktive menschliche Kraft: der Todestrieb, im ständigen Wettstreit mit den anderen beiden, und auch der Todesgott der griechischen Mythologie wird so bezeichnet.
In Helmut Kraussers Thanatos wird beschrieben, wie dieser sich mehr und mehr des Konrad Johanser bemächtigt und über den Lebenswunsch siegt.
Die Geschichte:
Johanser ist ein weltmüder, enttäuscht liebender, alkoholkranker Literaturwissenschaftler, vielmehr Besessener als Forscher, gebannt von der Ästhetik der frühen Romantik. Er fälscht Originale alter Dichter und flüchtet vor den Konsequenzen der Aufdeckung aus der Großstadt ins Ländliche und dringt in das Leben einer verwandten Familie ein. Immer wieder verlängert er seine Aufenthalte bei Onkel, Tante und Cousin und löst durch seine Anwesenheit den Ausbruch lange schwelender Konflikte innerhalb der Familie aus.
Der Junge Benedikt tritt Johanser offen gegenüber, die Cousins begegnen sich als fühere bzw. spätere Ausgaben ihrer selbst. Jeder erkennt den eigenen Verfall, die eigene Gequältheit und den eigenen Lebensüberdruß im anderen, was beide nicht verkraften.
"Der Alltag wird zur Bedrohung, tiefer und tiefer verstrickt er [Johanser] sich in Schuld, Lüge und Wahn", heißt es treffend im Klappentext des Buches.
Schließlich explodieren Gefühle und Wahnsinn ...
Was sich in diesen wenigen Zeilen sehr abstrus lesen mag, erscheint bei der Lektüre von Thanatos plausibel und wirklich. Krausser erzählt geradezu bruchstück- und episodenhaft und meist aus der Sicht Johansers. Das ruft im Leser das Gefühl hervor, wirklich jeder Protagonist des Romans wäre irgendwie verrückt, bedrohlich und geheimnisvoll. Die dörfliche "Idylle" ist bevölkert von Gaffern, Käuzen und Unpersonen, die Großstadt erscheint als Moloch, als Irrenhaus.
Die Sicht und der immer wirrer und nebulöser werdende Blick auf die Dinge und Konflikte erscheinen fast schon logisch.
"Thanatos" ist gleißend und dunkel zugleich. In expressionistischen, verzerrten Sichtweisen auf die Bedrohlichkeit der Stadt, die Droge als Flucht, auf Sexualität als Negation und Aufschrei, zitiert Krausser in knapper, rauher Sprache Kafka, Trakl und Georg Heym; in romantischen, fragmentarischen, lyrisch anmutenden Bildern folgt er Wackenroders und Novalis` Sehnen nach Rückzug, Glauben und Mystik und karikiert gleichzeitig das vermeintliche Land-Idyll als Asyl und Gefängnis zugleich. Darin eingebettet ist moderne Zivilisations- und Deutschtums-Kritik, und über alldem bzw. mitten darin findet sich eine bedrückende und fesselnde Lebens- und Leidensgeschichte, die zugleich als Psycho-Krimi und Groteske (und wahrscheinlich noch als vieles mehr) gelesen werden kann.
Der Roman bindet den Leser trotz oder gerade wegen seines hohen Anspruchs bis zum Schluß. Mit dem Verfall der Persönlichkeit Johansers gerät auch der Stil des Buches aus den Fugen, wird verschleierter und fratzenhafter, die Begrifflichkeit schmerzerfüllter.
Thanatos ist verstörend und tief beeindruckend, erfordert aber auch wegen der Sprache Kraussers einiges an Konzentration und ist deshalb als U-Bahn-Lektüre nur bedingt geeignet. Wer sich jedoch vor Mitdenken nicht scheut, den belohnt das äußerst spannende und mitreißende Werk reichlich, zumal dies ein Buch ist, das mehr zu bieten hat, als sich nach einmaligem Lesen erschließt, das man durchaus mehrfach und aus verschiedenen Blickwinkeln lesen kann, und das trotz und wegen seiner Abründigkeit Literatur-GENUSS bietet, ohne auch nur im geringsten zu langweilen.
