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Terror und Traum: Moskau 1937
 
 
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Terror und Traum: Moskau 1937 [Gebundene Ausgabe]

Karl Schlögel
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 816 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 4 (10. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446230815
  • ISBN-13: 978-3446230811
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,8 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 222.995 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Karl Schlögel
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein atemberaubendes Buch, das den Leser in seinen Bann zieht. Ein Geschichtsbuch, das sich wie ein Thriller liest - mit dem Unterschied, dass sich alles tatsächlich zugetragen hat. ... Vor allem aber schafft es Karl Schlögel, die Stimmung zu beschreiben, die hinter den nackten Zahlen und Fakten verborgen liegt." Guido Kalberer, Tages-Anzeiger-Zürich, 13.10.08 "Schlögels meisterhaftes, plastisches "Panorama eines heillosen Geschehens" ist auch ein Widerstand gegen den Furor des Vergessens und Verschwindens." Egbert Hörmann, Tageszeitung, 01.11.08 "Ein Werk, das mit Fug und Recht als herausragend unter allen neueren Werken der Geschichtsschreibung zu loben ist. Es ist in der Kunst seiner Darstellung ein hervorragender Beleg für die Verbindung von Literarizität und Wissenschaft." Michael Jeismann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.08 "Wie kaum ein zweiter deutscher Historiker erweckt Karl Schlögel Moskau, die Hauptstadt des Jahres 1937, zum Leben." Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung, 14.10.08 "Ein Jahrhundertwerk: Karl Schlögels präzise Vermessung des Jahres 1937 in Stalins Sowjetunion." Wolfgang Templin, Der Tagesspiegel, 15.12.08 "Ein grandioser stereoskopischer Rundblick über Moskau 1937." Gerd Koenen, Literaturen, 1/2 2009 "Eine große Erzählung aus den Zeiten des Terrors. ... Niemand und nichts war sicher in jener Zeit. Das beschreibt Schlögel in seinem Buch meisterhaft. Es ist ein Geschichtsbuch von literarischer Qualität." Liane von Billerbeck, Deutschlandradio, 11.02.09

Kurzbeschreibung

Moskau 1937: Die sowjetische Metropole auf dem Höhepunkt der stalinistischen Diktatur. In einem Orkan der Gewalt geht eine Gesellschaft vollständig zugrunde. Karl Schlögel rekonstruiert Monat für Monat, wie sich der Terror eines Notstandsregimes zum "Großen Terror" steigerte, dem binnen eines Jahres anderthalb Millionen Menschen zum Opfer fielen. Doch damit ist noch nicht die ganze Geschichte erzählt: Im Schatten des Terrors will das Regime um Stalin eine neue Gesellschaft aufbauen. Gestützt auf zahllose Dokumente, vergegenwärtigt Schlögel in seinem historischen Meisterwerk eine Zeit, in der Terror und Traum fließend ineinander übergingen.

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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ein Schulfreund hatte mir dieses Buch empfohlen - mit der Bemerkung: Wenn er das, was in diesem in jeder Hinsicht schwergewichtigem Werk dokumentiert wird, zu DDR-Zeiten gewußt hätte, wäre auch er seinerzeit auf und davon. Und ich habe jetzt verstanden, daß der Anfang vom Ende des "Sowjetkommunismus" mit seinen späteren osteuropäischen Spielarten bereits im Jahr 1937 in Moskau begann und seinerzeit eine unumkehrbare Gestalt annahm. Daß diese Welt noch bis Ende der 80er Jahre überlebte, haben wir ausgerechnet der Nazi-Ära zu verdanken. Diese Barberei hat die vorangegangene Massenvernichtung so "unbedeutend" gemacht, daß die Menschen in der Sowjetunion nun im Kampf gegen den Faschismus zusammenrücken mußten. Besonders perfide ist in diesem Zusammenhang, daß Hitlers Liste für die Liquidierung der in Moskau lebenden Kommunisten aus aller Welt, bereits von Stalin weitgehend abgehakt worden war.

