Müsste ich das Buch mit einem Wort beschreiben, würde ich folgendes wählen: Meisterwerk.
Es ist einfach unglaublich wie Dan Simmons es schafft den Leser in die Situation der Seemänner, die im ewigen Eis gefangen sind, zu versetzen. Man hat beim Lesen das Gefühl, das man sich selbst auf dem Schiff mit den Männern befindet - draußen auf dem Eis, in bitterer Kälte, in stockdunkler arktischer Nacht.
Das Buch ist eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Man weiß, welches Schicksal den Männern blüht und dennoch bangt und hofft man mit ihnen und hantelt sich von Tag zu Tag um das Überleben um einen weiteren Tag zu verlängern. Die Handlung schwankt zwischen aussichtslosem Pessimismus und immer wieder aufflackerndem Optimismus. Der Gang der Handlung entwickelt sich weiter und man wird Zeuge wie die Mannschaft immer weiter aus ihren normalen, gewohnten Umgangsformen abgleitet in eine Welt in der er es um das nackte Überleben geht.
Die Handlung ist sehr spannend präsentiert: Simmons wechselt die Perspektive der fokussierten Person und auch die Art der Erzählung. Dr. Goodsirs Perspektive wird beispielsweise durch seine Tagebucheinträge dargestellt. Zusätzlich wird die Erzählung durch den Wechsel zwischen Gegenwartsberichten und Rückblenden aufgewertet.
Das wohl bemerkenswerteste an diesem Buch ist aber, wie schon viele Rezensenten erwähnt haben, dass Dan Simmons Werk nicht nur Elemente aus mehreren Genres verwendet, sondern es tatsächlich mehreren Genres zuzuordnen ist. Das Buch ist nicht nur ein Gemisch, das ein neues Ganzes ergibt, die einzelnen Genreteile ergeben nicht nur zusammengenommen eine konsistente Geschichte, sondern auch jeder für sich genommen einen eigenständigen Teil. So ist dieses Buch nicht nur historischer Roman und Abenteuerroman, sondern kann auch Freunde der Phantastik und Horrorliteratur begeistern - Dan Simmons ist ein Virtuose auf sämtlichen Instrumenten des Orchesters.
Persönlich hat mich der historische Aspekt am meisten angesprochen und ich kann nur sagen, dass er perfekt konstrutiert ist. Man hat nicht eine Sekunde das Gefühl, dass die Personen anders sprechen, denken oder handeln als es für die beschriebene Zeit üblich ist. Das ist einfach erstaunlich für einen Autor, der nicht auf historische Romane spezialisiert ist, insbesondere da Kollegen von Dan Simmons, die eben gerade das sind, dies gar nicht so selten nicht schaffen.
Auch sprachlich weist das Buch ein sehr gutes Niveau auf und es ist sehr wohltuend, dass Simmons sein Publikum mit sprachlichen Trivialitäten verschont und beweist, dass er Qualität produziert. Sehr positiv ist, dass Simmons verschiedene literatische Referenzen in sein Buch einbaut. Als großer Edgar Allan Poe Fan sind besonders seine eingewobenen Tribute an diesen Autor ein Hochgenuss für mich.
Die Bewertung fällt leicht, wie selten: ganz klar fünf Sterne