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Terroir: Weinkultur und Weingenuss in einer globalen Welt
 
 
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Terroir: Weinkultur und Weingenuss in einer globalen Welt [Gebundene Ausgabe]

Reinhard Heymann-Löwenstein
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 180 Seiten
  • Verlag: Franckh-Kosmos Verlag; Auflage: 1 (3. April 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3440117928
  • ISBN-13: 978-3440117927
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,2 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 308.186 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Reinhard Heymann-Löwenstein
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein spannendes Buch (...)" --Buchhändler heute, 4/09

Die Winzer-Zeitschrift, Juni 09

"Lesenswert sind seine Philosophien zur Bewertung und Beschreibung der Weine ebenso wie die zu den oenologischen Verfahren."

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Einleitungssatz
Ein Begriff, so hat es Karl Marx in der Auseinandersetzung mit seinen idealistischen Zeitgenossen formuliert, sollte nicht nur logisch wahr sein, sondern auch historisch. Lesen Sie die erste Seite
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Format:Gebundene Ausgabe
"Terroir, Plädoyer für eine neue Weinkultur" heißt das Buch, Reinhard Löwenstein der Autor. Da darf man sich auf einiges gefasst machen. Einen Kreuzzug gegen die Coca Cola-Weine, eine Philippika gegen Vermassung und Technisierung, eine flammende Rede für das Ursprüngliche, Natürliche im Weinbau.

Von wegen! So einfach macht Reinhard Löwenstein es sich nicht. Das Buch ist vielmehr überraschend neutral und absolut sachlich. Mit großer Zielsicherheit werden oberflächliche Vorurteile demontiert. Fast schon mit Freude an der Desillusionierung, an der Zerstörung liebgewordener Gemeinplätze seziert Löwenstein Begriffe wie "natürlich" oder "naturbelassen". Der Wein mag ein Kulturgut sein, so seine These, doch komme in dieser Bezeichnung schon zum Ausdruck, dass die Rebe kultiviert werden will, d.h. eben gerade nicht naturbelassen bleibe. Welche dieser kultivierenden Eingriffe dann noch "natürlich" seien und welche artifiziell, lasse sich allenfalls willkürlich festlegen, einen objektiven Maßstab gebe es dafür nicht. Auch wenn sich bei dem einen oder anderen technischen Verfahren der Moderne die Nackenhaare stärker sträuben mögen als bei jahrhundertlang bewährten Techniken, sei allein die Tradition noch kein Argument für Natürlichkeit.

Mit der gleichen Klarheit geht es dem "Biowein" an den Kragen. Auch hier stellten sich die gleichen Abgrenzungsschwierigkeiten, da selbst die biologischsten Winzer zwischen Rebstock und Weinflasche zumeist nicht völlig auf Schwefelung oder andere chemisch-physikalische Eingriffe verzichten könnten. Und so sieht Löwenstein - wer hätte das gedacht - selbst spinning cone column und andere hochmoderne Bearbeitungstechniken keineswegs nur kritisch. Es braucht auch Massenwein, meint er. Und von dieser Erkenntnis ausgehend, besitzt er die Größe zu der zumindest unter Weinfreaks politischen Unkorrektheit, zunächst einmal nichts zu verdammen, was das Massenprodukt besser machen könnte. Wichtig sei allein die Ehrlichkeit in der Kommunikation. Wer auf Pellets und Ähnliches zurückgreift, soll wenigstens nicht behaupten, seine Weine seien im Barrique gelagert.

Selbst das geliebte Terroir wird relativiert. Was das denn eigentlich sei, fragt Löwenstein. Und kritisiert, dass der Begriff zumeist auf den Boden verengt wird, obwohl doch auch Klima, angebaute Rebsorte und Umgang des Menschen/Winzers mit dem Wein(berg) erheblichen Einfluss nähmen. Und selbst die Betrachtung des Bodens führe nicht automatisch zu klaren Ergebnissen - man kann natürlich rein nach der Lage z.B. von einem Uhlen-Terroir sprechen, kann aber auch weiter aufdröseln in die einzelnen geologischen Teile des Uhlen, dann gäbe es ein Blaufüßer Lay-, ein Laubach- und ein Roth Lay-Terroir. Und selbst da muss nicht Schluss sein - wer hinderte uns daran, das noch weiter aufzugliedern, bis dann irgendwann fast jede Flasche ihr Terroir hat? Löwenstein selbst, der meint, irgendwann müsse schließlich Schluss sein.