Doch bei dem Buch geht es vor allem um das Jahr 1937. Mit dem Anspruch, alles für das Wohl des Volkes zu tun, werden in jener Zeit alle, die da noch eine Frage nach dem Wie hatten, als Vaterlandsverräter verhaftet und dann entweder in den Todeslagern gequält oder sofort erschossen. Ganz egal ob sie nun wirkliche Querulantern waren oder nicht. Ein nicht sehr russischer Name konnte für das Schicksal ebenso entscheidend sein, wie der Neid eines Nachbarn. In der DDR hat man die Wahlen einfach gefälscht, in der Sowjetunion hat man es sich damals nicht so leicht gemacht. Man tötete im Vorfeld die vermeintlichen Nein-Sager. Die Stalinsche Politik war so weise und stark, daß es eigentlich keinerlei Pannen in der Versorgung, Unfälle zu Wasser, zu Luft oder auf der Schiene hätte geben dürfen. Wenn nun doch täglich die Zeitungen davon berichteten, dann war das ausschließlich das Werk von Volksfeinden. Die Moskauer Zentrale reagierte nicht nur mit detaillierten Anleitungen zur Feinderkennung, sondern setzte auch die Quoten für Lagerhaft und Massenmord fest. Die Handlanger vor Ort erfüllten diese "Pläne" mit bürokratischer Genauigkeit und baten die Zentrale darum, noch ein paar Zig-Tausend mehr potientelle Volksfeinde liquidieren zu dürfen, um so als besonders treu ergebene Genossen zu glänzen. Mitunter war das auch eine profane Methode um wieder Platz in überfüllten Gefängnissen zu machen, oder ein Mittel im Kampf die katastrophalen Wohnungsprobleme zu lösen. Als man schließlich so viele Menschen umgebracht hatte, daß ganze Ministerien und Produktionszweige allein aus Personalmangel nicht mehr funktionierten, da kamen dann die Mörder selbst an die Reihe. Nicht, daß man ihren brutalen Terror beklagte - nein, die Treffergenauigkeit machte Stalin sorgen.
Wir wußten ja, daß es unter Stalin schlimme, schlimme Zeiten gab, aber daß sie so furchtbar, so grausam, so böse waren, wurde erst in den letzten Jahren ansatzweise bekannt, als in Moskau die Geheimarchive geöffnet wurden. Diese Dokumente bilden wohl auch die Grundlage für dieses erschütternde Buch von Karl Schlögel. Obwohl gegliedert, wie sich das für einen Wissenschaftler gehört, machte sein Buch auf mich mitunter einen etwas unaufgeräumten Eindruck. Doch es ist sein außerordentliches Verdienst, die russischen Dokumente für uns Deutsche überhaupt lesbar gemacht zu haben. Danke Karl Schlögel.
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Moskau 1937, eine neue Stadt für den neuen Menschen soll gemäss Stalins Generalplan errichtet werden. Dafür stehen der - nur begonnene - 400 m hohe Palast der Sowjets (Umschlagbild), die Metro, der Moskwa-Wolgakanal. Es fanden u.a. statt: der zweite Schauprozess (mit Karl Radek), die Feiern zu Puschkins 100. Todestag und zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution, das Plenum des Zentralkomitees der KPdSU, die Eröffnung des erwähnten 128 km langen Verbindungskanals Moskwa-Wolga, der internationale Geologenkongress. Ausser Landes befand man sich mitten im Spanischen Bürgerkrieg und in Paris zeigte man die Errungenschaften Stalins anlässlich der Weltausstellung in einem überdimensionierten Pavillon vor, gleich gegenüber Speers nazideutscher Variante. Im Sommer fand die Turnerparade auf dem Roten Platz als Feier der schönen, kräftigen und kämpferischen kommunistischen Jugend statt, mithin der Vorstellung des neuen Menschen. Helden, seien es Flieger oder Polarforscher glänzten mit Rekord- und Pionierleistungen. Doch wehe, wenn der Schattenwurf der Helden den Woschd (Führer) zu erfassen drohte. Dann wurde aus einem Helden sehr schnell ein Schädling. In einem System, wo die Natur gebändigt ist, wo es weder Unfall noch Unglück gibt, sind Saboteure und Schädlinge leicht zu finden. Viele Emigranten der Komintern schliesslich, die zu tausenden in Moskau Zuflucht suchten, standen als Ausländer ohnehin unter Generalverdacht und wurden demnach der Spionage bezichtigt.
Hunderttausende wurden in den Gulag deportiert oder erschossen. Stalin trieb den blindwütigen NKWD-Chef Jeschow zu Sonderleistungen an, um ihn selber schliesslich dem Henker zu überantworten. Geschützt war niemand, nicht der altgediente Parteifunktionär, nicht Wissenschenschaftler, Militär, Künstler, Ingenieur, Held, nicht der einfache Mensch. Das jährliche Erscheinen des Moskauer Adressbuches wurde 1937 eingestellt...
Damit wird 1937 als Schreckenschiffre in die auch so schon an Grausamkeiten reiche Sowjetgeschichte eingeschrieben.
Karl Schlögel hat, begünstigt durch die seit den 90er Jahren erfolgte Öffnung von Archiven, eine immense Menge von Dokumenten gesichtet und gewichtet.
Unter dem Buchtitel "Terror und Traum" schaut er nun auf diese Stadt, indem er uns einmal mehr brillant erzählend zeigt, dass Historie stets auch einen Raum in der Zeit hat. Diesen erkunden wir zu Beginn in Begleitung der über Moskau fliegenden Margarita (aus M. Bulgakows Schlüsselroman "Der Meister und Margarita"). Die Konzentration auf ein Jahr und einen Ort erzeugt beim Leser eine Ahnung von Gleichzeitigkeit der Vorgänge und dem Zusammenhang von Ort und Ereignis. Zumal in einer Stadt, in welcher gemäss Generalplan Ideologie, Gesellschaft und der dazu eingepasste neue Mensch abgebildet werden soll. In Wirklichkeit verbleiben, wie Schlögel meint, physische und seelische Erschöpfung des "real" existierenden Menschen, schon diesseits der terroristischen Gewalt, in einem zerrütteten Alltag.
M.E. gibt es kaum Besseres über den Stalinismus zu lesen.
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gemischter Eindruck! 31. März 2009
Von Caliban TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Mit dem Terror der großen Säuberungen habe ich mich - als Laie - schon sehr lange befasst. Angefangen hat alles mit Gespräche mit Stalin. Mich haben persönlich vor allem die Memoiren von Schostakowitsch in diesem Zusammenhang beeindruckt (Die Memoiren des Dmitri Schostakowitsch, die ich jedem nur empfehlen kann, der vielleicht selbst ein wenig erleben möchte, worum es bei diesem Thema geht.

