Auch wenn Lil' Wayne schon immer die Hip-Hop-Szene spaltete, so schrieb der Vorgänger zu diesem Album "Tha Carter III" mit Platin gleich in der ersten Woche Rap-Geschichte. Nach drei mehr oder weniger halbgaren Alben ("Rebirth", "We Are Young Money" & "I Am Not A Human Being"), kommt also endlich das Album, an dem Mr. Carter bereits seit 3 Jahren sitzt und dass die gigantischen Erwartungen halten soll, die ihm sein durchaus gelungener Vorgänger auftat.
Die Singles waren was das anging doch auch sehr vielversprechend. "6'7'", "John", "She Will" - allesamt Bretter. Dass alle diese aber keine große thematische Vielfalt auffahren ließen, machte "How To Love" in gewisser Weise wieder wett. Zwar ist die Geschichte in diesem Song auch nicht gerade unberührt, doch sie wird von Wayne einfach cool und vor allem - Gott sei Dank - ohne Auto-Tune vorgetragen. Gepaart mit dem äußerst gelungenen, für Wayne schon recht ungewohnten Instrumental, wird er aber - zumindest für viele - zu einem absoluten Hit.
Überhaupt ist die Produktion die große Stärke dieses Albums. Die Beats sind allesamt stark. Bis auf "Nightmares Of The Bottom", was leider total lahm ist, wobei der Song echt gut werden könnte. Für "How To Hate" gilt das nicht. Dieses Stück ist einfach nicht gut. T-Pain nervt tierisch und auch der Beat will mal so gar nicht zünden.
Ansonsten ist aber alles sehr gut hörbar. Doch fällt recht schnell etwas auf - Wayne fehlt auf "Interlude" und "Outro". Beide dieser Songs benutzen dasselbe Instrumental wie das Intro. Nur halt andere Rapper, die drauf rappen. Und die machen leider bis auf Shyne, dessen Part total in die Hose geht - schrecklich, kann man sich gar nicht anhören - alle eine bessere Figur als der Hausherr auf "Intro". Besonders Tech N9ne besticht hier und macht "Interlude" zusammen mit einem überragenden Andre 3000 meiner Meinung nach zum besten Song des Albums. Ohne Wayne - ernsthaft?!
Dieser Ironie liegt aber im Wesentlichen zugrunde, dass Lil' Wayne zwar viel besser könnte (was ja auch durchaus schon der Fall war), das aber einfach nicht tut. Viele der anderen Songs sind nämlich nicht nur thematisch schwach, sondern überzeugen auch textlich nicht. "You faker than some titties, you get tittie f-cked" - Au weia! Aber das zieht sich fast durch's ganze Album! Und dann wäre da noch dieser immer gleiche, monotone Flow, den wir mittlerweile auch schon Millionen Male gehört haben. Spannender wird der dadurch auch nicht. Wenn man da noch mal in den Vorgänger reinhört, merkt man, dass Wayne aber durchaus richtig hungrig und motiviert klingen kann. Hier ist das so richtig nur auf "6'7'" und "Abortion" der Fall.
Und da kommt dann die große Problematik des Albums erst richtig auf: Wayne könnte ein richtig gutes Album machen. Hätte, könnte, müsste. Aber der Erfolg kommt ja mittlerweile von alleine. Die Verkaufszahlen stimmen ja sowieso. Wieder einmal bricht das Album Verkaufsrekorde - was war auch anderes zu erwarten? Doch da Weezy sich mittlerweile nicht mal mehr wirklich anstrengen muss, lässt er scheinbar auch mal viel außer Acht. Zum Beispiel, dass sein Style auf "Tha Carter III" noch neu und cool war. Mittlerweile wäre es vielleicht mal Zeit für etwas Neues. Wie wäre es mal mit ein paar interessanten Themen, "deepen" Songs? Wer sowas von dem Herren hören will, sollte lediglich auf "Dear Anne (Stan Part 2)" zurückgreifen. Ein grandioser Song, der es ironischerweise nicht auf's Album geschafft hat, da die Strophen recht alt waren, und Wayne sie nicht mehr "gefühlt" hat. Aber auch der Bonustrack "Mirror" taugt in der Hinsicht schon was.
So bleibt ein Album, was einfach so viel besser hätte sein können. Aber immerhin bleibt es dann doch noch ganz solide. Denn wie gesagt - richtig schrecklich ist nur ein Song. Den Rest kann man eigentlich schon hören. Aber gemessen an dem Hype um diesen Herren ist es schon ein Witz, was einem an Tiefe, Vielseitigkeit und Kreativität geboten wird. Dabei feiere ich ihn ja eigentlich. Aber so langsam wird es Zeit, an seinem Style zu feilen.
Nun noch meine Favouriten:
1. Interlude - Ohne Wayne. Das spricht irgendwie schon Bände
2. 6'7' - Starker Beat, starker Flow, starker Cory Gunz, gute Lines von Wayne.
3. How To Love - Der meiner Meinung nach beste ruhige Song, den Wayne bislang je gemacht hat.
Anmerkung: Bitte kauft euch das Album nicht blind, nur weil ihr Wayne mögt. Hört es euch an, reflektiert, hört es nochmal und so. Es gibt bessere Leute als ihn. Mittlerweile wird das leider immer deutlicher...