Die Terroristen von New York, Madrid und London lebten seit vielen Jahren im Westen, waren mehrheitlich gut ausgebildet und ließen sich doch durch das Versprechen von Flüssen voller Wein und 72 feschen Jungfrauen dazu verleiten, sich und mehrere tausende Menschen in die Luft zu jagen. Was bewegt junge Männer dazu, wegen ein paar toter Buchstaben, die den Mantel des Göttlichen tragen, ihr Leben zu opfern? Dieser Frage widmet sich John Updike in seinem neuen Roman "Terrorist".
Ahmad ist 18 Jahre alt und lebt mit seiner irischen Mutter in der Nähe von New York. Sein Vater, ein Ägypter, hat sich kurz nach seiner Geburt aus dem Staub gemacht. Seit seinem 11. Lebensjahr lernt Ahmad arabisch bei einem Imam, der ihm auch gleich seine menschenverachtende Interpretation des Korans aufs Auge drückt. Dermaßen indoktriniert, entwickelt Ahmad einen unbändigen Hass auf die gottlose und verdorbene westliche Welt. Freunde, geschweige denn eine Freundin, hat er nicht. Obwohl er ein guter Schüler ist, will er nach seinem Abschluss LKW-Fahrer werden.
Jack Levy, 63, hat sein Leben verpfuscht. Der Jude arbeitet als Beratungslehrer an Ahmads Schule, leidet an Schlaflosigkeit und Depressionen und fristet sein freudloses Dasein mit seiner fettleibigen Frau. Erst eine Affäre mit Ahmads Mutter gibt ihm kurzfristig neuen Lebensmut.
Ahmad arbeitet mittlerweile als Fahrer bei einem Möbellieferanten und wird von seinem Freund und Kollegen mehr und mehr radikalisiert. Schon bald wird ihm die große Ehre zuteil, sein Leben im Kampf gegen den großen Satan opfern zu dürfen, um als Belohnung anschließend im Paradies so richtig die Sau rauszulssen.
Höhepunkt des Romans sind die Charakterzeichnungen der beiden Hauptfiguren. Jack Levy, der atheistische Jude, ist der optimale Kontrast zum fanatischen Moslem Ahmad, der von außen in die Rolle des Märtyrers gedrängt wird und sich der Illusion hingibt, er habe diese Entscheidung aus freien Stücken getroffen. In den fünf Kapiteln, die dem Roman die Form eines klassischen Dramas geben, steuern die Figuren von Beginn an zielstrebig auf die Schlusskatastrophe zu. Oder etwa doch nicht?
Konzentriert sich der Roman voll und ganz auf das Innenleben der Protagonisten, kommt es im letzten Akt zu einem actiongeladenen Showdown, der an Spannung kaum zu überbieten ist.
Fazit: Spannung mit Köpfchen über die Macht der Manipulation. Mehr davon!