Der Rückgriff auf das Beispiel des Uhlen ist übrigens fast der einzige Exkurs auf den eigenen Weinkosmos in Winningen, den Löwenstein sich erlaubt. Ansonsten enthält sein 170 Seiten starkes Werk weder Eigenwerbung, noch finden sich die sonst so beliebten Hinweise - "ich mache da in meinem Weinberg ja grundsätzlich wie folgt, und der Erfolg bestätigt mich...". Ein angenehmer Verzicht auf Sendungsbewusstsein erlaubt nicht nur eine besonders nüchterne Betrachtungsweise, sondern öffnet auch die Tür zu einem wunderbar leichtfüßigen, essayistischen Stil - jederzeit humorvoll und gelegentlich auch ein wenig bissig geschrieben, natürlich, soweit kann sich Löwenstein nicht verleugnen. Wie er beispielsweise Steiner und anthroposophische Lehren auseinanderpflückt, ist ein wahres Vergnügen.

Die Kehrseite dieser Nüchternheit ist allerdings, dass der Titel des Werkes ein wenig Lügen gestraft wird. Denn ein echtes Plädoyer findet man in diesem Buch höchstens zwischen den Zeilen. Und es ist eines, an dem der eine oder andere Schwarzweißmaler schwer zu kauen haben wird. Denn Löwensteins Credo scheint zu sein, dass grundsätzlich zwar der Begriff des Terroirs einen Weg in die Zukunft weisen kann, jedoch ist dieser Weg keine durch Baumreihen abgegrenzte Allee, sondern eher ein verschlungener Pfad. Natürlich sei eine Lagenklassifikation sinnvoll, gibt er zu. Und natürlich gebe es einen Unterschied zwischen Massenware und dem qualitativ hochwertigen Produkt, das sich bei Löwenstein vor allem durch jene Individualität auszeichnet, die durch einen weiten Terroirbegriff geprägt wird (also wieder Boden, Rebsorte, Klima und menschliche Handhabe der Technik). Aber klare Regeln, was erlaubt sein soll und was verboten, was richtig und was falsch, die soll es nicht geben. Ehrlichkeit und Transparenz sind wichtig, alles andere, so ergibt sich aus dem Epilog, einem Dialog zwischen Dionysos und Apoll, werden hoffentlich die Menschen richten - durch kluge Entscheidungen bei der Weinbereitung auf Winzerseite und auf Qualität und Individualität zielende Nachfrage auf Kundenseite. Nicht umsonst wird Zhuangzi zitiert: Der wahre Reisende weiß nicht, wohin die Reise geht.

Er hätte es uns wirklich einfacher machen können, der Schieferflüsterer aus Winningen. Aber so ist er halt, unberechenbar und dabei in jeder Zeile immer voller Hingabe an den Wein. Ich habe das Buch jedenfalls nicht aus der Hand legen können und es in einem Zug verschlungen. Unklar ist nur, welcher der drei Uhlen dazu am besten passt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Weine aus dem Weingut Heymann-Löwenstein besaß mein verstorbener Schwiegervater schon in seinem Weinkeller. Beim ihm auch lernte ich Rieslinge des VDP-Winzers Reinhard Löwenstein kennen und schätze diese seither wegen ihrer eigenwilligen und dabei exzellenten Geschmacksnoten sehr.

Nicht bekannt war mir bislang, dass der Moselwinzer ein Intellektueller ist. Im vorliegenden Buch, in dem er sich sehr differenziert über Weinkultur und Weingenuss in einer globalen Welt gedanklich ausbreitet, singt er das Hohelied auf die Terroirweine, mit dem er sich respektvoll vor Mutter Erde, den Reben und der Begabung der Winzer verbeugt und den Food-Designern, die die Weinkultur auf dem Altar der Globalisierung zu opfern suchen, ganz klar die rote Karte zeigt.

