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Terrordrom
 
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Terrordrom [Taschenbuch]

Tim Staffel
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 219 Seiten
  • Verlag: ECON-Taschenbuchverlag (1. September 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548602452
  • ISBN-13: 978-3548602455
  • Größe und/oder Gewicht: 18,7 x 12,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 990.519 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Jahreswechsel 1999/2000: Berlin versinkt im Frost, nichts geht mehr, die Kanalisation ist vereist, Fäkalien quillen auf die Straßen. Die Stadt wird von Banden durchkämmt. Ein ratlos zorniger Mensch schreibt als V Haßmanifeste. Als er Zeuge eines Amoklaufs wird, läßt er eine seiner Tiraden fallen, die, am Tatort gefunden, als Bekennerbrief gewertet wird. So wird in seinem Namen eine Lawine der Gewalt losgetreten. In der Stadt herrscht Notstand.
Im Brandherd der Handlung steht Tom, der Gastgeber einer Talkshow. Er versucht der Situation Erfolg abzugewinnen, indem er sie in Panik ummünzt und so geschickt seine Einschaltquoten hochtreibt. Doch auch er dreht sich längst im Strudel der terroristischen Ereignisse an deren Ende als blutige und letzte Lösung das Terrordrom steht - ein Sperrbezirk mitten in der City, in dem, nach Entrichtung eines Eintrittsgelds, Kriegspielen mit scharfen Waffen aller gegen alle erlaubt ist. Das Toms Sender im Besitz der Übertragungsrechte ist, über Pay-TV frei Haus in die ganze Republik, ist klar.
Dem Vakuum selbstgefälligen Wohlstands setzt Tim Staffel Worstcase-Szenarien entgegen, die er in apokalyptischen Bildern beschreibt, um dort unsere Gegenwart wiederzufinden. Er erzählt mit schonungslosem Blick, mit grellen Mustern und einem Tempo, das an 'Clockwork Orange' von Anthony Burgess erinnert. Das Gespür für die dramatische Dimension einer Szene und die Lust, den Punkt zu erreichen, an dem die Dinge kippen, geben dem Text eine Spannung, wie man sie selten findet

Über den Autor

Tim Staffel, 1965 in Kassel geboren, studierte angewandte Theaterwissenschaften und lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Terrordrom, seine erste Romanveröffentlichung, hat nicht zuletzt durch Frank Castorfs Inszenierung an der Ostberliner Volksbühne für große Aufmerksamkeit in der Presse gesorgt.  

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Staffel setzt die Szenerie gekonnt in seinem Roman um. Ist es am Anfang schwer den Protagonisten zu folgen, wird doch der Inidvidualismus durch die konstante Ich-Perspektive offenkundig. Auch die aggressive Stimmung am Jahrtausendbeginn wird für den Leser fühlbar, da die vom Autor gewählte Sprache, der Slang, eine gutes Mittel dafür ist. Erscheint das Buch zu Beginn zwar wie eine Parodie auf das Milleniumfieber, ergeben sich später aber ganz andere Zusammenhänge und Fragen, mit denen man alltäglich konfrontiert wird. Themen wie Homosexualität, Religion, Gewalt, Sex, Drogen und die Jugend von heute zeigen einen sehr drastischen Weg, die Gesellschaft zu spalten und neu zu strukturieren - das Terrordrom. Interessant dabei ist auch die Rolle der Medien, die aufbauschend und karriereorientiert die von V gestartete Welle der Unzufriedenheit aufgreift und alles versucht, Einschaltquoten und Erfolg durch seine neue Ansprechgruppe zu steigern. Dabei geht Staffel vor allem auf die Skrupellosigkeit des Erfolgwahns ein. Das verblüffende Ende zeigt auf, welches Opfer Demokratie und Rechtsstaat bringen mußten, um die Ordnung wiederherzustellen. Ein Bereich der Anarchie wird erschaffen, in dem sich jeder potentielle Mörder, Schinder und Amokläufer austoben kann. Und außerhalb dieses Bereichs herrscht wieder die kleinbürgerliche Ruhe und der Frieden, der den Individualismus der Protagonisten zugunsten eines kollektiven Komfortmismus (Einheitsbrei) begräbt. Oft scheint Staffel zu übertreiben und seine durchaus philosophischen Gedanken zu weit zu spinnen, doch zeigt der Roman eine erschreckende Möglichkeit der Zukunft auf, wenn die Welt durch unsere Kinder regiert wird. Und mal ehrlich. Wer steht schon auf REchststaat?!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
TERRORDROM

