Eigentlich schreibe ich nie Rezensionen, aber bei sovielen schlechten Kritiken muss ich einfach dazwischen springen. Ich habe den Film auf der Viennale 07 gesehen und mir hat er richtig gut gefallen (also auf jeden Fall im Original ansehen!!), sowohl der Plot (denn Joshua ist vielleicht boese- aber nicht eindeutig. Er ist kein Demian- oder doch?) als auch das großartige Ende, aber ich lasse lieber Profis sprechen:
"In einer Nobelwohnung in der Upper East Side in New York feiert das Ehepaar Brad und Abby Cairn die Geburt ihrer Tochter Lily. Es ist ihr zweites Kind nach dem neunjährigen Joshua. Joshua ist jedoch kein gewöhnlicher Junge: Er ist überdurchschnittlich intelligent, frühreif und ein hochbegabter Klavierspieler, der Bartók liebt und Sport hasst. Die Geburt seiner Schwester behagt ihm gar nicht, denn Lily beansprucht von nun an die volle Aufmerksamkeit der Eltern. Tagelang schreit sie sich die Seele aus dem Leib, was bei Abby eine postnatale Depression auslöst und Joshua noch sonderbarer werden lässt.
Die Familie gerät langsam aus den Fugen, während George Ratliff zunehmend düstere Stimmungen evoziert: Die luxuriöse Wohnung wird zur feindlich gesinnten Höhle, in der die mysteriösen Streitigkeiten unsichtbarer Nachbarn widerhallen. Gleichzeitig verändert sich auch das Licht und wird zunehmend bedrohlich. In dieser ebenso nüchternen wie eleganten Umgebung blitzt plötzlich das Diabolische auf - ganz ohne die obligaten umgedrehten Kruzifixe oder die Fernseher, die sich nachts von allein einschalten. Stattdessen wird etwas spürbar, das unsichtbar präsent ist - etwa wenn sich Joshua der Wiege nähert, für die er eine krankhafte Faszination entwickelt hat. Joshua weist nicht nur alle Charakteristiken eines Psychothrillers auf, er spürt auch dem Schuldbewusstsein von Eltern nach, die erkennen müssen, dass ein Kind nicht zwangsläufig unschuldig geboren wird. Als Joshua seinem Vater erklärt «Du bist nicht verpflichtet, mich zu lieben», deutet er damit an, dass tatsächlich nicht alle Kinder von Natur aus dazu bestimmt sind, geliebt zu werden."
Markus Keuschnigg schreibt:
"Joshua von George Ratliff erinnert sowohl thematisch wie auch in der Ausführung an Roman Polanskis "Rosemarys Baby". Ebenso wie dessen kanonisierter Schocker in einer turbulenten politischen Gemengelage eine gefühlte Gesellschafts-Paranoia reflektiert hat, wächst auch "Joshua" in seinen Implikationen über die bekannte Oberfläche hinaus.
Erzählt wird die Geschichte einer jungen Mittelklassefamilie, die sich in einer neuen, großen Wohnung einrichtet. Der Vater (großartig: Sam Rockwell) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, die Mutter schwanger und ihr Erstgeborener Joshua unerhört erwachsen: der Bub spielt Klaiver, verstört seine Umwelt mit scharfer Beobachtungsgabe und entpuppt sich bald als Monstrum. Ratliff legt sein inszenatorisches Rezept eigentlich schon in der Anfangssequenz offen: da rennt Paps über eine dicht befahrene Straße zum geparkten Auto, sein Bub bleibt bewusst auf der anderen Seite und entdeckt die Angst im Gesicht seines Vaters.
"Joshua" ist zuvorderst ein Film über die Manipulationsfähigkeit von Menschen: der Junge fernsteuert die Eltern, indem er in ihnen Ängste auslöst. Mit der evangelikalen (wunderbar lächerlich gezeichneten) Großmutter schiebt sich auch ein religiöser Faktor in dieses Mikro-Pulverfass: Ratliff hat 2001 eine großartige Dokumentation über die Mitglieder der "Trinity Church" gedreht, die alljährlich zu Halloween eine gewaltige Feier organisieren, die ganz bewusst und provokant mit Reizthemen wie Abtreibung oder Homosexualität spielt. Titel des Fests wie des Films ist "Hell House". "Joshua" wird zu einem Genrefilm, der eine von Religion, Politik und Medien verängstigte und daher kontrollierbar gewordene Gesellschaft kommentiert."
Ich hoffe, das konnte euch besser weiterhelfen als die anderen Kritiken.
Ps. Im Original heisst der Film nur "Joshua", nicht "Teufelskind". Eine furchtbare Übersetzung!