Caspian präsentieren mit "Tertia" Output Nr. 3.
Zu den Speerspitzen des Post Rocks gehörten sie bisher nicht, dennoch gelang ihnen mit dem zweiten Album "The Four Trees" ein mehr als gelungenes Stück Musik, das problemlos mit den Großen mithalten kann.
Kritiker werden mit Sicherheit die Austauschbarkeit aufgrund des riesigen Angebots an Post Rock-Bands bemängeln, aber dieses spontane Urteil müssen sich noch zig andere Bands gefallen lassen und lässt sich fast schon als standartisierten Textbaustein vieler Rezensenten bezeichnen, der vielen Hörern sicherlich schon aus den Ohren kommt.
Vor allen Dingen muß man erkennen, daß der Appetizer "Of Foams And Waves", den man sich wie auch das Album legal downloaden durfte, zwar locker auf den Vorgänger gepasst hätte, aber nicht stellvertretend für den Sound "Tertia"s ist.
Gut, es gelingt Caspian nicht, dem Genre neue Impulse zu setzen, aber das war auch nicht die Intention der beiden vorangegangenen Platten. Viel mehr verstehen es die US-Amerikaner auch hier, ein fließendes Album mit großartigen Melodien zu schaffen.
Es wird auch nicht auf der Stelle getreten, denn gewachsen ist der Sound des Quintetts in jedem Fall. Man hört Weiterentwicklung, ohne daß sie sich aber vom bekannten Sound distanziert haben. Die Entwicklung von der "You Are The Conductor"-EP über den eben erwähnten Nachfolger bis hin zu "Tertia" ist hörbar, wenn auch kleinschrittig.
Und so bietet das neueste Werk auch kleinere Nova.
Der Opener "Mie" wartet mit Klavierklängen auf, das abschließende "Sycamore" setzt den furiosen Schlußpunkt mit einer steigernden Trommeleinlage. Auch "The Raven" klingt neu. Hier sorgt hintergründiger, sakral anmutendender synthetischer Sound für ein fast schon episches Ausmaß.
Zudem setzen Caspian auf "Tertia" mehr auf atmosphärische Passagen, was zuweilen ans Debüt erinnert. Auch wenn Tracks wie "La Cerva" über kurz oder lang schon im Wall Of Sound versinken, wirkt alles etwas gereifter.
Die ganz großen Explosionen, mit denen "The Four Trees" aufwartete bleiben größtenteils aus und man verzichtet auf einen Nackenbrecher wie es "Crawlspace" ist. Man gibt sich vordergründig eher zurückhaltend, wenn auch nicht wenig intensiv, indem man dem Hörer bei "Malacoda" phasenweise vermuten lässt, man hätte eine der neueren ISIS im Spieler, was zum Großteil am Intro und den heiseren Backgroundshouts liegt, die im übrigen von Will Benoit von den befreundeten Constants begesteuert werden.
Nach mehrmaligem Hören lässt sich die Wucht der Platte aber erkennen, was mehr der Entwicklung der Tracks denn gezwungener Härte zu vedanken ist. Fast schon subtil entfalten sich die Titel mit zunehmenden Hören und führen nicht nur aufgrund der drei Gitarristen schließlich doch zu Kopfnicken und Mähneschütteln.
All' die, die Caspian aufgrund ihrer eingängigen wunderschönen Melodien lieben, werden vor allem bei dem eben schon erwähnten "Sycamore" und "Concrescence" voll auf ihre Kosten kommen.
Die fünf Jungs um Fronter Philip Jamieson haben es erneut geschafft, ein Album abzuliefern, an dem man eigentlich wenig bis nichts bemängeln kann. Wie bei "The Four Trees" ist Mehrfachhören aber Pflicht, um nicht auch standartisierte, vorschnelle Meinungen kundzutun.
Genrefreunde dürfen hier gerne hineinhören und für die Fans der ersten beiden Platten dürfte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Pflichtkauf handeln... und eines sei noch verraten: auch das Glockenspiel taucht wieder auf.