Die Stadt Berlin versinkt im Frost, der nie aufzuhören scheint. Die Menschen in dieser in sich geschlossenen, traumatischen Stadtwelt, die sich langsam selber zerfrißt, scheinen noch nie von Moral oder Lebenssinn gehört zu haben. Lars, der Lottogewinner, fliegt mit seinem Geld nicht auf eine warme Insel, sondern stiftet lieber einen Zusammenbruch der Gesellschafts- und Stadtstrukturen an, den totalen Terror ausrufend, mit erschreckend einfachen Methoden den Lebensablauf der Stadt und die Medien manipulierend. Tom, ein angesehener Fernsehmoderator, legt sich auf die Terrorwelle und nutzt sie für sich und die Medien aus. Er, die Vorzeigefigur des Fernsehens und seiner Talkshow, verleugnet alles, schläft mit seiner machtgierigen, alles berechnenden Sekretärin, die ihn ihrerseits ausnutzt, und schlägt seine Frau, interessiert sich gar nicht für seinen Sohn. Seine Frau, Anna, ist frustriert und schwach, versucht, ihren Frust in Alkohol und einer Affäre zu versenken. Sein Sohn, Felix, kifft, säuft, geht kaum zur Schule, interessiert sich für gar nichts, läßt sich auf die Gewaltspiele ein, gehört zur sich immer weiter verselbständigenden Terrorwelle und wird so zu einer Bedrohung in Toms Haus. Nico, Toms Bruder, knallt völlig durch, leidet unter Paranoia und Persönlichkeitsspaltung, provoziert internationale Konflikte und jagt Gebäude in die Luft. Hakan, begehrt von Lars, versucht sich in dieser verrückten Welt zurechtzufinden, muß sich aber im Endeffekt auch anpassen und korrumpieren. Es entsteht Terrordrom, als Lösung für die immer globalere Maßstäbe nehmende Gewaltwelle, Berlin Mitte als Schauplatz eines freiwilligen Krieges, grausamer Freizeitpark für den konsumierbaren Haß. Tim Staffel, der Brandstifter im Lager der deutschen Jungliteratur, der "Bösegucker", der mit "Terrordrom" einen unerwarteten, brutalen und blitzschnellen Anschlag auf die Leserschaft verübt, hat damit ein Gesamtkunstwerk erschaffen, das ebenso spannend, zeitgemäß und mutig ist wie böse und im Nachhinein schockierend. Eine Mischung aus einer No-Future-Gewaltorgie und dem Begleitbuch zum Sprung aus dem Fenster. Die zerhackten Bilder wechseln sich mit einer Geschwindigkeit ab, die es noch nicht zuläßt, ganz in dem Sumpf des Terrordroms zu versinken; die das Nachdenken aber umso schmerzhafter macht. Denn so skrupellos und grausam das Buch sein mag, so fern ist es von der Realität nicht entfernt. Das Lesen von "Terrordrom" kommt wie das Anschauen eines Films vor: schnelle Montage, Abwechslung von Episoden, aus verschiedenen Perspektiven erzählt, Bilderflut und die Sprache, die die Charaktere benutzen, erinnern an einen grellbunten Film noir. Mit dem Unterschied, daß es kaum einen Film gegeben hat (vielleicht außer "Clockwork Orange") der das Leben und die Kultur so schonungslos und zynisch behandelt hätte. Staffel schafft es, den Puls der Zeit genau zu treffen, ohne dabei in eine Art Jugend- Nachahmung zu verfallen. Er schafft es auch, die Medien und die Konsumgesellschaft boshaft und zerstörerisch zu kritisieren, ohne daß er mit erhobenem Finger daherkommt. Er übertreibt, beleidigt, lacht aus und vergewaltigt die Gesellschaft durch seine Charaktere und läßt nur Trümmer übrig, genauso wie seine Charaktere Halb-Berlin demontieren und in die Luft jagen. Aber auch seine Charakteren sind allesamt Antihelden; Lars ist kein Revolutionär in dem Sinne, denn er hat keine Absicht etwas zu verbessern oder konstruktiv zu verändern, hat kein definiertes Ziel, er läßt einfach seinen Haß und seine Wut raus, manipuliert die niedrigsten Triebe der Menschen, um den Zustand eines totalen Terrors zu erreichen. Er will auch bestimmte Leute-wie Tom-angreifen, aber es geht ihm im Endeffekt nur um eigene