Das Schlechte vorweg: Als "King'sche Krankheit" bezeichne ich als alter Stephen King-Fan, der alle seine Bücher gelesen hat, Kings Probleme mit dem Schluß. Sogar geniale Bücher wie "Das letzte Gefecht", an denen es wirklich sehr wenig auszusetzen gäbe, enden merkwürdig. Der junge Mr. King hat scheinbar nicht nur Daddy's Schreibtalent sondern auch die Kingsche Krankheit geerbt. Leider. Da ich selbst gelegentlich schreibe, weiß ich, daß nichts schwerer zustandezubringen ist als eine gute Antwort auf alle Fragen, die man aufwirft, aber es ist und bleibt die "King'sche Krankheit".
zum Buch selbst gibt es eigentlich bis auf den abstrusen, schwer verständlichen und für mich nicht mal als alter Horror-Fan logisch nachvollziehbaren Schluß nichts Schlechtes zu sagen. Es war spannend geschrieben, und ich habe am Sonntagnachmittag um 15:00 Uhr angefangen und gegen 0:00 Uhr mit Lesen aufgehört, da ich eben genau diesen SCHLUSS herbeigefiebert habe. Wie immer nach einer King-Lektüre ging ich zu Bett und wusste nicht mehr als vorher, war aber zuvor wirklich blendend unterhalten worden.
Der junge King hat zweifelsohne das Talent seines Vaters geerbt. Fäkalsprache stört mich nicht, wenn sie dazu benutzt wird, einen Charakter zu zeichnen, im Fall von Lee ist das auch prächtig gelungen. Mit morbider Faszination tauchte ich ein in die Gedankenwelt eines wirklich "Bösen" und schüttelte mich innerlich vor so viel Soziopathie und Grausamkeit. Respekt, Herr King, Respekt. Das hat bis heute nur Koontz mit "Intensity" bei mir zustandegebracht.
Die Geschichte selbst ist schön geschrieben, interessant, spannend und stilistisch auf gutem Niveau. Wenn nur der blöde Schluss nicht wäre.
Eine klare Kaufempfehlung von mir gibt es auf jeden Fall, denn ich hatte die letzten Jahre schon sehr viel schlechtere Bücher in den Fingern.