Nach ihren wortgewaltigen Frühwerken "Ich Maschine" und "L'etat et moi", schockierten Blumfeld ihre ersten Fans mit "Old Nobody" - nach meiner Meinung eine der zehn besten deutschsprachigen Platten aller Zeiten - nachhaltig: und sie gewannen eine Menge Freunde/Innen hinzu. Ein Stück wie "Tausend Tränen tief" gehört allein schon wegen seines Texts in die nächste Ausgabe des Echtermeyer/von Wiese, gleich neben Bachmann, Celan und Hesse.
Und nun das "Testament der Angst" - Blumfeld versuchen den Spagat zwischen "Penis-Monolog" und "Ein Lied von zwei Menschen". Jean-Pierre Melville sagte einmal: "Ich schaffte es, weil ich nicht wußte, dass es unmöglich ist".
Das könnte man hier auch anmerken: es ist eine gewaltige Platte geworden, die zum Besten gehört, was in der deutschen Rockmusik seit langem veröffentlicht wurde. Manche Stücke, wie die Single "Graue Wolken" sind eingängige schöne Popmusik, das wunderbare "Wellen der Liebe" überzeugt mit einem sehr bauchigen Text und einer famosen Melodie, getragen von nostalgisch fetten New Order Basslines. Es stimmt, diese Platte findet in "Der Wind" ihren absoluten Höhepunkt und Stücke, wie "Eintragung ins Nichts" oder das beklemmende "Anders als glücklich" sind Arbeiten, die einem fundamentale Angst machen können - auch hierin haben Blumfeld in der deutschen Musiklandschaft kein Pendant.
Die Kürze, wie hier teilweise moniert ist zwar traurig angesichts einer solch schönen Platte - allerdings gilt das auch für solche Meisterwerke wie "Doolittle" von den Pixies - und ehrlich gesagt ist mir eine geile Platte mit 40 Minuten lieber, als eine 70 Minuten Scheibe, von welcher man 40 Minuten in die Tonne treten kann.