Wichtigkeit und die Zuneigung von Hakan; ihm ist auch egal, wie viele Leute dabei auf der Strecke bleiben. Er bringt die ganze Sache ins Rollen und muß am Ende gestehen, daß die Sache ein Selbstläufer geworden ist und ihn nicht mehr braucht, und so erkennt auch der Leser, wie erschreckend leicht manipulierbar die Gesellschaft doch ist. Auch nicht Hakan, Tom, oder sonst einer der Charaktere ist ein positiver Held im verbreiteten Sinne. Die Sache ist aber, daß es keine Helden gibt. Es gibt nur Menschen, und Menschen sind nun mal keine Helden. Der König ist nackt und Staffel schafft es, diese einfache Tatsache spektakulär in die Szene zu setzen. Für die Menschen ist es ja jedes mal eine Offenbarung, zu erfahren, daß der berüchtigte König nichts anhat. "WENN WIR DEN KRIEG ERKLÄREN, WOLLEN WIR DAFÜR BEZAHLEN... NIEMAND FÄLLT DARAUF REIN, WEIL ALLE DRIN SIND". Der Terrordrom ist gewiß kein Happy End für die Geschichte. Der konsumierbare Haß; mit scharfer Munition. Berufssoldaten. Jeder gegen jeden. Das Buch schockiert nicht während des Lesens, es ist eine Zeitbombe. Erst als man die Skrupellosigkeit, die Sinnlosigkeit und den Haß erkennt, die geschildert werden, die Leichtigkeit und die Selbstverständlichkeit der Gewalt, die so normal sind wie das Atmen in dem vereisten Berlin des "Terrordroms", und die oft auch in der realen Gesellschaft in der Form vorhanden, aber nicht erkannt werden; erst wenn man die Ausmaße der praktisch grenzenloser Korruption und Menschenverachtens von den Medien, Behörden und die Menschen selbst realisiert; dann wird man erst von dem Vergeltungsschlag Staffels wirklich getroffen. Man muß aber auch die Faszination der Gewalt, Einfachheit eines solchen Lebens und die Düsternis miterleben, den Haß, die Verachtung vor der Konsumgesellschaft, wie sie zumindest im Westen praktiziert wird, und selbst ein bißchen verrückt werden, wenn man das Buch und die Absicht dahinter wirklich verstehen will. Selbst in dem Sumpf versinken. Selbst ein Terrorist für sich werden. Denn "AUCH WENN MAN GEWISSE DINGE ABLEHNT, SIE LIEGEN TROTZDEM IN EINEM BEGRÜNDET. JEDER MENSCH IST KORRUMPIERBAR... ALLEN MENSCHEN IST DER GENETISCHE CODE DER SELBSTZERSTÖRUNG EINGE- SCHRIEBEN". Man muß anscheinend den nicht begründen, um ihn zu erleben. Die Grundideen oder auch viele Gedanken Staffels mögen im Endeffekt nicht originell vorkommen, aber entscheidend ist das Gesamtkunstwerk. Das Böse im Berlin der Jahrtausendwende gebündelt, mit dem Drang zur totalen Freiheit und Selbstbestimmung vermischt und in das Terrordrom ein- gesperrt. Verkauft. Man muß dieses Buch nicht lesen. Man kann sich viele Widrigkeiten und reichlich Ekel oder Schock ersparen. Aber man kommt um das Thema, um die Ideen nicht herum, und wenn man nächstes Mal damit konfrontiert wird, mag es schon zu spät sein. DENN ENTSCHEIDEND IST NICHT DER FALL, ENTSCHEIDEND IST DIE LANDUNG.

Roman Charkoi, 20.01.00 Zu "Terrordrom" von Tim Staffel, erschienen 1999 bei Ullstein Verlag

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
deep deep dark 27. April 1999
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
castorf hat in der schaubuehne was ziemlich nettes draus gemacht-auf die absolute schwaerze und aggression des buches war ich dennoch nicht vorbereitet und musste das es echt ein paarmal zur seite legen... aber es ist spannend! ein ganz anderes leseerlebnis als die sonstige deutsche jungliteratur (der ich allerdings auch nicht abgeneigt bin...) ich hatte eigentlich gedacht, die 80ger sind vorbei, so deep deep dark und regnerisch, man hat das gefuehl, nicht nur berlin sondern auch das bett, auf dem man beim lesen liegt, versinkt in den kloaken der stadt!
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