Eigentlich bin ich ja nur Jane Austen bewandert was das Lesen der Bücher angeht. Von Thomas Hardy hab ich bis zum Kauf meiner "Under the Greenwood Tree" DVD noch nie etwas gehört. Als ich dann von dieser neuen Hardy Produktion der BBC erfahren habe war für mich klar das ich diese sofort haben muss...
Die (tragische) Geschichte von Tess Durbeyfield hat mich vom ersten Zeitpunkt an in seinen Bann gezogen was sicher zum einen an Gemma Arterton als Tess und zum anderen an Hans Matheson als Alec D'Urberville liegt...
Zur Geschichte:
Die 16 jährige Tess wird von den Eltern zu den angeblich reichen Verwandten ausgeschickt, nachdem der Vater vom Dorfpfarrer erfahren hat das er ein armer Zweig der reichen aristokratischen Familie, den D'Urbervilles, ist.
Dort angekommen begegnet die naive Tess dem Sohn der alten blinden Hausherrin, Alec D'Urberville. Alec, reich und unter den Fittichen seiner alten Mutter stehend, macht der hübschen Tess sofort Avancen. Um Tess bei sich zu haben gibt er ihr einen Job im Hause seiner Mutter. Nach einem Tanzfest im Dorf gerät Tess in einen Streit mit anderen Dienstmägden und da kommt Alec ihr zur Hilfe. Tess' Leben verändert sich in dieser Nacht grundlegend und sie muss Lernen was Liebe anzurichten vermag...
Zur Verfilmung selbst:
Gemma (James Bond "A Quantum Solace") als Tess ist eine sehr gute Wahl gewesen. Sie spielt die naive Tess und die gereifte Tess sehr überzeugend. Ich mag besonders wie sie ihre Enttäuschungen und ihrem Schmerz Ausdruck verleiht. Ich dachte zuweilen nur "Wieviel Kummer muss das Mädel noch ertragen; Ist es nicht genug?"
Dann zum in Schottland geborenen Schauspieler Hans Matheson (Doktor Schiwago, Les Miserables)! Meine Güte was für ein Kerl! Aber um etwas objektiv zu bleiben... Hans spielt den Bösewicht/ Gentleman einfach super. Man merkt augenblicklich das diese Figur nicht nur Schwarz/ Weiß ist und mehr dahinter steckt. Zwar ist er der Wendepunkt der Tess' Leben zum negativen wendet, allerdings und wenn man bedenkt wie sehr er unter dieser strengen lieblosen Mutter sein Leben lang gelitten haben muss dann kommt einem echt das Mitleid. Es ist zwar keine Entschuldigung für sein Handeln aber irgendwo kann man seinen Charakter besser "verstehen". Man merkt später bei dem erneuten aufeinander treffen von Tess & Alec das er sein Handeln bereut da er damit die kleine winzige Chance verspielt hat Tess' Liebe zu Gewinnen.
Nun zum dritten Hauptprotagonisten im Bunde, Eddie Redmayne! Wenn ihr micht fragt dann ist er als Angel Clare eine Fehlbesetzung. Dieses Urteil ziehe ich nachdem ich mir gestern Oliver Milburn's Darstellung des Angel Clare's in der 1998 Version von ITV angesehen habe. Er ist einfach nur farblos, langweilig und es kommt null rüber von den Gefühlen. Ich dachte es liegt nur an mir, weil mir Hans Matheson so gefällt, aber nein es ist die darstellerische Leistung von Eddie die mich mehr Sympathie zu Alec als zu Angel haben lässt. Ich konnte absolut nicht nachvollziehen warum Tess so verrückt nach Angel ist und ihm alles verzeiht während sie Alec für sein Handeln auf ewig hasst. Es wäre besser gewesen dort einen Schauspieler zu finden der die Beweggründe von Angel besser "transportieren" kann. So aber hatte ich am Ende der Verfilmung nur den Wunsch Angel wäre geblieben wo er war und Tess hätte mit der Zeit gelernt Alec zu lieben und ihr wäre dieses schreckliche Ende erspart geblieben!
Das Ganze ist jetzt aber nur der Eindruck von dieser BBC Verfilmung, denn eigentlich mochte ich Angel in der anderen Verfilmung recht gerne...
Landschaftlich ist dieser Film ein echtes "Feuerwerk". Soviele grüne Wiesen und Wälder hab ich lange nicht mehr gesehen. Bei dieser anfänglichen Idylle vergisst man alle echten Sorgen um sich herum.
Einen Minuspunkt vergebe ich auch für den Erzählerstil. Man hätte doch mal ins Bild unten einblenden könnten wieviel Zeit ins Land gezogen ist nachdem Tess das D'Urverville'sche Anwesen verlassen hat usw. Ich hatte teilweise echte Probleme zu Folgen und fragte mich warum die anderen Milchfrauen nun woanders schuften müssen wo sie kurz vorher noch in dieser "heile-melk-welt" waren. Wenn man wie ich die Geschichte nicht kannte und das Englisch auch nicht standsicher ist, dann ist der zeitliche Ablauf der Verfilmung schwer zu verstehen. Da hat ITV in der anderen Version mit einem "Erzähler" das besser Händchen gehabt. Aber gut was soll's. Ich mag die BBC und sie haben meistens die besseren Verfilmungen von klassischem Buchstoff. Da kann man über eine Fehlbesetzung und schwer verständlicher Zeitfolge hinweg sehen. Deshalb von mir auch noch satte 4 Sterne :-)