Löwenstein konstatiert, dass der Terroirwein kein Rezept kenne. Er entstünde nicht durch lineares Programmieren auf der Basis eines axiomatischen Denkmodells, sondern er entwickele sich an der Grenzfläche von Handwerk und Intuition, zwischen Kontrolle und Laissez-faire, zwischen Ordnung und Chaos, (vgl.: S.8).

Die Magie des Weines sei seit Dekaden Forschungsgegenstand an vielen Universitäten. Löwenstein informiert wie Marketingexperten Produkte den Zielgruppen schmackhaft machen und wie wenig diese Marketingexperten im Grunde von der wahren Magie des Weines wissen.

Terroirweine, die durch das schöpferische Zusammenspiel von Lage, Reben, Klima und Kunst des Winzers entstehen, sind Magie. Der Autor lässt in diesem Zusammenhang den Leser wissen, dass sich im Keller mehr als bloß eine chemische Wandlung vollzieht. "Aus Trauben wird ein Rauschgetränk, eine die Zunge lösendes Kommunikationswunder, ein vorzüglicher Essensbegleiter, das Blut Gottes, ein Sorgentröster, ein Potenzmittel, eine Wahrheitsdroge...."(Zitat: S.14).

Leider haben viele Weine seit der Globalisierung ihre Ursprünglichkeit verloren. Nun schmecken Rheinweine plötzlich nach Fruchtsalat, Nebbiolos nach Marmelade, weil das verunsicherte Individuum mit Muttermilch ähnlicher Süße betört wird. Wie Löwenstein so treffend schreibt "Schön süß und fett. Ab in die Oralphase, von wegen erwachsen und Bewusstsein!",(Zitat: S.27).

All das, was einen guten Wein ausmacht, soll verschwinden, weil der Kindergeschmack offenbar verkaufsfördernder ist. Löwenstein aber weiß, dass wir mit dem Verlassen der infantilen Welt süßer Milch, Breie und Früchte erlernen, mit differenzierten Aromen umzugehen und, dass wir auf diese Weise Geschmack entwickeln. Dieser Geschmack macht es u.a. möglich delikat Terroirweine zu goutieren.

Der Autor berichtet in seinem kurzweilig zu lesenden Buch sehr viel Faktisches, erzählt auch von dem Abt Bernhard von Clairvaux, einem der großen Visionäre des modernen Weinbaus und neigt zwischendrinn zu philosophischen Betrachtungen und angenehm poetischen Passagen. Dieser Mix gefällt mir und spricht mich ganz ungemein an.

Immer wieder geht es Löwenstein darum aufzuzeigen, wie die Weinkultur auf dem Altar der Fastfood geopfert wird und er nennt tausend Gründe, weshalb Winzer sich an diesem Spiel nicht beteiligen sollen. Wer sich mit diesen auseinandersetzen möchte, sollte das Buch lesen.

Es stimmt, wenn Löwenstein hervorhebt "Wir haben die Freiheit, den vielfältigen Aspekten dieses uralten Getränkes Raum zu geben, uns von ihm einfangen zu lassen, uns verführen zu lassen",(Zitat S.166.) Löwenstein nutzt diese Freiheit und schenkt seinen Kunden durch seine Weine die Chance, sich endlich von der Oralphase zu emanzipieren und zumindest beim Weintrinken auch Grenzerfahrungen zu machen und zwar durch den Genuss von Terroirweinen.

Empfehlenswert.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Winzerkultur 23. März 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Hebt sich von allen mir bekannten Weinbüchern ab, weil es nicht von einem der üblichen verdächtigen Weinautoren geschrieben wurde sondern von einem so leidenschaftlichen wie intelligenten Winzer. Und das auch noch unterhaltsam, spannend und herrlich unausgewogen. "Objektive" Weinaussagen waren mir beim Weingenuß
immer verdächtig. Ganz nebenbei schreibt sich Löwenstein von allen Klischees frei, die ihm angehängt wurden, von allen Schubladen, in die er von den Weinautoren gesteckt wurde. Es ist halt alles doch viel weniger simpel als vermutet - und trotzdem, wenn man Wein genießen kann, eine der einfachsten und schönsten Sachen der Welt.
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