Der Literatur"experte" findet unzählige, ihm bekannte Stimmungen und Zitate, ein Resümee bzw. eine Verquickung verschiedener Epochen, der "Durchschnitts"-Leser einen ausgezeichneten, packenden Psycho-Krimi.
Ein Juwel!
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am 8. September 1999
und die deutsche Katastrophe
Drei Tage lang ist man beim Lesen des "Thanatos" gefesselt und am Ende weiss man gar nicht genau warum. Die Helden sind unsympathisch, die Geschichte wirkt ausgedacht und schildert das Abgleiten der Existenz des Geisteswissenschaftlers in den Wahnsinn. Die meisten Rezensenten befanden, daß es in "Thanatos" um deutsche Mentalitäten gehe. Schließlich steht auch schon im Klappentext, daß in dem Roman sichtbar würde, "wo das typisch Deutsche seine Wurzeln hat", und Tod und Deutschland passen ja bekanntlich gut zusammen In "Thanatos" gibt sich der Held - Konrad Johanser - sehr kontemplativ. Als klassischer Melancholiker "in Feindschaft mit sich und seiner Umgebung" zählt er die Sekunden, "und wenn sechzig zusammen waren, flocht er ihnen ein Bändchen um und schrieb MINUTE drauf, und wenn sechzig Bändchen zusammen waren, legte er sie in einer Kiste namens STUNDE ab und wenn sich zwölf Kisten vor ihm hoch stapelten, weigerte er sich, sie als Tag anzuerkennen, rannte aus der enggewordenen Wohnung, hockte sich mit Wein an die Spree und soff, in der Böschung versteckt, bis die NACHT vorbei war". Johanser findet nach seinem Germanistik-Studium eine Anstellung als Archivar im Berliner "Institut für Deutsche Romantik". Nach dem Tod des alten Chefs besetzt er dessen Position. Soviel zum Aufstieg und zur Exposition. Geheiratet wird auch noch, und dann muß natürlich alles langsam zusammenbrechen. Mit der Zeit verliert Johanser das Interesse an seiner Frau; zieht sich zurück an seinen Schreibtisch und beginnt sein Talent zur Handschriftenfälschung zu entdecken. Er erfindet Briefwechsel und versteckt seine Fälschungen in den Kellern des Archivs. Man findet die Texte, ein ganz neues Licht fällt auf die Romantik; das von Finanzkürzungen bedrohte Institut macht nachhaltig in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam, die anstehende Schließung wird verhindert; als die Echtheit der Funde bezweifelt wird, verliert Johanser seine Stellung und nimmt - um alles in der Entfernung noch einmal zu überdenken - bei Verwandten in einer bayerischen Kleinstadt eine klassische Auszeit vom Leben. Jetzt kommt sie Zeit in der Kleinstadt: Tagsüber geht er Landschaft angucken, nachmittags sitzt er in der örtlichen Gastwirtschaft und beobachtet die hübsche Kellnerin. Wunderbar trifft Krausser den normal-depressiven Kleinfamilienalltag, liefert mitreißende Schilderungen der Verzweiflung, die den Verzweifelten auch zum Idioten machen und vor allem schreibt Krausser mit einer Leidenschaft, die man sonst nur bei leider meist zweitklassigen Undergrounddichtern findet. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 4. August 2007
Vielleicht gibt es für jeden Menschen den perfekten Autoren. Der, wenn man das Glück hat, ihn zu entdecken, wie ein guter Freund sein kann. Der einem aus dem Herzen spricht. Dessen Bücher so vertraut erscheinen, als hätte man sie selbst geschrieben oder die in ihnen klar ausgedrückten Gedanken und Stimmungen doch zumindest geträumt, gefühlt, geahnt.

