DER FILM:
"Tetsuo - The Bullet Man" bietet, verglichen mit seinen beiden Vorgängern, viel mehr konventionell erzählte Handlung und versucht Licht in den Tetsuo-Mythos zu bringen.
Trotzdem bleibt auch dieser Ableger dem Durchschnittsgucker verschlossen, weil Regisseur Tsukamoto mit Stakkatoschnitt, abstrakten Bildideen, Industrial-Sound und einem generell hysterischen Grundton wenig Anknüpfungspunkte an das normale Kino übrig lässt.
Allein schon das Thema aller drei Filme - die Verwandlung eines durchschnittlichen Büroangestellten in ein wütendes Metallmonster - ist nicht dazu geneigt Zuschauermassen zu mobilisieren.
Was mich bei "Bullet Man" wirklich genervt hat sind die schwachen darstellerischen Leistungen in den Dialogszenen, die diesmal englisch gedreht wurden statt japanisch.
Nicht selten fühlt man sich an eine lieblose Seifenoper erinnert.
Eigentlich spielt die gesamte Darstellerriege (bis auf Tsukamoto selber, der ebenfalls wieder eine Rolle hat) hölzern und die Dialoge erscheinen kraftlos und unecht, vielleicht auch weil Regisseur und Schauspieler der Umgang mit der englischen Sprache fehlt.
Den blassen Hauptdarsteller halte ich generell für eine Fehlbesetzung.
Die "Maske" des transformierten Bullet Man finde ich ebenfalls grenzwertig und lange nicht so stark und beeindruckend wie in Teil 1 (The Iron Man) und 2 (Body Hammer).
Auf die Erklärung der Mutation hätte ich gut verzichten können, sie gibt diesem Teil zwar eine ganz neue Richtung, nimmt dem Ganzen aber auch den Reiz des Unerklärlichen.
Insgesamt kommt schon das (un)wohlige Tetsuo-Gefühl auf und der Film bietet neue Ideen und eindrucksvolle Sequenzen, aber restlos übezeugen kann "The Bullet Man" nicht.
3 von 5 Sternen
DIE TECHNISCHE SEITE, DAS MEDIABOOK UND DIE EXTRAS:
Bild- und Tonqualität der Blu-ray und der DVD sind wirklich ausgezeichnet.
"Bullet Man" sowie der "First Cut" von "Tetsuo: The Iron Man" liegen im Originalton (englisch bzw. japanisch) mit optionalen deutschen Untertiteln und in deutscher Synchronisation vor.
Das Mediabook sieht sehr schick aus und enthält im 24-seitigen Booklet neben zahlreichen Fotos einen wirklich interessanten Text des deutschen M. Wambsganss, der beim Dreh anwesend und für das vorliegende Making-Of zuständig war, welches über die gesamte Spielfilmlänge Arbeitsskizzen und hinter-der-Kamera-Szenen zeigt.
Desweiteren liegen drei Interviews mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 45 Minuten vor.
Ein ganz großes Plus ist auf jeden Fall der "First Cut" von "Tetsuo - The Iron Man", der die Szenen, die in der Fassung von Rapid Eye (2005) nur als geschnittene Szenen in den Extras enthalten waren, wieder in den Film einfügt plus vorher nie veröffentlichte Szenen!
Der Unterschied in der Laufzeit von Standardversion zu "First Cut" beträgt ungefähr 7 Minuten.
(Nachtrag: da die Standardfassung der Rapid-Eye-DVD als sogenannter Pull-up veröffentlicht wurde, liegt der tatsächliche Unterschied zwischen den Laufzeiten bei etwas über 10 min., wovon deutlich mehr als die Hälfte komplett neue Szenen sind, die nicht in den alten Extras enthalten sind.
Zur Erklärung: Pull-up heißt vereinfacht, dass zu je 24 Bildern jeweils ein weiteres generiert wurde, um die PAL-Beschleunigung zu vermeiden. Die Rapid-Eye-DVD liegt in PAL vor, hat aber die längere Laufzeit einer NTSC-Version. Der neue "First Cut" hat die übliche PAL-Beschleunigung.)
Darüber hinaus bietet der "First Cut" deutlich mehr Bildinformationen an allen vier Seiten und eine sichtbar bessere Bildqualität.
5 von 5 Sternen
FAZIT:
Als Fan der Tetsuo-Reihe kann man sich diese Edition nicht entgehen lassen, selbst wenn der Hauptfilm nicht begeistert, ist die Veröffentlichung zusammen mit der Beigabe des "First Cut" als separate DVD, ihr Geld auf jeden Fall wert.