"Wenn Sie wüßten, was alles in unserem Geheimatchiv verborgen ist, hätten Sie Verständnis dafür."
(Jean Christophe Gavalda, Ordensgeneral des Societas Jesu; Seite 129)
.....Jörg Kastner lässt die Handlung von "Teufelssohn" zeitlich zwei Monate nach dem Ende des ersten Bandes "
Teufelszahl" beginnen.In der Fortsetzung treten neben den Protagonisten Claudia Bianchi, Aldo Rosso und Paul Kadrell weitere, bereits bekannte Charaktere auf. Durch unzählige Rückblenden wird deutlich, wie sehr die Romanhandlung auf die erste Geschichte basiert.
Wie bereits in "Teufelszahl", gibt es zu Beginn einen Übersichtsplan Roms, in den die Handlungsorte eingezeichnet sind. Kastner hat diesmal auf eine Prolog verzichtet, die Handlung jedoch statt in sechs, in acht Tage und statt 66 in 50 Kapitel plus einem Epilog gegliedert. Die vormaligen "Söhne des Alten" tauchen nun als Söhne eines alten römischen Gottes auf, dem mit Janus gar ein doppeltes Gesicht verliehen wurde. Darüber hinaus macht der Leser auch Bekanntschaft mit dessen Sohn Fontus, Die Wandmalereien in den Höhlen von "Pellicano" lassen an Kastners - um Klassen besseren Roman - "
Der Engelsfluch: Thriller" aus der Engels-Trilogie erinnern.
Nahmen bereits bei "Teufelzahl" (das man zuvor gelesen haben sollte!) die Krimi-Elemente den größten Raum ein, kommt das Sequel nahezu fast als lupenreiner Kriminalroman daher. Auch gegenüber den anderen, echten Mystikthrillern Kastners, wie "
Der Sonnenkreis"oder "
Die Farbe Blau" mutet "Teufelssohn" wie ein Schnellschuß an, der (auf Wunsch des Verlages?) mit heißer Nadel gestrickt wurde. Handwerklich ist er zwar gelungen, denn erneut verführen rasche Szenenwechseln und "Cliffhänger" den Leser immer wieder, auch noch das nächste Kapitel lesen zu müssen. Ein Genremix ist es diesmal jedoch nicht, denn historische Elemente sucht man vergeblich und die gewohnte mystische Stimmung reduziert sich auf einige "nüchterne" parapsychologische Erscheinungen. Auch fehlen Kastners gewohnte originelle Einfälle. War bereits "Teufelszahl" ein "Quickie", der schnell geschrieben, schnell zu lesen, aber ebenso auch vergessen wird, trifft dies auf seine Fortsetzung erst recht zu. Gleichwohl dem Knaur Taschenbuch Verlag bei beiden Bänden sowohl diabolisch-reißerische Covers (mit einem dämonischen Kathedralen-Wasserspeier in orange-roten, bzw. blau-violetten Tönen) als auch Titel gelungen sind, haben diese jedoch rein garnichts nichts mit den tatsächlichen Romaninhalten zu tun. So muss der Leser vergeblich darauf warten, dass tatsächlich Mystisches passiert.
3 Amazonsterne für einen Kriminalroman und die Hoffnung, dass der Autor bald wieder einmal einen richtigen "Kastner" mit allem historischen, mystischen und originellen Drum und Dran, wie z. B. "
Das Wahre Kreuz" publizieren wird. Oder vielleicht einen historischen Roman im Stile seiner Germanen-Pentalogie um "
Thorag oder Die Rückkehr des Germanen.".