"Hier braucht man Kenntnis. Wer Verstand hat, berechne des Zahlenwert des Tieres. Denn es ist die Zahl eines Menschennamens; seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig."
(Apk 13,8)
Am 27. September 1540 wird von Paul III. die sechs Jahre zuvor von Ignatius von Loyola und sechs Kommilitonen in Paris gegründete Compañía de Jesús als geistlicher Orden anerkannt. 4 Jahre später wurde die Kongregationskirche des nunmehr als Societas Jesu bezeichneten Jesuitenordens, Il Gesú, an der gleichnamigen Piazza in Rom geweiht. Bis zum heutigen Tage ist die größte katholische Ordensgemeinschaft getreu ihrem Motto "Omnia Ad Maiorem Dei Gloriam" weltweit tätig.....
....und wurde in Jörg Kastners neuem Roman "Teufelszahl" mit einer geheimen Aufgabe betraut. Nach seinem (historischen) napoleonischen Ägyptenabenteuer "Das Wahre Kreuz" (2007) ist der Autor damit zum Schauplatz seiner Engelstrilogie (Engelspapst, -fluch, -fürst; 2000-2006) nach Rom zurückgekehrt. Dennoch gibt es kein Wiedersehen mit den aus dem Dreiteiler bekannten Akteuren. Protagonist ist diesmal Paul Kadrell, der in einem römischen Waisenhaus aufwuchs und später als Jurist und jesuitischer Laienbruder selbst die Leitung eines Kinderheims übernahm. Nachdem sein jesuitischer Ziehvater Opfer eines Ritualmordes geworden ist, wird Kadrell auf Weisung seiner Ordensoberen zur Unterstützung der erbrechensaufklärung den römischen Kriminalbeamten Claudia Bianchi und ihrem Kollegen Aldo Rossi zur Seite gestellt. Der Verlauf der Ermittlungen bringt nicht nur ein gefährliches Geheimnis an das Tageslicht, sondern auch Gewissheit über die Herkunft des Protagonisten.....
Kastner präsentiert zwar erneut eine Melange aus verschiedenen Genren, diesmal nehmen jedoch die Krimi-Elemente den größten Raum ein. Erst in der zweiten Hälfte des Romans erhöht sich die Spannung durch mystische/parapsychologische Szenen. Obgleich der Leser etwas einen kleinen Einblick in die Geschichte des Jesuitenordens und die Gematrie (S. 389) erhält, ist die historische Zugabe des (an sieben Tagen spielenden) Romans recht knapp ausgefallen. Die obligatorische Liebesgeschichte muss diesmal als rudimentär bezeichnet werden. Dafür wird auf humorvolle Art der Unterschied zwischen vier Ordensbrüdern verschiedener Orden bei Stromausfall geschildert: Während der Benediktiner mit dem Stundengebet beginnt, der Dominikaner einen Vortag über Dualismus hält, der Franziskaner die Dunkelheit als Geschenk preist, wechselt der Jesuit einfach die durchgebrannte Sicherung aus. Ein origineller Einfall ist, dass der Autor im Roman die Lektorin Antonia Merino einen "Roman um einen niederländischen Maler im 17. Jahrhundert" (=Kastners Roman "Die Farbe Blau"?) redigieren lässt. Weniger gelungen hingegen ist der Name des fiktiven Kriminalbeamten "Aldo Rossi", lässt er doch (gewollt oder ungewollt) an den von den Brigate Rosse 1978 entführten, ermordeten und wenige Meter von Il Gesú (!) aufgefundenen Politiker Aldo Moro erinnern.
Bereits vor dem Prolog wird der Leser durch eine Karte Roms mit den im Roman genannten Örtlichkeiten und Bauwerken in die räumliche Dimension der Handlung eingewiesen. 66 unterschiedlich lange, mit einer Ortsangabe versehene, Kapitel bieten häufig rasche Szenenwechseln und "Cliffhänger", so dass man auch noch das nächste Kapitel lesen muss. Obwohl "Teufelszahl", wie Illuminati auch zum Besuch der ewigen Stadt einlädt, hat es insgesamt gesehen weniger Substanz als Dan Browns Bestseller. Auch neben jedem einzelnen Band der Engelstrilogie wirkt "Teufelszahl" wie ein Quickie, der schnell geschrieben, schnell zu lesen, aber ebenso auch vergessen wird. Summa Sumarum: 3 1/2 Amazonsterne.