Das Verborgene Wort" von Ulla Hahn habe ich verschlungen und zu meinem Lieblingsbuch erkoren. Diese Literaturverfilmung von Hermine Huntgeburth ist sicher nicht mein Lieblingsfilm, aber der Film besitzt eine erstaunliche Affinität zum Buch und ihm haftet eine ganz eigene Spannung und Authentizität an. Die DVD enthält Teil 1 und 2 der Literaturverfilmung und ein Interview mit der Regisseurin, sowie eine Diashow von beiden Filmen.
Teil 1 (1951 irgendwo zwischen Düsseldorf und Köln)
Die phantasievolle und sprachinteressierte Hildegard [Nina Siebertz] wächst in einem streng katholischen Haushalt auf. Ihr Vater Josef, ein ungelernter Arbeiter in der nahegelegenen Fabrik, prügelt das Kind bei jeder Kleinigkeit. Ulrich Nöthen verkörpert diesen labilen, zerrissenen und verbitterten Menschen sehr glaubwürdig. Auch die Mutter [Margarita Broich] zeigt ungewöhnliche Härte gegenüber der Tochter, die sie sich, unterstützt von den Unkenrufen ihrer Schwiegermutter [Barbara Nüsse] nur so erklären kann, dass Hildegard ein "Düvelsbrode", ein Teufelsbraten ist. Die kleine Hildegard analysiert und widerlegt schon auf kluge Art Behauptungen der Erwachsenen, was die sich natürlich nicht einfach so gefallen lassen. Nur ihr Opa [Peter Franke] erkennt die besondere Begabung des Mädchens.
Als Hildegard in die Schule kommt, kann sie innerhalb kürzester Zeit lesen. Sie denkt sich Geschichten aus und schreibt diese auf - für die Eltern ein Firlefanz. Keinerlei Verständnis, keine Liebe, keine Zärtlichkeit lernt Hildegard in ihrer Kindheit von den Eltern kennen und als auch noch ihr Opa stirbt flüchtet sie in ihre Welt der Buchstaben, soweit sie das kann.
Der Lehrer setzt sich dafür ein, dass Hildegard auf eine höhere Schule kommt und der Vater gibt nur widerwillig nach, dass sie auf die Mittelschule gehen kann, denn sie ist ja "nur ein Mädchen". Die etwas ältere Hildegard wird gespielt von Charlotte Steinhauer.
Teil 2 (Hildegard ist 16 Jahre alt)
Hildegard nennt sich nun "Hilla" und freundet sich mit der Doris an, einem Mädchen aus bürgerlichem Hause. Beide kommen ins Backfischalter, sind in ihren Lehrer, Herrn Geffken [Lucas Gregorowicz], verliebt und schließen erste Freundschaften mit Jungs. Hillas größter Wunsch ist es nach wie vor, Abitur zu machen, doch die Eltern sind auf ihren Mitverdienst angewiesen und besorgen ihr eine Lehrstelle in einer Fabrik. Dort wird sie drangsaliert von der furchtbaren Ausbilderin Frau Wachtel [hervorragend gemimt von Corinna Harfouch] und müht sich mit Maschineschreiben und Steno ab. Sie ist todunglücklich dabei und beginnt zu trinken. Erst ihr alter Lehrer Geffken merkt, was mit ihr los ist und redet noch einmal mit den Eltern.
Die ältere Hilla wird gespielt von Anna Fischer, die man ein wenig für eine deutsche Audrey Tautou halten könnte. Der Film ist von hoher schauspielerischer Leistung und man riecht förmlich den Mief der 50er Jahre im ersten Teil und im zweiten Teil die beginnenden 60er Jahre mit Aufbruchstimmung. Den Film finde ich hart, aber das Buch ist ebenfalls hart. Eine ernste Auseinandersetzung damit, wie ein begabtes Mädchen aus armen Verhältnissen ihren Weg geht. Zu erwähnen sind noch Harald Schmidt und Annette Frier in kurzen Nebenrollen und dass im ersten Teil hauptsächlich in Kölsch geredet wird.
Unglaublich gut!