Das was Helge Schneider hier vorgelegt hat (Texas, 00-Schneider, Praxis Dr. Hasenbein) kann man nicht in irgendeinen Film Genre packen. Sie sind nirgendswo einzuordnen. Da sie alle Regeln des Kinofilmes sprengen. H. Schneider schafft es, unsere Alltagswelt völlig umzukrempeln. Die Dinge verlieren ihren Zusammenhang und Bezug den sie in unserer Welt inne haben. In den Filmen ist kaum etwas an seinen bekannten Platz. Die Dinge sind leicht verrutscht. Die Objekte und Handlungen scheinen uns zwar bekannt vorzukommen, aber wir finden sie in einem scheinbar wirren Zusammenhang neu zusammengestellt wieder. Als ob der Drehbuchautor besoffen und wankend seine Eindrücke von der Welt nieder geschrieben hätte. Doch H. Schneider wird man niemals besoffen erleben, er ist passionierter Wasser und Teetrinker. Was ist also hier wirklich passiert?
H. Schneider hat die Gesetze des Jazz in Form eines Drehbuches, wenn überhaupt eines existierte, gepackt. Nichts läuft wie gewohnt, alles lebt, entwickelt einen eigenen Charakter.
In diese Welt setzt H. Schneider Figuren ein, die weitab von der globalisierten technisierten Welt ein Einsiedlerdasein mit ganz eigenen Vorstellungen von der Welt und der Realität führen. Sie ist einfach, unkompliziert und dadurch für den Akteur überschaubar und sicher. Diese freiwillige Beschränkung auf ein Minimum an Horizont wirkt in der surrealen Welt der genannten Filme grotesk und unglaublich komisch.
Die Figuren sind schon mit dem Geschehnissen des Alltags völlig überfordert, lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und fahren mit Ihrem eingebranntem Verhaltensprogram einfach fort, egal was passiert. Als ob sie insgeheim wüssten, dass alles schon gut wird, bzw. schon gut ist.
Dies macht die Figuren, vor allem Kirschgen stößt hier sehr authentisch hervor, sehr liebenswerd.
Wenn man die Figuren wieder zurück in ihre Welt versetzt und dort sich anschaut, merkt man, dass man eins selbst nicht mehr kann nämlich der Welt mit kindlichen Augen zu zu schauen.
Wenn man nicht mehr über die Filme von H. Schneider lachen kann, dann hat man einen Teil von dem Kind in sich getötet und findet nur noch das lustig was der im kommerziellen Sinne richtig ausgebildete Komik Konsument lustig finden soll.
Demnach hätten die Filme doch eine Message: urteile nicht einfach über die Menschen, die entschieden haben einfach zu sein, sie seien dumm und unter der Würde von einem selbst. H. Schneider liebt seine Umgebung seine Mitmenschen so wie sie sind. Diese Menschen leben in H. Schneider wieder auf, jeder einzelne den er beobachtetet hat und deren Eigenheiten er schätzt spiegeln sich in ihm wieder. Er interpretiert diese verschiedenen Figuren in sich virtuos auf der Bühne wie niemand sonst es vermag. Er ist das seltsamste und künstlerisch virtuoseste Sprachrohr der stimmenlosen, einfachen und unpolitischen urbanen Welt in Deutschland.
Anders als viele Standup Komiker, die sich auf Kosten der Namenlosen und Minderheiten lustig machen ehrt H. Schneider sie dagegen in höchster Form jazzig auf der Bühne.
Das Lebensprinzip von H. Schneider, einfach das zu machen wozu man Lust hat, zieht sich damit wie ein roter Faden durch sein Leben. Er ist ehrlich zu sich zu der Musik, zum Film und zu seiner Welt.
Man könnte sich das ganze Gerede auch sparen und einfach das ganze in ein Wort packen:
Jazz
Wir können viel von ihm lernen