Phil Collins ist nach Peter Gabriel der nächste Genesis-Sänger, der wieder mit einem echten Soloalbum ins Rampenlicht zurückkehren will. Ähnlich wie Peter hatte auch er Soundtrackprojekte. Testify ist nun nach 6 Jahren sein erstes echtes Soloalbum.
Eines ist Phil Collins gelungen: Man muss das Album öfter hoeren, um sich an manche Songs zu gewöhnen. Der Titelsong hat sogar etwas Prog-lastiges (Genesis lassen schwer grüssen), dagegen denkt man bei "Driving me crazy", dem schnellsten Song auf der Platte, unweigerlich an den ganzen Dance-Schrott in den Charts. Der Song hat sicher Hitcharakter und einen etwas peinlichen Text. Der überwiegende Teil der Platte besteht aus Balladen und ist anders als "Both Sides" oder "Face Value" mit dem Glück der Liebe versehen und nicht mit dem Leid.
Es verwundert kaum, dass er immer noch gute Songs schreiben kann. Einige Balladen auf dem Album gehören zu seinen besten. So etwa "Come with me", das eher rhythmisch daherkommt und vor allem das intensive "Least you can do", das mit Daryl Stuermer geschrieben wurde. "Don't get me started" ist einer seiner obligatorischen sozialkritischen Songs mit einem guten Songaufbau - dagegen wirkt "Wake up call" eher zerfahren als eingängig. Die groesste Frechheit, die er je auf CD pressen liess, dürfte "You touch my heart" sein, an dem Song ist absolut nichts dran. Aber: Das Album hat durchaus seinen Stil und lebt von der Geschlossenheit. Den Megakracher hat er nicht drauf, auch die erste Single "Can't stop loving you" ist doch qualitativ weit von seinen Klassikern entfernt. Aber es macht ihm hörbar Spass, wieder Musik zu machen und die Platte wächst mit jedem Hoeren.