Das Buch von Charles Townshend ist in vielen Zügen dazu geeignet, ein Standardwerk über Terrorismus zu sein. Es strotzt vor Detailkenntnis und belästigt den Leser dennoch nicht mit Kleinigkeiten. Eher im Gegenteil lädt es zu einem schnellen Lesen ein. Terrorismus wird in dem Band nicht einleitend definiert, sondern in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen beschrieben und die Erkenntnisse aus diesen Beobachtungen werden zu Formeln zusammengefasst. So ist die Definition des Begriffs über das ganze Buch verteilt.
Terrorismus ist für Townshend ein Phänomen der Moderne. Terroristen orientieren sich am modernen Staat und das in ihn gesetzte Vertrauen, er sorge für die Sicherheit seiner Bürger (S. 13). Dabei sei allerdings festzustellen, dass sich "die Terroristen selbst oft keine genauen Vortstellungen" darüber machen, dass in einem modernen Staat Entscheidungen auf viele Schultern verteilt sind (S. 20). Die Geburt des "Terrorismus der Moderne" datiert Townshend auf 1866: Er "begann praktisch mit einer technischen Errungenschaft, die fast alles möglich zu machen schien - der Erfindung des Dynamits" (S. 37). In der Überzeugung der Moderne aber, "dass sich die Gesellschaft durch menschliches Handeln verändern lasse", sieht Townshend den entscheidenden Unterschied zwischen vormodernen und modernen Formen des Terrors (S. 135).
Terroristische Gewalt verfolgt Townshend zufolge zwei Ziele: erstens, sich "Gehorsam bzw. Willfährigkeit zu sichern" und zweitens, über Gewalt "um Sympathie und ideologische und moralische Unterstützung zu werben" (S. 24). Dass die Gehorsamssicherung für gewöhnlich die meisten Opfer fordert (im Algerienkrieg 1954-1962 z.B. tötete der FLN fast zehn mal mehr Algerier als Franzosen) wird leider nicht weiter thematisiert. Und zur "terroristischen Persönlichkeit" lässt sich laut Townshend nicht mehr sagen, als dass auffällig viele Frauen (in einigen Bewegungen bis zu einem Drittel der Mitglieder) sich für Terrorismus entscheiden (S. 29 f., S. 33).
Ein Anliegen, das Townshend gleich auf den ersten Seiten benennt und das sich durch das gesamt Buch zieht, ist die Furcht, dass die Demokratie sich selbst im Kampf gegen den Terrorismus verlieren könne (S. 20, S. 156 ff.). Townshend wird nicht müde, davor zu warnen, dass die Einschränkung der Bürgerrechte im Namen der Terrorismusbekämpfung einen Sieg des Terrors durch die Hintertür bedeuten könnte. "Die Rechte der als Terroristen Verdächtigten (sind) auch unsere Rechte" ruft er zu Recht in Erinnerung (S. 190). Doch sein pessimistisches Schlusswort, "die meisten Leute" würden ihre "Freiheit der Sicherheit opfern, wenn sie sich nur genügend bedroht" fühlten, hinterlässt unzufriedene Leser: Denn bei aller Berechtigung seiner Befürchtungen beantwortet Townshend eine entscheidende Frage nicht: Wie kann Demokratie wehrhaft sein und Terrorismus bekämpfen? Weil diese Frage unbeantwortet bleibt, ist das Buch nur in Zügen dazu geeignet, ein Standardwerk über Terrorismus zu sein. Weil es aber viele Erkenntnisse über das Phänomen Terrorismus liefert, ist seine Lektüre empfehlenswert.