Das, was das grandiose JUNTA in den 80ern war dürfte WAR ON TERROR für das vergangene Jahrzehnt sein - eine bitterböse Satire auf die aktuelle Weltpolitik. Wie auch bei Junta werden politisch überkorrekte Personen sich an diesem Spiel garantiert reiben - wobei allerdings gleich klargestellt werden muss, dass man schon erstaunlich vernagelt sein muss um nicht sofort zu erkennen, dass die Macher die in diesem Spiel parodierten Verhaltensweisen nicht glorifizieren wollen.
Spielerisch hat man es grundsätzlich mit einem einfachen strategischen Wargame im (grob gesagt) Stile von Risiko zu tun: die Spieler verkörpern Großmächte, die Welt ist in Areale eingeteilt, die jede Großmacht besetzen und ausplündern kann. Die Areale bringen unterschiedliche Ölmengen pro Runde, und natürlich werden Kriege um die Länder mit den meisten Ölvorkommen geführt.
Gut ist, dass die Ölvorkommen jedes Areals zu Beginn des Spieles neu bestimmt werden - die Weltkarte hat somit bei jedem Spiel andere Hotspots, um die die Konflikte gehen. Die "Achse Des Bösen" wird als Zufallsgenerator permanent benutzt, um einen der Spieler als Buhmann dastehen zu lassen, wodurch ein bei Spielen dieser Machart mitunter vorkommendes Stagnieren des Spielgeschehens schön vermieden wird, Allianzen bilden sich dadurch laufend neu.
Besonderen Pepp bekommt das Spiel durch einen sehr interessanten Mechanismus: Terroristen. Jeder Spieler baut Terroristen auf, neutrale Einheiten, mit denen er anderen Spieler besonders billig und effektiv schaden kann. Das Problem ist: Terroristen sind schwarze Spielsteine, die letztlich von jedem benutzbar sind - und der erste Spieler, der als Großmacht eliminiert wird, übernimmt alle Terroristeneinheiten! Insofern rüsten also die Großmächte um ihren Feinden zu schaden permanent ihre eigenen Feinde auf... letztlich sind die Terroristen also nicht zu besiegen, da jeder Spieler permanent neue baut.
Aber auch sonst wird Einiges geboten - politisch inkorrekt selbstverständlich: Atomwaffen kommen im Kampf um Öl und Vorherrschaft fröhlich zum Einsatz, Entwicklungshilfe wird geschachert (um neue Terrorcamps zu bilden), auch die berühmten Weapons-Of-Mass-Destruction dürfen nicht fehlen. Außerdem gibt es natürlich noch eine Strumpfmaske, die sich der von der Achse des Bösen gerade ausgewählte Spieler aufziehen muss...
Meine Meinung zu diesem Spiel ist, dass man es geschafft hat, das altbekannte Prinzip der strategischen Wargames um einige neue, ungewöhnliche und interessante Komponenten zu bereichern. Spielerisch ist WAR ON TERROR durchaus gelungen, allerdings nicht ganz perfekt: ein paar Regeln wirken nicht wirklich austariert, was aber dem Spaß bei unseren bisherigen vier Runden keinen nennenswerten Abbruch tat.
Bezüglich des Themas des Spieles kann ich nur sagen, dass ich keinerlei Probleme habe, Satire, Realität und Spiel von einander zu trennen - und manchmal ist es ja genau die Satire, die Idiotien der Realpolitik am treffensten zeigt. Satire muss manchmal auch böse und brutal sein - und das dieses Spiel fraglos bitterböse ist und vermutlich nicht als Spiel-für-die-ganze-Familie durchgehen wird ist ohnehin jedem klar, der es kauft... und das WAR ON TERROR nicht Spiel des Jahres wird ist auch nicht zu erwarten.
Wie eingangs erläutert: für mich ist WAR ON TERROR spielerisch in Ordnung, und bei mindestens 5 Mitspielern sollte eine Gruppe durchaus ihren (bösen) Spaß damit haben.