Die Zunft der Manager hat sich laut Umfragen ein Image erworben, das sich dem von Politikern und Investmentbankern angenähert hat. Raffgier, Leben in Luxus, Abgehobenheit und Ignoranz gegenüber der Befindlichkeit der Bevölkerung wird ihnen nachgesagt. Aber da gibt es einen Vorstandsvorsitzenden, der keine Scheu vor dem Kontakt mit dem gemeinen Volk hat, der einfaches Leben, Unbequemlichkeit und Mühe auf sich nimmt, um drei Monate lang ein Doppelleben zu führen. Tagsüber "Businessman", Anzug und lackglänzende Schuhe, im eigenen gepflegten Büro oder im schicken Dienstsitz potenzieller Auftraggeber, abends dann Campingplatz, Jogginganzug, Kampf mit Wasser, Schlamm und Maulwurf im Campervorzelt, Sicht- Hör- und Geruchskontakt mit internationalem fahrendem Volk. Er macht dies nicht "under cover", sondern gibt in beiden Welten zu, dass er morgens und abends sein Outfit, seine Behausung und Sorte seiner Mitmenschen auswechselt. Jörg Eschenbach erzählt seine Erlebnisse, die durchstandenen Stressmomente und die komischen Seiten seines Wechselspiels in flottem Stil, auch mit vielen originalen Emails an seine damaligen staunenden und skeptischen "Miterleber", locker und humorvoll, auch wenn er dabei das Opfer der unerwarteten Umstände war. Dass er mit dem bayerische Sommer 2010 eine extreme Regenzeit erwischt hat, war sicher im Augenblick des Geschehens wenig lustig, im Nachhinein war die Regenflut ein Quell vieler amüsanter Passagen. Campen bedeutet ja auch, nahe am Boden zu leben und Jörg Eschenbach nimmt diese Gelegenheit des Bodenkontaktes auch im übertragenen Sinne wahr und stellt sich dabei Fragen über die Lebensführung und ihre Folgen, die das Geschäftsleben seinen Mitspielern aufzwängt. Nach drei Monaten kehrt er in seine gewohnte Welt auch wieder nächtens zurück, gibt zu, dass er den Waschraum des Campingplatzes und die Warmwassertokens nicht vermisst, aber dass sich seine Sicht auf manche Dinge geändert hat und er von einer Fortsetzung des einfachen, ja einfachsten Lebens auf einer Hochgebirgsalm träumt.
Das ist unterhaltsam und macht Spass zu lesen, machmal auch nachdenklich. Es ist sehr wohltuend, zu erkennen, dass unter denen, die unser Wirtschaftsleben beeinflussen und steuern, es auch solche gibt, die erfahren und wissen wollen, wie es sich nahe am Boden anfühlt.