Das vorliegende Werk ist insoweit verdienstvoll, als es in Zeiten der Stalin-Renaissance in Russland und der üblichen Vergeber und Vergesser auf den mörderischen Kern des Systems mit großer Faktendichte hinweist. Der Autor entwickelt vor dem Leser beeindruckend, wie alle Organisationsprobleme der Sowjetunion, alle Störungen bei der ökonomischen Entwicklung usw. mit dem Wirken von Schädlingen erklärt wurden, deren Ausschaltung zugleich als einzige Lösung zur Behebung der Probleme angesehen wurde. Beeindruckend ist die Schilderung des Parteitags in 1937, wo die Deligierten wie ein Schwarm Haifische darauf lauern, welches der Präsidiumsmitglieder zur Hatz freigegeben wird und welches nicht. Absurd und erschütternd sind auch die Ergebnisse der Volkszählung 1937, die nicht den erhofften Bevölkerungszuwachs wiedergaben, sondern das Verschwinden einiger Millionen Menschen aufzeigten. DIe Volkszählung wurde für nichtig erklärt, ihre Organisatoren liquidiert. So könnte man eine Zeit lang mit der Wiedergabe dieses Werkes fortfahren. Man muss dem Autor dankbar dafür sein, dass er in nüchterner Sprache die teilweise ebenso grotesken wie grausamen Details hier wiedergibt.
Ich habe nur drei Einwände gegen das Werk, die den positiven Eindruck etwas relativieren, keineswegs aber aufheben:
1. Der Einstieg des Autors mit Der Meister und Margarita erscheint mir zu affektiert und schreckt den Leser ab; denn: Welcher Leser dieses Werkes kennt Bulgakow nicht? Die seitenweise Wiedergabe von Ausschnitten aus diesem Werk hat mir als Leser keine neue Erkenntnis gebracht, sondern vermischte für mich zu stark historische Darstellung und Fiktion.
2. Leider neigt der Verf. zur "Faktenhuberei". Sicherlich war es ein genialer Schachzug das Adress- bzw. Telefonbuch Moskaus der Jahre 1937 mit anderen zu vergleichen, um zu erkennen, welche Personen aus dem öffentlichen Leben verschwunden sind. Leider aber listet der Autor über Seiten Einzelnamen auf, die dem Leser nichts sagen. Insoweit erwähnt der vorliegende Band, nicht nur an dieser Stelle, einer wissenschaftlichen Spezialmonographie und keiner Gesamtdarstellung, die sich an das übliche gebildete Lesepublikum richtet.
3. Am schwersten wiegt für mich, dass der eigentliche Schrecken für den Leser nicht greifbar wird. Der Verf. vermittelt dem Leser vor allem die Großstrategien und Pläne der Partei- und Staatsführung; was deren Ausführung für den Einzelnen bedeutet, wird hier nicht nachfühlbar. Ich würde jedem Leser, der sich hier einen Eindruck verschaffen möchte, die Memoiren von Schostakowitsch empfehlen, der eine Zeit lang fest davon ausging, liquidiert zu werden: Seine Freunde kennen ihn plötzlich nicht; er läuft wie ein unsichtbares Gespenst durch die Zeit. Selbstmordgedanken quälen ihn und die ständige Angst bei jedem Atemzug. Mit anderen Worten: Ich hätte mir etwas mehr Perspektive von unten gewünscht, etwas mehr Zitate von Zeitzeugen und weniger eine recht technische Deskription der ungeheuerlichen Vorgänge.

Dennoch stellt das Werk eine wichtige Bereicherung der Erkenntnisse um das Jahr 1937 dar. Vielleicht rechtfertigt sich seine nücherne Darstellung angesichts der stets gegenwärtigen Einwände der "Unverbesserlichen": Diese werden dem Autor angesichts der Sachlichkeit seiner Darstellung kaum persönliche Voreingenommenheit vorwerfen können.
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