Als absoluter Pratchett-Fan war ich natürlich total aufgeregt, als ich erfahren habe, dass es eine Verfilmung von Going Postal, zu deutsch Ab die Post, gibt, die vor Kurzem im britischen Fernsehen lief. Freunde haben mir das Ganze zum Glück zukommen lassen, sodass ich nun, wenn auch nicht zur Qualität der DVD, zumindest zu der Verfilmung an sich etwas schreiben kann.
Jeder der das Buch kennt und genauso liebt wie ich, wird vielleicht von der Adaption etwas enttäuscht sein. Ein paar, zumindest für eingefleischte Fans wichtige Details wurden einfach weggelassen oder umgeschrieben. So taucht zum Beispiel der Golem Anghammarad gar nicht auf und auch sonst wurde einiges weggelassen, umgestellt oder vereinfacht. Andererseits, wenn man es schafft die Erinnerung an das Buch beiseite zu schieben und sich auf die Verfilmung einzulassen, dann erlebt man doch 3 ziemlich vergnügliche Stunden. Man muss sich halt nur bewusst machen, dass eine Verfilmung eigentlich nie mit der Original-Vorlage mithalten kann.
Hier nun eine kurze Zusammenfassung der Handlung (Spoiler):
Moist von Lipwig ist ein Betrüger aller erster Güte. Mit einem absolut uneinprägsamen Gesicht gesegnet, gelingt es ihm, eine Schwindelei nach der anderen abzuziehen und dabei ganze Banken in die Pleite zu treiben. Dabei redet er sich noch ein, dass es bei seinen Verbrechen ja schließlich keine Opfer gibt, denn er wendet ja nie Gewalt an. Dumm nur, dass es einen Werwolf in der Wache von Ankh-Morpork gibt, der sich eher für Geruch und nicht so sehr für das Aussehen interessiert. Und ehe es sich Moist versieht, baumelt er schon am langen Arm des Gesetzes, bzw. dessen Galgenstrick. Als ihn nur noch ein Inch vom sicheren Tod trennt erscheint ihm ein Engel... in Form von Lord Vetinari, der ihm buchstäblich ein Angebot macht, dass er einfach nicht ablehnen kann. Und so wird Moist der neue Postmeister der desolaten Post von Ankh-Morpork. Zusammen mit seinem Bewährungshelfer, Mr. Pumpe 19, der dummerweise auch noch ein Golem ist, macht sich Moist an die beinahe übermächtige Aufgabe, das Postamt, das bis zum Rand mit nicht zugestellten Briefen zugestopft ist, wieder auf Vordermann zu bringen. Dass er dabei gleichzeitig der Klacker-Gesellschaft (sowas wie ein Telegrafenamt), die schlechten Service zu hohen Kosten bietet und bislang konkurrenzlos , ordentlich auf die Zehen steigt, erklärt sich von selbst. Bei seiner Aufgabe wird er, mal mehr mal weniger, von einer jungen Dame namens Adora-Belle Dearheart unterstützt, die, obwohl stachelig wie ein gegen den Strich gebürstetes Stachelschwein, doch eine gewisse Faszination in Moist auslöst. Dumm nur, dass er mit seinen Betrügereien ihre Familie in den Ruin getrieben hat und auch noch indirekt für den Tod ihres Bruders verantwortlich ist. Doch zu guter Letzt gelingt es Moist, für seine Sünden zu büßen, das Postamt zu reformieren und die übermächtige Klacker-Gesellschaft in die Knie zu zwingen.
Moist, der im Buch etwa 26 Jahre alt ist, wird von Richard Coyle gespielt, der Mitte 30 ist und auch so aussieht. Richard Coyle spielte zuletzt Prinz Tus in Prince of Persia. Auf den ersten Blick erscheint er nicht als die Idealbesetzung für die Rolle, aber schon nach ein paar Minuten konnte ich über das Alters-Ding hinwegsehen und seine Performance genießen.
Lord Vetinari wird von Charles Dance dargestellt, der es wirklich gut schafft, den arroganten und manipulativen Despoten von Ankh-Morpork zu geben. Dummerweise ist Charles Dance blond und ein blonder Lord Vetinari war ein wenig gewöhnungsbedürftig für mich.
Claire Foy spielt die Adora-Belle Dearheart, und das wirklich richtig gut. Ihre ganze Erscheinung überzeugt, nur dass sie am Schluss aufhört zu rauchen erschien mir wie eine versteckte Botschaft an die jüngeren Zuschauer und hat mit der Original-Vorlage nix zu tun. Claire war mir durch ihre Darstellung als Amy Dorrit aus der Dickens-Verfilmung von Little Dorrit bekannt.
Die Golems sind natürlich animiert und sehen leider alle gleich aus, was ich persönlich sehr schade fand.
Ankh-Morpork, die Klacker-Türme und das Postgebäude waren wunderschön dargestellt und kamen meiner Vorstellung, die ich beim Lesen des Buches hatte, sehr nahe.
Die Verfilmung besteht aus zwei Teilen zu jeweils ca. 100 Minuten und trotz der oben genannten Mängel habe ich die Verfilmung wirklich gerne angeschaut. Sobald die DVD erscheint, werde ich sie mir wohl bestellen und voller Freude ins Regal zu den anderen Adaptionen stellen.