Ich hatte das Buch geschenkt bekommen, und sofort ungelesen in den Schrank gestellt. Ich mag keine A3 Kochbücher. Dann habe ich vor einer Thailand Reise zufällig hineingeschaut und das Buch auf einen Schlag durchgelesen. Die Autoren kennt das Land, sie verstehen die Leute und sie können auch noch kochen ( Martina Meuth). Das ist selten. Also habe ich das Buch nach Thailand mitgeschleppt und wir haben ein paar Rezept mit dort erhältlichen frischen Lebensmitteln ausprobiert. Die Angaben stimmen.
Das Buch geht aber weit darüber hinaus. Die Beschreibungen berücksichtigen die wichtigen Unterschiede der Regionen. Wir essen ja in Österreich auch kein Eisbein und rote Grütze. Warum sollen denn alle Thailänder das gleiche Essen lieben. Für einen Thailänder aus Suphanburi ist eine Currypasta aus dem Süden ungenießbar. Den Reis aus Khon Kaen isst man in Hua Hin nur aus Höflichkeit, wenn Farangs dabei sind. Viele Thaikochbücher gehen darüber hinweg, weil sie aus den Hotelküchen geschrieben wurden. Dieses Buch schaut den Menschen auf die Finger und in die Augen. Mit Akribie wírd das Wesentliche im Text und schönen Bildern festgehalten.
Besonders empfehlen möchte ich die auf Seite 56 beschriebene Messerschmiede in der Nähe von Ayutthaya. Die Messer sind von bester Qualität, handgeschmiedet, mit Griffen aus Wasserbüffelhorn und kosten ganz wenig. Das Geld fließt in ein lokales Förderungsprogramm für Waisenkinder.
Das Beste ist aber die detailierte Beschreibung, wie man Reisnudeln selbst machen kann ( S. 137). Die meisten Thailänder kaufen heute die Reisnudeln getrockent in Sackerl und wissen zum Großteil nicht mehr, wie man das händisch macht. Früher war das eine Zeremonie für große Feste, wo alle mitgemacht hatten. Wir haben von der Dorfältesten in einem kleinen Dorf nahe Samchuk die Utensilien bekommen und sie zeigte uns auch die uralte Methode der Reisfermentierung, das richtige Kochen, das Nudelpressen und die Lagerung auf Tamarindenblättern. Nachdem ich einmal so weit war, habe ich natürlich auch noch die Zubereitung frischer Kokosmilch und Kokosmilchsahne gelernt. Ein wirklicher Genuss. Wir kennen ja nur die Dosen, das Kochfett und die Kokosflocken. Eine frische Kokosmilch und die dazugehörenden Speisen ( z.B. frische Bananenblüten) sind frisch zubereitet ein einmaliges Erlebnis.
Fazit:
Das Buch ist der beste Kochreiseführer für Thailand-Fans und Kochfreaks.
Der Zugang erinnert an Sarah Wiener in Sardinien oder Marakesch. Vielleicht noch etwas unverfälschter, genauer und liebevoller. Für Touristen und Gelegenheitsköche ist das Buch nicht geeignet. Es wäre schade, wenn die Massentouristen auch diese authentischen Plätze kaputt machen.