Wie ein Texas-Tornado fegte Stevie Ray Vaughan damals mit seinem Debut Album über die Bluesrock Szene hinweg und ließ alteingesessene Stars der Szene wie bspw. Johnny Winter ziemlich alt aussehen.
Das lag nun aber gar nicht an einer modernen Produktion, oder daran, daß er den Blues innovativ gedeutet hätte - im Gegenteil - stlistisch ist das eh alles sehr klassisch und die Produktion nimmt sich heute, 27 Jahre später, sehr zeitlos aus. Es war sein Stil und der Sound seiner Gitarre. Selten gibt es Gitarristen die so einen intensiven Ton - gepaart mit soviel (songdienlicher) Virtuosität - hatten, daß man schon nach wenigen Tönen erkennt, wer das Stromruder bedient. Hinzu kam dann noch Vaughan's - zwar nicht großartiger, aber 100%ig passender und cooler Gesang und mit Double Trouble eine Rhythmusgruppe, die den Blues völlig verinnerlicht hatte.
Völlig wurscht, ob er nun Riffs runterschrammte, oder großartige melodische Solis vom Stappel ließ - SRV's Spiel hatte eine Präsenz, Intensität und Eigenständigkeit, die sich nur die Allergrößten aneignen könne, und selbst wenn er auf reinen Instrumentals, wie hier bspw. ,Testify' oder ,Rude Mood', bewußt und vielleicht ein wenig eitel zeigte, was er alles konnte, so war das so abwechslungs- und einfallsreich, daß es nicht nervt, sondern im Gegenteil, man gespannt zuhört.
Viele songs dieses Debuts sollten zu Klassikern in Vaughans Repertoire werden - ,Pride And Joy', ,Mary Had A Little Lamb', das er später in der Live Version noch dringlicher spielte, das düstere und gefährliche ,Dirty Pool' und selbstverständlich ,Lenny'. Und beeindruckend ist das im nachhinein schon - Vaughan hat in den knapp 7 Jahren die seine Karriere dauerte für den Blues wohl mehr geleistet, als Eric Clapton in mittlerweile 45 Jahren. Schade um diesen Ausnahmekönner, dessen Scheiben heute noch genauso viel Spaß machen wie in den 80ern.