Noch heute kann ich ihn spüren, diesen einzigartigen Schauder, der mich in jenem Sommer vor mittlerweile über zehn Jahren ergriff. Nie hatte das geschriebene Wort größere Macht über mich - nie zuvor und niemals wieder war Literatur so groß, so ekstatisch. Man mag sich wundern über den hohen Ton dieser Zeilen, doch kein anderer genügt, um dem geneigten Leser die Faszination von „Thanatos“ nahe zu bringen. Stellvertretend für das unendlich-schöne Oeuvre eines streitbaren, immer-alles-wollenden Schriftstellers.

Thanatos, der titelgebende griechische Todesgott, medizinisch auch der Todestrieb, thront im Titel und am Anfang dieses Romans, wie er seit Anbeginn der Zeiten existiert. Im Spannungsfeld der entmutigenden Weitläufigkeit Berlins und der bedrückend-heimeligen Idylle eines schwäbischen Städtchens entwirft Krausser eine faszinierend-aktuelle und doch ganz eigene, aus aller Zeitlichkeit fallende Welt. Mit einem Protagonisten, der durch seinen kaputten, sympathisch-kruden Charakter gleichzeitig unheimlich anziehend - und durch seine Taten unfasslich fremd erscheint: Konrad Ezechiel Johanser. Dem Alkohol verfallen, sich romantischen Tagträumen von einer anderen, besseren Realität, seinem „Sehnsuchtsland“ hingebend; durch das Element der Zeit auf undurchsichtige Weise mit Thanatos verbunden. Der ständig über allem schwebt – ob als Idee, Vorstellung oder Personifikation, bleibt unklar beziehungsweise der Lesart jedes Einzelnen überlassen.

Konrad ist ein Getriebener, ein Anachronismus in der modernen Welt, die er nur im Rausch erträgt:

"Johanser schluckte RUTARETIL, ein bittersüßes, gefährliches Mittel, stimmte emphatisch oder depressiv, betrog niemals, verstärkte den Zustand des Gemüts bis ins Extrem."

Hier offenbart sich Johansers wahre Sucht, seine Berufung, seine Leidenschaft - und wer jetzt gleich zum Dealer seines Vertrauens laufen will, Stichwort Palindrom.

Unfähig selbst kreativ tätig zu werden, entmutigt von gescheiterten Versuchen seinen literarischen Helden nachzueifern, verlegt er sich auf die Kunst der Kalligraphie, imitiert die verschiedenen Handschriften längst verblichener Dichter in den Archiven des Instituts für Romantik in Berlin, manipuliert und verfälscht das Bild einer ganzen Epoche, indem er seine aufsehenerregenden "Funde" publiziert. Aufgewacht aus diesem Fiebertraum erkennt er das ganze Ausmaß seines Tuns; aus Angst vor Entdeckung des Betrugs ergreift er die Flucht. In exzessiven Nächten voller Schuldgefühl und Verfolgungswahn werden tatsächliche, ganz handgreifliche Gräueltaten angedeutet - doch irgendwie kann man diesem paranoiden, hinterlistigen, liebenswerten Bösewicht einfach nie so richtig böse sein.

Dieses "Schwarze Buch", wie es im Untertitel heißt, ist vieles: Psychologisches Verwirrspiel mit komplexem, nie ganz zu durchschauendem (Anti-)Helden; Spiegelbild der Romantik, ihrer Ideengeschichte, ihrer Hybris durch die Augen eines Schmerzlich-Zu-Spät-Geborenen; Arsenal wunderschönster Zitate zahlreicher (romantischer) Autoren, das den Leser ganz unmittelbar an der „Droge“ des Wortes teilhaben lässt. Und noch so viel mehr.

Wer sich traut, wird reich beschenkt mit einem Roman, dessen Ambition, Sprache und Struktur zwar dem Vorbild der Romantik stets verwandt bleibt, ohne dabei jedoch jemals in Epigonentum oder gar Redundanz zu erstarren. Ein modernes Buch, trotz allem. Mutig, kühn, gekonnt. Wert, mehr als nur einmal entdeckt zu werden.

Und zuweilen von grausamer Schönheit:

