Bücher des Haupt Verlages richten sich nie an den Hobbykünstler oder das bastelnde Kind, sondern sprechen eher Kunsthandwerker, Studierende und andere Experimentierfreudige an, die sich mit dem Lesen und dem Betrachten dieser aufwendig gestalteten Fachbücher Einblick in benachbarte Fertigungsbereiche oder neue Inspirationsquellen erhoffen. Bei der Durchsicht dieses Buches muß ich mit Entäuschung feststellen, daß ich die Beschreibungen und Tips weder in der Freizeit noch im Unterricht mit Jugendlichen oder LehrerInnen nutzen kann. Gemäß dem Vorwort möchte Kate Wells in ihrem fast 200 Seiten starken Werk Design-StudentInnen und andere, die sich für Färbe- und Drucktechniken interessieren, zu vertiefenden Experimenten animieren, die über den Hobbybereich hinausgehen. An die britische Tradition anknüpfend, nach der kreative Frauen wie Laura Ashley, Zandra Rhodes und Tricia Guild ihre Talente im Umgang mit Stoff und Farbe erfolgreich unterneh-merisch vermarktet haben, wird der Leser zur beruflichen Nutzung ermuntert. Sie läßt den Leser an ihrem immensen Wissensschatz über klassische und moderne Druck- und Färbeverfahren teilhaben. Jede Technik findet Erwähnung, ihre Varianten werden nur unvollständig aufgeführt, nach einem nicht erkennbarem System werden ausgewählte Spielarten detaillierter beschrieben, während andere keine Beachtung finden. Schwerpunkt ist der Einsatz von Industriefarben , Spezialgeräten und einer Vielzahl von Zusatzstoffen, deren Umweltverträglichkeit unerwähnt bleiben. Es werden zeitgemäße Verfahren zur Erzielung veränderter Oberflächenstrukturen dargestellt, deren Ergebnisse faszinierend sind. Für Textildesign-StudentInnen mögen die detaillierten Rezepte eine Hilfe sein, weil im Hochschullabor alle Zutaten zur Verfügung stehen. Für mich als experimentierfreudige Textilinteressierte ist dieses Buch bis auf die Beschreibung der ausgemalten Monotypien und der einfachen Tranferdrucke mit Wachsmalern wenig ergiebig: die Bezeichnungen der Farbstoffe und Hilfsmittel sind in der Übersetzung oft nicht eindeutig, der Bezug der Spezialmaterialien erscheint in Deutschland kompliziert, der fachgerechte Umgang ist trotz Buch problematisch. Schulrelevante Techniken wie Seidenmalerei, Schablonendruck, Marmoriern und Batik werden nur unvollständig und am Rande erwähnt.