"Je länger ich hinsah, desto schöner wurde das Furchtbare auch. Je länger ich hinsah."
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am 3. Februar 2007
Das Buch hebt sehr schnell an. Interessante Sprache, grimmig modern, intelligent und unterhaltsam, weil sehr nahe am Zeitgeschehen. Ein interessanter Charakter, zumindest für Leute, die gerne hohe Literatur lesen und somit eine Schwäche für Intellektuelle, Künstler oder ähnlich begnadete Verlierer aufbringen. Und auch ich bin restlos begeistert und langweile mich keine Sekunde, im Gegenteil der Sog der Worte, dieses Sammelsurium menschlicher Schwächen zieht mich atemberaubend in den Bann, so eine Art moderner Dostojevsky, obwohl natürlich niemals ganz so gut. Doch dann fängt es irgendwo über der Mitte an zu quälen und ich frage mich ob ich einem Schwindler aufgesessen bin, der nicht zu halten vermag, was er verspricht. Das alles mutet, wenn auch mitreißend, so mit der Zeit, dann etwas redundant und belanglos an, das Ende naht und die Angst, da werde nichts mehr großartiges Geschehen lähmt mich beinahe. Doch dann, schlagartig, heben wir ab in schaurige-düstere Traumweltfetzen der Romantik, wo Gewalt und Rausch sich mischen, wo sich Doppelgänger nicht nur im Spiegel begegnen und sich der Himmel auf einmal blutrot färbt. Der Mythos bricht in die Realität ein und dieses scheinbar so kleine belanglose Provinzkaffgemorde wird stellevertretend für den Wahnsinn der ganzen Menschheit. Grandios.
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am 24. November 2001
Krausser liebt die Epen, keine Frage. Das bewies bereits "Melodien", des Autoren Abkehr von der Bukowski-inspirierten Abgebrühtheit der Hagen-Trinker-Saga. Und nun noch so ein schwerverdauliches Stück intellektueller Arbeit mit (und an) der Vergangenheit. In "Thanatos" wird die deutsche Romantik zum Protagonisten, personifiziert von Johanser, einem hochintelligenten Fälscher und Mörder. Er steigt hinab in sein Unterbewußtsein und entdeckt sein Ich, sein fürchterliches, grausames Ich.
Kraussers Epos verlangt viel ab von seinem Leser, und es ist kein Wunder, daß der Roman entweder die besten Freunde oder die ärgsten Gegner hat. Ich zähle mich zu seinen Freunden, und ich denke, daß anspruchsvolle Leser neben mir sich ebenfalls über dieses nicht nur kluge, sondern auch - im Gegensatz zu vielen deutschen Gegenwartsromanen - unterhaltsame Buch freuen!
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am 30. August 2002
Unglaublich welches Tempo, welchen Wortwitz und welche Tiefe Krausser hier aufbringt. Das Buch wandelt sich mit dem Protagonisten, die Sprache ebenso. Das fragmentarische bzw. Alternativenende fügt sich wunderbar hier ein. Sollte man gelesen haben! Von der Handlung sei hier geschwiegen, da sich diese mit dem Aufbau des Romans verknüpft und Unkenntnis das größere Lesevergnügen der 500 Seiten liefert. Nur soviel sei gesagt: Überraschende Entwicklung genau dann, wenn es droht eintönig zu werden.
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Einen Teil des Buches wird nur jeder gebürtige Schwabe wirklich verstehen können. Wer wie der Autor (und ich) aus Esslingen (odr dromrom) kommt, weiß wovon ich rede. Für die Nicht-Schwaben mag es eine akribische Milieustudie sein, die natürlichen in ihren psychologischen Abgründen auch an vielen anderen Orten spielen könnte. Der Kontrast der Großstadt und der ach so weiten Welt und ihrer Wichtigkeiten (den ich als rausgschmeckter Exil-Schwabe auch kenne) macht die tragische Spannung des Buches, das mich sehr berührt hat. polis - hybris - thanatos ...
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am 21. Juli 2003
Der Schriftsteller Helmut Krausser sorgt mit seinem Roman „Thanatos", den er selbst als sein „bedeutendstes Buch" hält, wiedereinmal für Aufsehen in Literaturkreisen. Aufgrund der Thematik des Romans, Liebe, Mythos und Tod sowie der Selbstverlust der Person im Wahnsinn, ist auch die Bezeichnung Psychothriller nicht abwägig. In „Thanatos", vielleicht Kraussers bislang persönlichstes Buch, ist die Einlagerung biographischer Facetten und Helmut Kraussers Weltsicht unverkennbar. Am Auffälligsten ist die Übereinstimmung der Orte, zu denen Krausser Bezug darstellt. Helmut Krausser selbst ist in Esslingen geboren. Niederenslingen, so beschreibt Krausser es in seinem Roman, hingegen liegt geographisch auch in der Nähe von Berlin. Desweiteren sind noch viele autobiographische Züge erkennbar.
Durch seine brilliante Schreibweise vermittelt er dem Leser überraschende Bilder und schildert sehr treffsicher Personen und bestimmte Mileus. Stellenweise ist der Leser überrascht von der detaillierten Schreibweise Helmut Kraussers, die öfters in Perversion und Brutalität verfällt. Doch wer nun den Eindruck bekommt, dass Krausser ein zweitklassiger Autor sei, täuscht sich. Er besitzt ebenso gut die Klasse seine Wörter gemäß dem höchstem Niveau zu selektieren. Er baut geschickt verschiedene romantische Texte in die Handlung seines Protagonisten ein uns macht diese Person damit noch interessanter.
Desweiteren hält Helmut Krausser excellent den Spannungsbogen und lässt den Leser in Form fesselnder Wortwahl mit dem Geschehen mitfiebern.Wie im Stile vieler seiner Bücher thematisiert Helmut Krausser in „Thanatos" auch auch wieder eines seiner Generalthemen. Die Ich- Dissoziation des Protagonisten des Roman. Diese ist zwar sehr gut nachzuvollziehen, dennoch ist der Roman sehr komplex und stellenweise alles andere als leicht zu lesen. Helmut Krausser lässt viele Aspekte ungeklärt und regt somit die Interpretationslust des Lesers.
Die Bedeutungen verschiedener Personen, des Rutaretils und der drei Zonen, die Krausser in seinem Buch als Geburt, Stadt und Totenreich definiert, lassen sich erst nach zweitem Lesen und ausführlichster Interpretation aufklären. Deshalb ist dieser Roman keine locker zulesende Freizeitlektüre, sondern ein Buch, dem der Leser intensivstes Interesse widmen muss. Dies mag manchen Lesern etwas den Spaß nehmen, dennoch bleibt „Thanatos" ein aussergewöhnliches Buch, das den „deutschen Blätterwald" zum Rauschen bringt. Um abschliessend ein Fazit zu ziehen, lässt sich die brilliante Schreibweise sowie die gelungene Umsetzung der Thematik hervorheben, die das Lesen des Roman zu einem Genuss für Literaturinteressierte werden lässt.
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am 10. August 1999
Die Hauptfigur in Helmut Kraussers Roman "Thanatos" (soviel wie Totengott) Konrad Johanser ist nicht zu beneiden. Er hat Ehefrau, Geliebte und Job (Archivar im Institut für dt. Romantik) verloren und flüchtet in heimische Gefilde. Hier bei Onkel und Tante genießt er seinen wachsenden Alkoholismus und versucht das Vertrauen seines Cousins zu erlangen. Langsam driftet seine arrogante, snobistische Weltsicht ab und Konrad beginnt den Wahnsinn auszukosten. Als nach mißlungenen Geliebtenspielchen auch noch der Grund seiner Flucht und damit seine Existenz von seinem Cousin Benedikt zu verraten werden drohen, greift Johanser zum äußersten. Helmut Krausser (Fette Welt,Der große Bagarozy) mag Sprachspielchen und weniger Geschichten. Dabei ist ihm der elitäre und seltsam selbstverliebte Johanser ganz gut gelungen und auch der langsame Fall in den Wahnsinn ist wunderbar beschrieben. Was die Geschichte allerdings nicht herüberbringt, lineare Strukturen und Tempo, das hat der Einblick in Johansers Gehirnwindungen umso mehr. Krausser verfügt über eine ausufernede Vorstellungskraft und elegante Schreibweise, so daß dieser durchgeknallte Typ Johanser nicht nur vor dem geistigen Auge erscheint. Wenn Johanser dann auf seinen Moorgängen auch noch beginnt, zu phantasieren und die Geschichte vollends beginnt abzudrehen, dann hat Krausser seine stärksten Momente in Thanatos. Gerade diese Augenblicke und die widerwärtigen Boshaftigkeiten Johansers machen den morbiden Charme dieses Romans aus und ihn damit absolut lesenswert.cg (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 30. Juni 2003
Bei so einem Titel muss man von einem der momentan markantesten deutschen Schriftsteller viel erwarten, zumal Tod, Eros und Identität schon immer seine Hauptmotive waren. Insofern leichte Enttäuschung, wenn "Thanatos" zwar ein bemerkenswertes Buch, aber nicht sein bestes ist. Beeindruckend ist nach wie vor die Sprachgewalt Kraussers, ebenso das bruchlose Verschwimmen von Realität und Fantasie, Innen- und Außenwelt. Wie wenige vermag Krausser es, den Leser besoffen zu schreiben.
Zum anderen bleiben zu viele angelegte Fährten unverfolgt: Der Fälschungskrimi ist für die Handlung nicht wirklich wichtig - auch der Mord ergibt sich nicht zwangsläufig aus dessen Zuspitzung. Die anfangs eingestreuten, durch Rutaretil erzeugten romantischen "Anfälle" versickern ziemlich früh, und die Bedeutung von Somnambelle für die Handlung blieb mir ebenso schleierhaft wie ihre Persönlichkeit. Fesselnd wiederum sind die letzen Kapitel, in denen sich die Realität langsam auflöst, wie durch Milchglas erscheint, während sich Johansers "Metamorphose" vollzieht.
Krausser hat ein Potential ohnegleichen und einen unverwechselbaren Stil, aber die Höhe von "Fette Welt" oder "Melodien" erreicht er mit "Thanatos" nicht. Andererseits ist es auch sicherlich nicht auf hohem Niveau missraten wie "Der große Bagarozy".
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